Tag der gesunden Ernährung 2021

Diabetes mellitus – eine der großen Volkskrankheiten

Am 7. März veranstaltet der Verband für Ernährung und Diätetik e. V. (VFED) zum 24. Mal den „Tag der gesunden Ernährung“, um auf die Wichtigkeit dieses Themas aufmerksam zu machen. In diesem Jahr liegt der Fokus auf Ursachen und Therapie verschiedener Diabetes-Typen.

Unter dem Begriff „Diabetes mellitus“ werden verschiedene Störungen des Kohlenhydrat-Stoffwechsels zusammengefasst, die durch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet sind. In Deutschland sind nach Schätzungen über sieben Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, weltweit rund 465 Millionen Menschen. Die International Diabetes Federation (IDF), Weltdachverband aller Organisationen, die mit dem Diabetes befasst sind, spricht von der „Epidemie des 21. Jahrhunderts“.

Ursachen von Diabetes

„Diabetes mellitus“ bedeutet so viel „honigsüßer Durchfluss“, was auf das Hauptsymptom der Erkrankung hinweist: die übermäßige Ausscheidung von Zucker mit dem Urin. Die Ursachen für die Entstehung der Zuckerkrankheit sind unterschiedlich, gehen aber allesamt darauf zurück, dass das blutzuckersenkende Hormon Insulin im Körper fehlt beziehungsweise es seine Wirkung nicht oder nur eingeschränkt entfalten kann. Dadurch ist der Blutzuckerspiegel der Betroffenen stark erhöht, was ohne Behandlung zu ernsten Komplikationen bis zum Tod führen kann. Gemäß der zugrundeliegenden Fehlfunktionen wird Diabetes in vier verschiedene Typen eingeteilt: Am bekanntesten sind Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2.

Diabetes-Typen nach Ursachen

Unter Diabetes Typ 1 leiden etwa 5 Prozent der Diabetiker. Bei ihnen wurden durch eine Autoimmunerkrankung spezielle Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, wodurch kein Insulin mehr produziert werden kann. Die Krankheit tritt häufig im Kindes- oder Jugendalter auf und muss lebenslang mit Insulin behandelt werden.

Der weitaus größte Teil der Diabetiker – mehr als 90 Prozent – ist von Diabetes Typ 2 betroffen, der früher „Alterszucker“ oder „Altersdiabetes“ genannt wurde. Zwar ist dieser Diabetes-Typ bei älteren Menschen am häufigsten verbreitet, jedoch erkranken auch immer mehr Jüngere daran, weshalb die Bezeichnung nicht mehr verwendet wird. Bei den Typ-2-Diabetikern ist Insulin zwar vorhanden, kann an seinem Zielort, den Zellmembranen, aber nicht richtig wirken. Diese Störung nennt man Insulinresistenz, welche anfangs zu einer erhöhten Insulinbildung, im Laufe der Zeit aber zu einem Insulinmangel führt. Zu einer Insulinresistenz kommt es häufig durch Übergewicht, es gibt jedoch auch andere Einflussfaktoren. Unter „Diabetes Typ 3“ werden mehrere Diabetes-Formen mit unterschiedlichen Ursachen zusammengefasst, zum Beispiel Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Bei Typ 4 handelt es sich um den sogenannten Gestationsdiabetes, auch Schwangerschaftsdiabetes genannt.

Diabetes und Ernährung

Bei allen Diabetes-Typen spielt ein optimales Blutzucker-Management die zentrale Rolle, um ein gesundes Leben zu führen und Folgeerkrankungen vorzubeugen. Neben der Therapie mit Insulin hilft eine angepasste Ernährung, zu starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. Bei Typ-2-Diabetikern können bestimmte Ernährungsfaktoren, gegebenenfalls kombiniert mit einer Gewichtsabnahme und mehr Bewegung, sogar dazu führen, dass eine früh erkannte Erkrankung noch umkehrbar ist. Dabei unterscheiden sich die Prinzipien einer ausgewogenen Ernährung nicht von denen, die auch für gesunde Menschen gelten: Viel frisches Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte sowie Kartoffeln und Getreideprodukte, dazu moderate Mengen an tierischen Lebensmitteln wie Eier, Milchprodukte, Fleisch und Fisch, ergänzt durch kleine Extras wie Süßigkeiten oder Alkohol.

Kohlenhydrate im Blick

Besonderes Augenmerk sollten Betroffene auf die Kohlenhydrate in ihrer täglichen Ernährung legen. Je nachdem, wie komplex diese zusammengesetzt sind, erhöhen sie den Blutzuckerspiegel schnell oder weniger schnell. Während zum Beispiel der Zucker aus Süßigkeiten oder Limonade quasi direkt ins Blut schießt, müssen die Zuckerketten in Vollkornprodukten erst in Traubenzuckerbausteine zerlegt werden, bevor sie ins Blut gelangen. Vollkornbrot, Naturreis und Müsli liefern auch viele Ballaststoffe, genau wie Gemüse und Hülsenfrüchte. Diese stabilisieren den Blutzuckerspiegel zusätzlich. Zum anderen sorgen sie für eine lange Sättigung. Ein Vorteil, den auch gesunde Menschen nutzen sollten, vor allem, wenn sie abnehmen möchten.

Übergewicht und Diabetes Typ 2 vorbeugen

Nicht alle Menschen mit Diabetes Typ 2 sind übergewichtig. Umgekehrt entwickeln nicht alle Übergewichtigen einen Diabetes. Wie zahlreiche Studien belegen, ist jedoch das Erkrankungsrisiko von Menschen mit Übergewicht doppelt so hoch wie bei Normalgewichtigen. Bei Adipositas verdreifacht sich das Risiko sogar, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Weil Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) und des Robert-Koch-Instituts (RKI) prognostizieren, dass bis zum Jahr 2040 bis zu zwölf Millionen Menschen in Deutschland von Typ-2-Diabetes betroffen sein könnten, gibt es derzeit verschiedene Präventionskampagnen und Initiativen, die auch vom Bundesgesundheitsministerium gefördert werden. Auf der Webseite www.diabetes-typ.de zum Beispiel stellt das DDZ eingängige Kurzfilme und Informationen zum Thema bereit und motiviert zu einem gesünderen Lebensstil. Wer wissen möchte, wie hoch sein persönliches Risiko für Typ-2-Diabetes ist, kann dies auf der Webseite des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) testen: www.dife.de/news/diabetes-risiko-test. Der Test zeigt auch individuelle Möglichkeiten auf, das Erkrankungsrisiko für Diabetes Typ 2 zu senken.

Normalerweise finden zum „Tag der gesunden Ernährung“ jedes Jahr mehr als 2000 Aktionen statt, für die der VFED e. V. ein Aktionspaket erstellt. Da der Aktionstag wegen der Corona-Pandemie nicht in gewohnter Form umgesetzt werden kann, wird der Verband ein Fachmagazin, ein Leporello und einen Folienvortrag zum diesjährigen Themenschwerpunkt erstellen.