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Schule & Wissen
16.04.2020

Maniok: Grundnahrungsmittel für 1 Milliarde Menschen

Maniok ist mit 35 Gramm Kohlenhydrate pro 100 Gramm ein sehr stärkereiches Nahrungsmittel. Foto: istock

Durch Viruskrankheiten gefährdet

Er ist die „Kartoffel der Tropen“, aber hierzulande fast unbekannt. Der Maniok zählt zu den zehn wichtigsten Kulturpflanzen weltweit und besticht durch seine vielseitige Verwendung. Doch es ist noch Luft nach oben: Züchter arbeiten an seinen kleinen Schönheitsfehlern.

Wissenswert

Maniok, auch Yuca oder Cassava genannt, zählt in vielen tropischen Ländern der Erde zu den Grundnahrungsmitteln. Die stärkereichen Knollen des Strauchs können ähnlich wie die Kartoffel gekocht, frittiert oder gebraten werden. Ihr Geschmack ist neutral bis leicht süßlich. Pürees sind ebenso beliebt wie Brot, Kekse und Kuchen aus dem glutenfreien Mehl. Doch das ist nicht alles. Etwa ein Viertel der weltweiten Erzeugung geht als Maniokstärkebeziehungsweise Tapioka ins Viehfutter. Die Welternährungsorganisation FAO bescheinigt der Tropenpflanze darüber hinaus eine Eignung als nachwachsender Rohstoff für die Ethanol-Produktion. Ganz besonders, wenn sie ihr Ertragspotenzial durch professionellen Anbau ausschöpfen kann.

Die Knollen des Maniokstrauchs sind etwa 50 Zentimeter lang, 10 Zentimeter dick und 2 bis 4 Kilogramm schwer. Die Schale ist rotbraun, das Innere weißlich. Ihr Hauptbestandteil ist Stärke. Sie enthalten aber auch sortenabhängig das Glykosid Linamarin in größeren Mengen. Es wird bei Verletzungen in giftige Blausäure umgewandelt, die die Pflanze vor Fraßfeinden schützt und auch für Menschen gefährlich ist. Deshalb dürfen die Knollen nicht roh verzehrt werden. Durch mehrmaliges Wässern oder besser durch starkes Erhitzen sinkt der Gehalt auf ein ungefährliches Niveau.

Die Knollen haben einen weiteren Schönheitsfehler: Sie beinhalten zwar reichlich Stärke, aber leider nicht viel mehr. Bei einer Mischkost ist das kein Problem. In Regionen, in denen Maniok fast alleiniges Nahrungsmittel ist, drohen jedoch Mangelkrankheiten. Und zwar ausgelöst durch geringe Eiweiß-, Vitamin-, Eisen- oder Zinkgehalte. Züchter in mehreren Ländern arbeiten an „besseren“ Pflanzen. Erste Erfolge wurden mit gentechnischen Verfahren erzielt. So konnte der Gehalt an Vitamin B6 erhöht und der an Linamarin gesenkt werden.

Maniok wird zwar als Kartoffel der Tropen bezeichnet. Er ist aber nicht mit der Süßkartoffel (Batate) zu verwechseln, die ursprünglich ebenfalls aus den Tropen stammt. Im Gegensatz zur Süßkartoffel ist der Maniok in deutschen Küchen noch ein wahrer Exot.

Herkunft und Ansprüche

Ursprünglich stammt die Maniokpflanze (Manhiot esculenta) aus Süd- oder Mittelamerika. Sie ist mit portugiesischen Sklavenhändlern im 16. Jahrhundert nach Afrika gekommen und gelangte von dort nach Asien. Sie liebt ganzjährig tropische Temperaturen um 25 Grad Celsius, gut verteilten Niederschlag, viel Sonne und lockere Böden. Maniok kann längere Trockenphasen überstehen und wächst auf kargen Böden besser als zum Beispiel Zuckerrohr.

Anbau

Maniokbauern nutzen dafür Stecklinge, die in einem Abstand von etwa 1 Meter zueinander in den Boden gesteckt werden. Daraus entstehen mehrjährige, etwa 3 Meter hohe Sträucher, die nach etwa zwölf Monaten erntereife Knollen bilden. In Deutschland sind die Pflanzen in einigen botanischen Gärten zu sehen. Sie fallen ähnlich wie Hanf durch ihre handförmig geteilten Blätter auf.

Pflanzenschutz und Düngung

In der Jugendphase muss das Unkraut zwischen den Stecklingen zum Teil mehrfach entfernt werden. Später setzen vor allem Viruskrankheiten wie das Maniok-Mosaik-Virus der Pflanze zu. Virosen haben in der Vergangenheit zahlreiche Hungerkatastrophen ausgelöst. Zum Teil können resistente Sorten die Risiken vermindern. Maniok zählt zu den Starkzehrern und braucht für hohe Erträge auch hohe Düngermengen.

Ernte und Lagerung

Wenn sich die Blätter des Strauchs verfärben, zeigt das einen hohen Stärkegehalt in den Knollen und damit die Erntereife an. Die Stängel werden abgeschnitten und die Knollen aus dem Boden geholt. Da die Knollen nur wenige Tage später verderben, wird ein Teil der Ernte zum länger haltbaren Mehl verarbeitet.

Zahlen

Die Weltproduktion betrug 2017 rund 297 Millionen Tonnen (Kartoffeln: 388 Millionen Tonnen). Damit lag die Erntemenge auf Platz 9 der weltweit bedeutendsten Kulturen. Die Hauptproduzenten waren Nigeria (59 Millionen Tonnen), Demokratische Republik Kongo (32 Millionen Tonnen), Thailand (31 Millionen Tonnen), Indonesien und Brasilien (jeweils 19 Millionen Tonnen). Im Mittel aller Länder lag der Ertrag bei 11 Tonnen pro Hektar. Unter sehr guten Bedingungen erzielen Anbauer 80 Tonnen (Zahlen: FAO).

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