Ananas: Immer gut für einen Hype

28.03.2019 Schule & Wissen

Drittbeliebtestes exotisches Obst in Deutschland

Die einen denken bei Ananas an Spongebobs Haus in Bikini Bottom, die anderen an Pizza Hawaii oder Pina Colada, wieder andere an eine fehlgeschlagene Diät. Die Ananas ist alles andere als langweilig. Das exotische Obst hat bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich und ist immer für einen Hype gut.

Wissenswert

Der 4. November 1493 hat die Karriere der Ananas beeinflusst wie kein zweiter Tag. Auf Guadeloupe übergaben Einheimische dem italienischen Entdecker Christoph Kolumbus in spanischen Diensten einige süße Früchte als Willkommensgeschenk. Die Seefahrer waren hellauf begeistert, denn Zucker war damals in Europa ein Luxusgut. Besonders Portugiesen sorgten dafür, dass sich die Kultur schnell außerhalb von Mittel- und Südamerika verbreitete.

Weil die Früchte aber nur eine begrenzte Haltbarkeit haben, blieben sie in Europa eine Rarität und entwickelten sich zum Statussymbol der Superreichen. Auch noch nach 1685, als es erstmals in einem Gewächshaus in den Niederlanden gelang, eine Ananas zu züchten. Die damals sehr teuren Gewächshäuser und ihre Unterhaltung sowie das wertvolle Pflanzgut trieben die Kosten in die Höhe. Eine Frucht hatte den Gegenwert einer Pferdekutsche.

Die Wende kam 1820: Das erste relativ schnelle Dampfschiff legte mit einer Ananas-Ladung an einem englischen Hafen an. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Ananas durch die Verarbeitung zu Konserven haltbar und damit endgültig massentauglich. Hawaii war bis Mitte des 20. Jahrhunderts das wichtigste Anbaugebiet. Daher haben Toast Hawaii und Pizza Hawaii auch ihre Namen. Obwohl sich an der Pizza-Variante mit Ananas die Geschmäcker scheiden, ist sie hinter Salami und Margherita zusammen mit Tonno auf Platz drei der beliebtesten Pizzen in Deutschland.

Seit einigen Jahren ist die Ananas auch aus einem anderen Grund in aller Munde: Jeden Tag 2 Kilogramm davon, und das über eine Woche – mit dieser Crash-Diät sollen die Pfunde nur so purzeln. Das gelingt zum Teil auch. Allerdings handelt es sich in erster Linie um Wasser: der Jojo-Effekt ist vorprogrammiert. Der Hype um die Ananas-Diät beruht auf der irrigen Annahme, dass das enthaltene Enzym Bromelain die Fettpolster von selbst schmelzen lässt. So ein Enzym gibt es leider bis heute nicht. Richtig ist, dass der Inhaltsstoff Eiweiß spaltet. Frische Ananas sorgt deswegen dafür, dass Gelatine nicht fest werden kann. Kurzes Erhitzen deaktiviert aber die Enzymwirkung, der Kuchen gelingt.

Mit 55 Kilokalorien pro 100 Gramm (ungezuckert), mittleren Gehalten an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen gehört sie dennoch zu den wertvollen Nahrungsmitteln.

Herkunft und Ansprüche

Die Ananas wird nachweislich seit etwa 4000 Jahren am Amazonas angebaut. Von dort verbreitete sie sich über Süd- und Mittelamerika weltweit in fast alle tropischen und subtropischen Länder. Sie benötigt hohe Luftfeuchten von über 60 Prozent und Temperaturen über 15 Grad Celsius. Ideal sind gleichmäßige 25 bis 32 Grad Celsius. Die Ananas zählt wie andere Dickblattgewächse zu den CAM-Pflanzen. Sie verhindern starken Wasserverlust, weil sie tagsüber ihre Spaltöffnungen schließen. Nur nachts kann CO2 ins Blattinnere gelangen. Die Kultur kommt deswegen auch mit weniger als 1000 Millimeter Jahresniederschlag zurecht.

Anbau

Auf den Plantagen wachsen 40 000 bis 70 000 Ananas pro Hektar. Nach dem Pflanzen dauert es mindestens 14 Monate bis zur Ernte; eine zweite und dritte folgen in kürzeren Abständen, allerdings sind diese Früchte dann wesentlich kleiner. Nach vier Jahren erfolgt ein Zwischenfruchtanbau, bevor die nächste Ananaskultur angelegt wird.

Pflanzenschutz und Düngung

Wegen seines langsamen Wachstums wird die Kultur schnell von Unkraut überwuchert. Deswegen sind Gegenmaßnahmen erforderlich. Die Anbauer müssen auch die Ananaswelke und verschiedene Fruchtfäulen im Blick behalten, ansonsten drohen massive Ertragseinbußen. Werden Pflanzenschutzmittel ordnungsgemäß angewendet, ist ihr Einsatz sicher für Mensch und Umwelt. Zu den wichtigsten Nährstoffen zählen Stickstoff und Kalium, die gezielt nach den Ergebnissen von Bodenuntersuchungen angewendet werden sollten.

Ernte und Lagerung

Die Früchte werden bei einem Gewicht von knapp 2 Kilogramm für die Konserven-Industrie geerntet. Für den Frischverzehr sind sie etwas leichter. Frische Ananas sind ganzjährig im Handel, von Mai bis August ist das Angebot allerdings etwas geringer. Hochwertige Ware ist an dem aromatischen Duft, der klaren Schalenfarbe und dem festen Fruchtfleisch zu erkennen. Die Schalenfarbe ist sortenabhängig. Sehr reif und mit vollem Aroma geerntete Ananas kommen im Flugzeug zu uns und halten sich nur wenige Tage. Etwas früher geerntete Früchte werden per Schiff im Kühlcontainer transportiert. Sie lassen sich länger lagern und gewinnen dabei an Süße.

Zahlen

Nach Bananen und Zitrusfrüchten sind Ananas das beliebteste exotische Obst in Deutschland. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2010 bei 2,6 Kilogramm (Quelle: AMI GmbH). Laut FAO wurden 2016 weltweit 25,8 Millionen Tonnen erzeugt. Die größten Produzenten sind Costa Rica, Brasilien und die Philippinen. Weltweit lag der Durchschnittsertrag 2016 bei 24,7 Tonnen pro Hektar.

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