Yacon – Superknolle aus Südamerika

Wasserhaltige Wurzel mit gesundheitlichem Mehrwert

Die Yacon-Pflanze bildet essbare Wurzelknollen, die als Superfood ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten sind. Frisch zubereitet sind die Knollen noch selten in unseren Küchen zu finden. Als Süßungsmittel und ballaststoffreiche Nahrungszusätze erleben Pulver und Sirup seit einigen Jahren einen Hype bei Gesundheitsbewussten.

Die Yacon (Smallanthus sonchifolius) gehört wie Sonnenblumen, Chrysanthemen, Wegwarte, Löwenzahn, Chicorée und Topinambur zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Äußerlich gleicht die Knolle der Süßkartoffel. Anders als diese handelt es sich bei dem als Lebensmittel genutzten Pflanzenteil aber nicht um die verdickte Sprossachse, sondern um die Wurzel.

Botanik der Yacon

Smallanthus sonchifolius ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die zwischen 1,5 bis 2,5 Meter hoch wird. Die grünen bis violetten, hohlen Stängel sind dicht behaart und verzweigt. Als Überdauerungsorgane bildet die Pflanze vier bis 20 spindelförmige Wurzelknollen. Diese werden bis zu 25 Zentimeter lang und bis zu 10 Zentimeter breit. Die Knollen können mehrere Kilogramm schwer werden. Ihre Schale ist 1 bis 2 Millimeter dick und meistens braun. Sie kann aber auch weißgrau, gelb oder rötlich gefärbt sein. Das Fruchtfleisch ist weiß oder cremefarben, mitunter auch gelblich bis hin zu leicht violett.

Yacon als Heil- und Süßungsmittel

Yacon, auch Inkawurzel genannt, wird seit Jahrhunderten in den Andenregionen Südamerikas angebaut. Wie andere Trendlebensmittel oder Superfoods, zum Beispiel Chia-Samen oder Quinoa, gehört auch die Yacon-Knolle in den Ursprungsländern zu den Grundnahrungsmitteln. Dort wird sie seit Jahrhunderten sowohl gegessen als auch für medizinische Zwecke genutzt. Angewendet werden sie zum Beispiel bei Nieren- und Lebererkrankungen, bei Diabetes oder Verdauungsproblemen. Tee aus Yacon-Blättern wird in Südamerika traditionell bei Diabetes getrunken, da dieser blutzuckersenkend wirken soll, darüber hinaus auch cholesterinsenkend.

Ihren Namen verdankt die Pflanze dem hohen Wassergehalt der Wurzelknollen: „Yacu“ bedeutet in der Quechua-Sprache der Inkas „Wasser“. Neben viel Wasser enthalten die Knollen hauptsächlich Kohlenhydrate. Anders als beispielsweise bei Kartoffeln handelt es sich dabei aber nicht um Stärke, sondern um Fruktane wie Inulin und Fruktooligosaccharide. Diese können im menschlichen Darm nicht gespalten werden und haben daher eine wichtige Funktion als wasserlösliche Ballaststoffe. Da sie präbiotisch wirken – also das Wachstum von nützlichen Darmbakterien fördern – sind die Yacon-Kohlenhydrate förderlich für die Darmgesundheit und damit auch für das Immunsystem und andere Stoffwechselvorgänge. Diese Wirkungen haben auch viele Händler von Nahrungsergänzungsmitteln für sich entdeckt: Yacon-Pulver ist bei zahlreichen Anbietern in verschiedensten Qualitäten erhältlich. Weil es angenehm süß schmeckt, wird es als Zuckerersatz immer beliebter. Ähnlich wie der Yacon-Sirup, der einfach zu dosieren ist und statt anderen Dicksäften oder Honig zum Süßen verwendet werden kann.

Die Yacon-Wurzel in der Küche

Frische Yacon-Knollen haben ein leicht süßliches Aroma und eine knackige Konsistenz. Da sie geschmacklich zwischen Obst und Gemüse liegen, können die Knollen sowohl süß als auch herzhaft zubereitet werden. Roh werden sie in Südamerika gerne im Obstsalat eingesetzt, dem Salpicón de Frutas, zum Beispiel mit Orangen, Ananas, Mango und Papaya. Genauso gut macht sich klein gewürfeltes, rohes Yacon-Fruchtfleisch in herzhaften Salpicóns. Diese Salatmischungen werden auch gerne als Füllungen für Tortillas, Tacos und Co. verwendet. Gesundheitsfans mixen die frische Yacon in ihren Smoothie. Freunde der geistigen Getränke können aus eingemaischten und vergorenen Yacon-Knollen einen erdig schmeckenden Schnaps brennen.

Gekocht passt Yacon gut in Gemüsepfannen oder Suppen. Dabei behält das Fruchtfleisch seine weiche Konsistenz, ohne zu zerfallen. Als weitere Zubereitungen kommen eigentlich jegliche Art von Kartoffelrezepten in Frage, von Puffern und Waffeln über Eintöpfe und Gratins bis zu Yacon-Pommes oder -Chips. Für Letztere können dünne Yacon-Scheiben frittiert werden oder – die kaloriensparende Variante – einfach getrocknet. Inspiration bieten auch Rezepte für Süßkartoffeln.

Yacon aus heimischem Anbau

Der Nachteil an der frischen Yacon-Wurzel ist, dass sie nicht lange haltbar ist. Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass Yacon überwiegend als Pulver oder als Sirup verkauft und verwendet wird. Yacon könnte jedoch auch bald in Deutschland erzeugt werden. Denn wie zuvor für Quinoa, Chia und Amarant wurden auch für Yacon wissenschaftliche Anbauversuche an der Universität Hohenheim mit Erfolg durchgeführt. Diese sollen unter anderem dazu beitragen, dass die Ernte in den Herkunftsländern nicht der einheimischen Bevölkerung streitig gemacht wird. Außerdem hat der Anbau der Pflanzen großes Potenzial für die heimische Landwirtschaft.

Yacon-Wurzeln lassen sich aber auch im privaten Garten kultivieren, wenn genug Sonne und Wasser vorhanden sind. Dazu wird die Vermehrungswurzel (das Rhizom) nach den Eisheiligen im Mai etwa 10 Zentimeter tief in die Erde gesteckt. Diese sollte nährstoffreich und locker sein. Da die Yacon sehr zögerlich beginnt zu wachsen, muss die Erde im Pflanzbereich stets unkrautfrei gehalten werden. Die Pflanze lässt sich aber auch ab März im Haus vorziehen und kann dann Mitte Mai ins Beet umziehen. Bis auf kräftiges Wässern, vor allem in trockenen Perioden, sowie einer Mulchschicht gegen Verdunstung und Unkraut ist der Pflegeaufwand für die Yacon-Pflanzen bis zur Ernte im Spätherbst gering. Sobald die Blätter beim ersten leichten Frost austrocknen oder absterben, ist es Zeit, die Wurzelballen vorsichtig auszugraben. Dann dreht man die Yacon-Knollen vorsichtig ab. Zurück bleiben die Vermehrungswurzeln, die, kühl und frostfrei überwintert, im darauffolgenden Frühjahr wieder eingepflanzt werden können.