Baum des Jahres 2021: Die Stechpalme

17.11.2020 Haus & Garten

Exotisch anmutend, aber durch und durch europäisch

Auch in diesem besonderen Jahr durfte die Ausrufung des „Baum des Jahres“ keinesfalls fehlen: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gab im Zoologischen Garten Berlin – dieses Jahr ohne Publikum – die Stechpalme als Gewinnerin der jährlichen Wahl durch die Dr. Silvius Wodarz Stiftung bekannt. Vor allem die Rolle des Baums als wichtiger Baustein der heimischen Biodiversität wurde als Grund für die Ernennung hervorgehoben.

Die Stechpalme ist gar keine Palme

Wie aufgrund des Titels zu vermuten, ist der „Baum des Jahres 2021“ keine Palme, sondern ein Baum. Dabei kennt man Ilex aquifolim eher als strauchartiges Gehölz in Laubwäldern, bis zu 5 Meter hoch und eher in die Breite gehend. Abhängig von den Lichtverhältnissen kann die Stechpalme aber auch anders: An lichten Waldstandorten oder in Parks und Gärten schießt sie etwa 10 Meter in die Höhe und ähnelt in der Gestalt dann eher Nadelbäumen. Der so gar nicht zutreffende Name der Stechpalme hängt mit der christlichen Tradition an Palmsonntag zusammen: Weil Jesus damals mit Palmwedeln begrüßt worden war, diese in Mitteleuropa aber nicht erhältlich waren, dienten bei Prozessionen Sträuße aus Zweigen der Stechpalme als kirchlich geweihter Palmwedel-Ersatz.

Viel geläufiger als der Name „Stechpalme“ ist bei uns jedoch die Bezeichnung mit dem Gattungsnamen Ilex. Und im Nordwesten Deutschlands, wo die Stechpalme weit verbreitet ist, gilt „Hülse“ als ihr quasi amtlicher Name. Davon leiten sich auch der niederländische Name Hulst, der englische Name Holly und Houx im Französischen ab, mit denen auch anderes stechendes Gesträuch bezeichnet wurde.

Die Verbreitung der Stechpalme

Ilex aquifolim wuchs schon vor über zwei Millionen Jahren auf unserem Kontinent, auf dem es damals allerdings deutlich wärmer war. Trotz des sich abkühlenden Klimas ist der Baum in Europa geblieben, indem er sich während der verschiedenen Eiszeiten in den Südwesten der Iberischen Halbinsel zurückgezogen hat. Heute fühlt sich die Stechpalme vor allem dort wohl, wo es recht milde Winter ohne Früh- und Spätfröste und nicht allzu trockene Sommer gibt, nämlich im klimatisch stark durch den Atlantik geprägten Westeuropa von der Südwestküste Norwegens bis zur Iberischen Halbinsel. In Deutschland liegt die Ostgrenze ihrer natürlichen Verbreitung zwischen Odermündung und Saarland. Weiter südlich kommt sie noch in einzelnen Gebieten im Pfälzerwald, im Schwarzwald und am Nordrand der Alpen vor. Jenseits dieser Linie ist es für den Baum oft zu frostig oder zu trocken.

Ein Beitrag zur Biodiversität

In den 1920er-Jahren reagierten Forstleute, Naturschützer und Politiker auf den dramatischen Rückgang der Stechpalme, indem sie die Pflanze unter Schutz stellten. Denn bis dahin erfreuten sich die Ilex-Zweige als Weihnachtsschmuck so großer Beliebtheit, dass sie in riesigen Mengen aus den Wäldern geholt wurden. Mittlerweile haben sich die Bestände erholt und liefern einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt der heimischen Wälder. „Der sympathische Immergrün ist ein hervorragender Brutplatz und eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Bienen und Hummeln“, betonte Schirmherrin Julia Klöckner. Daher ist die Stechpalme auch Bestandteil des Ziels der Bundesregierung, den Umbau der deutschen Wälder zu klimaangepassten Mischwäldern weiter voranzubringen. Diesem Ziel hat sich auch der erste Deutsche Baumkönig Nikolaus Fröhlich verschrieben, der im Jahr 2021 als Botschafter der Baum des Jahres Stiftung unterwegs sein wird: „Meine Patenart ist ein Paradebeispiel, wie Artenschutz im bewirtschafteten Wald gelingt“, erklärte der studierte Landschaftsarchitekt. „Die Stechpalme ist somit ein wichtiger Baustein unserer heimischen Biodiversität – und das möchte ich den Menschen im nächsten Jahr näherbringen“.

Preisträger der vergangenen Jahre: