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05.02.2026

Steckrübe: vielseitig in der Küche

Nicht nur für Eintopf gut

Wem bei Steckrüben-Röstitaler mit Kräuterquark und dazu Steckrüben-Rohkostsalat mit Äpfeln, Radieschen und einer Balsamico-Vinaigrette das Wasser im Mund zusammenläuft, der ist in guter Gesellschaft. Denn die Steckrübe kann mehr als den althergebrachten Steckrübeneintopf mit Fleisch und findet in der modernen Küche wieder vermehrt Einsatz. Sie ist in vielen Supermärkten, in Hofläden und auf dem Wochenmarkt erhältlich und auch im Garten kann sie einfach angebaut werden, da sie sehr pflegeleicht ist.

Als „Arme-Leute-Essen“ wurde der Steckrübeneintopf früher betrachtet, und so kommt es, dass viele ältere Menschen dem leckeren Herbst- und Wintergemüse den Rücken gekehrt haben und die jüngeren erst gar nicht in Bekanntschaft mit der Steckrübe gekommen sind. Doch seit ein paar Jahren feiert die Steckrübe eine Renaissance in der deutschen Küche.

Kreuzung aus Kohl und Speiserüben

Die Steckrübe (Brassica napus subsp. rapifera) wird auch Kohlrübe, Erdkohlrabi oder Runke und Runkelrübe genannt. In Norddeutschland nennt man sie auch Wruke und in manchen Teilen Bayerns Dodschn. Sie gehört wie anderer Kohl auch zur Familie der Kreuzblütler. Da sie der Überlieferung nach im 17. Jahrhundert aus Skandinavien eingeführt wurde, war sie lange Zeit als Schwedische Rübe oder Schwedenrübe bekannt. Wie sie genau entstand, ist allerdings bis heute noch nicht hinreichend geklärt. Es wird vermutet, dass sie aus einer zufälligen Kreuzung aus Kohl und Speiserüben entstanden ist, so wie auch der Raps.

Im Anbau pflegeleicht

Im landwirtschaftlichen Anbau und im Garten ist die Steckrübe anspruchslos. Sie wächst fast überall, bevorzugt aber einen sonnigen bis halbschattigen Standort und feuchten, humosen und lehmigen Boden. Die krautige Pflanze ist Rhizom bildend und blüht im zweiten Jahr. Steckrüben können ab Mai vorgezogen werden. Gepflanzt werden sie ab Juli, danach brauchen Sie etwa drei Monate, bis sie erntereif sind. Als Vorfrucht eignen sich Frühkartoffeln, frühe Blattsalate oder Spinat. Zu nährstoffreich sollte der Boden nicht sein, denn sonst schießt die Steckrübe und schmeckt dann strunkig-verholzt. Aus diesem Grund brauchen Steckrüben im Allgemeinen auch keinen zusätzlichen Dünger. 

Steckrüben passen gut neben Erbsen, Feldsalat, Gurken oder Dill, sollten aber nicht neben anderen Kohlarten wie Blumenkohl, Brokkoli und auch nicht neben Knoblauch oder Meerrettich stehen. Ihre Fressfeinde sind zum Beispiel Kohlweißling und weiße Kohlfliege, die gerne an die Blätter gehen. Da aber die Rübe geerntet werden soll, ist der Blattfraß meist zu verkraften. An die Rübe dagegen gehen die Erdflöhe. Um die kohlbefallenden Pilzkrankheiten, wie zum Beispiel Kohlhernie, einzudämmen, sollte eine Kohl-Pflanzpause von mindestens drei, besser vier Jahren eingehalten werden. Bei einem nachgewiesenen Befall muss man dann sieben Jahre warten, bevor wieder andere Brassicaceae angepflanzt werden können. Essbar ist prinzipiell die gesamte Pflanze, also auch die jungen Blätter, gegessen wird aber meist nur die unterirdische Rübe. Die Erntezeit ist ab September bis November. Steckrüben können aber problemlos auch länger in der Erde bleiben, solange es keinen starken Frost gibt.

Kriegsgemüse und alleiniges Essen im Hungerwinter

Not macht erfinderisch: In die Geschichte eingegangen sind Hungerszeiten wie der „Steckrübenwinter“ 1916/1917 während des Ersten Weltkriegs oder auch der Hungerwinter 1946/1947 nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen es fast nichts anderes mehr zu essen gab. Überliefert sind beispielsweise Kohlrübensuppe, Kohlrübenkotelett, Kohlrübenkuchen, sogar Marmelade und Pudding wurde aus Äpfeln und Steckrüben gekocht und als Kaffee-Ersatz diente Steckrüben-Kaffee. So vielseitig das Gemüse auch war - diese Erfahrungen trugen dazu bei, dass viele Menschen der Steckrübe überdrüssig wurden und lieber „neue“ Gemüsesorten aßen, die etwa im Zuge des Wirtschaftswunders Einzug hielten.

Viele Sorten nach dem Krieg verschwunden

Aufgrund dieses „schlechten Rufs“ der Steckrübe in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind leider viele Sorten verschwunden. Grob lassen sich Steckrüben in weißfleischige und gelbfleischige Sorten einteilen. Während die weißen Sorten meist schärfer schmecken und mehr als Viehfutter verwendet wurden, schmecken die gelben Sorten durch den hohen Gehalt an Beta-Carotin süßlicher und aromatisch, etwa wie eine Mischung aus Möhren und Kohlrabi. Bekannte alte und neue Steckrübensorten sind Best of all, Gowrie, Marian, Helenor, Ruby, Gelbe aus Friesland, Hoffmanns Gelbe oder die Sorte Wilhelmsburger.

Gesundes heimisches Gemüse

Steckrüben enthalten sehr viel Kalzium und Kalium, Traubenzucker, Vitamin C, B-Vitamine und Beta-Carotin. Die Rübe lässt sich sowohl roh als auch blanchiert und gekocht verwenden und eignet sich auch zum Fermentieren. In Norddeutschland sind besonders der Steckrübeneintopf und das Rübenmus bekannt, in Franken kennt man Saure Rüben mit Wacholderbeeren und Essig, überall bekannt ist die der Kürbiscremesuppe ähnelnde Steckrübencremesuppe. Wer es ausgefallen mag, dem mundet vielleicht auch ein Steckrüben-Tiramisu zum Nachtisch, wie es auf einer kulinarischen Entdeckertour fürs Fernsehen in Ostfriesland kreiert wurde. 

Wer schließlich immer noch nichts mit der Steckrübe anfangen kann, der kann sie sich als „Fasnets-Häs“, als Verkleidung der Inneringer Narrenzunft anschauen. In der schwäbischen Gemeinde wird seit gut 40 Jahren die Kohlrübe oder Steckrübe als Narrenkleid verwendet, was auf eine Überlieferung zurückgeht, in der ein Bauer aus Inneringen im 19. Jahrhundert bei einem Markt in Sigmaringen die größte Kohlrübe = Kohlrabe präsentierte.

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