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Umwelt & Verbraucher
18.01.2022

Rosa Pfeffer ist gar kein Pfeffer

Rosa Pfeffer ist ein beliebtes Gewürz, das nicht mit echtem Pfeffer verwandt ist. Foto: iStock

Vielseitiges Gewürz mit besonderen Geschmacksnuancen

Rosa Beeren werden zwar manchmal auch Rosa Pfeffer genannt, sie sind aber botanisch nicht mit dem Pfeffer verwandt. Wegen der schönen Optik und des fruchtig-pfeffrigen Geschmacks sind die Beeren hierzulande dennoch als Gewürz sehr beliebt.

Nicht zu verwechseln ist der Rosa Pfeffer mit „echtem“ roten Pfeffer. Denn alle Pfeffersorten wachsen am Pfefferstrauch (Piperum nigrum), einer Kletterpflanze, und unterscheiden sich nur durch den Erntezeitpunkt und die Weiterverarbeitung. So handelt es sich beim roten Pfeffer um voll ausgereifte Früchte, die zur Vermeidung der Fermentation sofort in Lake eingelegt werden. Ihr Geschmack ist schärfer als der von grünem Pfeffer. Rosa Beeren wachsen hingegen an bis zu 9 Meter hohen, immergrünen Pfefferbäumen (Schinus) und werden deshalb auch als Schinusbeeren oder Schinusfrüchte bezeichnet.

Herkunft und Anbau von Rosa Beeren

Der Schinusbaum gehört zu den Sumach-Gewächsen, genau wie Mango Pistazie und Cashew. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika und bildet eine rundliche Krone. Die wechselständigen, unpaarig gefiederten Blätter glänzen tiefgrün und verströmen beim Zerreiben einen pfeffrigen Geruch. Die gelblich- bis grünlich-weißen Blüten sind in reich verzweigten, kürzeren Rispen angeordnet. Daraus entwickeln sich die etwa 4 Millimeter kleinen Steinfrüchte, die erst grün, bei voller Reife dann rosafarben bis rot gefärbt sind.

Mittlerweile werden die meisten rosa Beeren auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean angebaut. Dort herrscht der Brasilianische Pfefferbaum (Schinus terebinthifolius) vor, während in der Türkei und anderen Mittelmeerländern der Peruanische Pfefferbaum (Schinus molle) kultiviert wird. Nachdem die Früchte in ihrer Heimat schon seit vielen Jahrhunderten als Heilmittel und zur Veredelung alkoholischer Getränke sowie – ähnlich wie die Stechpalme – als Weihnachtsdekoration verwendet wurden, gelangten sie im 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie bis in die 1960er-Jahre als Pfefferersatz verwendet wurden. Mit der französischen „Nouvelle Cuisine“ wurden die Beeren in den 1970er-Jahren auch in Deutschland populär.

Übrigens: Der Brasilianische Pfefferbaum gelangte Ende des 19. Jahrhunderts als Zierpflanze nach Florida, wo er verwilderte und natürliche Biotope überwucherte. Daher sind dort heute sowohl der Besitz als auch die Pflanzung des Pfefferbaums strafbar. Auch in anderen Regionen der Erde hat sich der robuste Schinus terebinthifolius zu einer regelrechten Plage entwickelt, und muss mit hohem finanziellen Aufwand bekämpft werden.

Einkauf und Verwendung von Rosa Beeren

Die rosaroten Beeren des Pfefferbaums werden reif geerntet und wie echter Pfeffer verarbeitet, also entweder getrocknet oder in Salzlake eingelegt. Vor allem in bunten Pfeffermischungen kommen die getrockneten Früchte seit Jahrzehnten zum Einsatz. Darin ersetzen sie in erster Linie optisch den teuren und leicht verderblichen roten Pfeffer. Doch auch als Einzelgewürz sind die getrockneten rosa Beeren sehr begehrt. Diese haben eine dünne, brüchige Haut und sind relativ weich, sodass sie nicht in einer normalen Pfeffermühle, sondern nur in speziellen Gewürzmühlen gemahlen werden können. Zwar ist das Gewürz auch bereits gemahlen erhältlich. Das volle Aroma entfaltet sich aber beim Zerstoßen der ganzen Beeren im Mörser. Dann verströmt Rosa Pfeffer einen gleichzeitig süßlichen und pfeffrigen, aromatischen Duft mit Nuancen von Wacholder, Zedernholz, Kiefernnadeln und Zitrus. Da die ätherischen Öle schnell verfliegen, vor allem beim Kochen, sollte erst kurz vor dem Servieren oder am Tisch mit Rosa Pfeffer gewürzt werden.

Rosa Beeren passen optimal zu Geflügel-, Fisch- und Fleischgerichten, vor allem in Kombination mit Sahnesaucen. Auch in anderen hellen Saucen und in Pilz- und Gemüsegerichten macht sich das Gewürz sehr gut. Dank der vielfältigen Geschmacksnuancen wird Rosa Pfeffer aber auch gerne in Desserts und Schokolade eingesetzt. Dort geben sie nicht nur geschmacklich den letzten Schliff, sondern sind auch ein schöner Blickfang. Gleiches gilt für Cocktails und Longdrinks, zum Beispiel den so beliebten Gin Tonic.

Rosa Pfeffer als Heilmittel

In Südamerika schätzt man Rosa Beeren seit Jahrhunderten als Heilmittel. Schon die Maya und die Azteken nutzten Rinde, Blätter und Beeren des Pfefferbaums bei verschiedensten Beschwerden. Vor allem bei Erkältungen und Atemwegserkrankungen werden sie angewendet. Bis heute haben Forschende rund 50 Substanzen nachgewiesen, die entzündungshemmende und antibakterielle Wirkungen haben, darunter Amyrin, Cymen und Cubeben. In einer amerikanischen Tierstudie konnte sogar der Krankenhauskeim MRSA erfolgreich mit einem Extrakt aus den Schinusbeeren bekämpft werden. Allerdings enthalten die Früchte auch Cardanole, die als giftig eingestuft werden. Diese können Haut und Schleimhäute reizen und Kopfschmerzen hervorrufen. Zudem können die ätherischen Öle in Rosa Pfeffer bei übermäßigem Verzehr auch Darmbeschwerden verursachen. Daher sollten die Beeren nur sparsam eingesetzt werden.

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