Von wegen grünes Gemüse

18.08.2015 Haus & Garten

Erbsen sind leckere Eiweißlieferanten aus dem Garten

Aschenputtel hatte ihre liebe Last mit dem Auslesen der getrockneten Linsen und Erbsen aus der Asche, und auch die „Prinzessin auf der Erbse“ war von der harten Trockenerbse gar nicht begeistert. Aber wenn die Königin eine weiche Gemüseerbse genommen hätte, dann hätte die Prinzessin den Echtheits-Test wohl nicht bestanden, und der Prinz hätte sie nie geheiratet. Wir hingegen freuen uns über Gemüseerbsen als leckere und dabei noch gesunde Eiweißlieferanten. Mit ein wenig Geschick und Sorgfalt gelingt der Anbau auch im heimischen Garten.

Gelten Erbsensuppe und Erbseneintopf eher als bodenständig, so sind Erbspüree und Erbsen-Minz-Parfait mit Sesamkruste Gerichte der modernen Küche. Der Handel bietet von der Dosenerbse mit Babykarotten über die küchenfertigen Tiefkühlerbsen bis hin zu frischen Palerbsenschoten und zarten Zuckererbsen eine Vielfalt an Erbsen für die Zubereitung von leckeren Speisen. Erbsen sind eiweißreich und kalorienarm, enthalten viel Vitamin B und sollen sogar helfen den Cholesterin-Spiegel zu senken. Sie gelten auch als Gehirn- und Nervennahrung, ihre Flavone sorgen für den Zellschutz, und die in den Erbsen enthaltenen Phenolsäuren gelten als krebshemmend.

Mit Erbsen wurde die Vererbungslehre begründet

Die Garten- oder Speiseerbse stammt ursprünglich aus Asien. Sie ist wie die Bohne eine Leguminose, hat also die Fähigkeit, Stickstoff im Boden anzureichern. Am bekanntesten sind die Palerbse, die Markerbse und die Zuckererbse, die auch Zucker- oder Kaiserschote genannt wird. Über viele Jahrhunderte lang waren Erbsen und Bohnen Hauptlieferanten für Protein und sind es in vielen Ländern auch heute noch. Zu nachhaltiger Berühmtheit in der Naturwissenschaft gelangten die Erbsen durch den Augustiner-Pater Gregor Mendel, der anhand der Vererbung ihrer Blütenfarbe die Mendelschen Regeln aufstellte und so die klassische Genetik begründete.

Krankheiten und Schädlinge

Im Erwerbsanbau von Speiseerbsen halten die Landwirte nach jeder Saison eine vier- bis fünfjährige Anbaupause ein, da sich sonst Krankheiten und Schädlinge verbreiten. Dasselbe sollte auch der Freizeitgärtner tun, denn viele Viren wie das Gewöhnliche Erbsenmosaikvirus, das Scharfe Adernmosaikvirus oder das Blattrollmosaikvirus können die Erbse befallen. Dazu kommen Pilze wie der Echte und der Falsche Mehltau, Brennfleckenkrankheit, Fusariumwelke und Wurzelfäule, die der Erbse das Leben schwer machen.

Gerade Mehltau tritt auch oft im Haus- und Kleingarten auf. Bei trockenem warmem Wetter im Frühsommer erscheint auf den Blättern ein weißer mehliger Belag, der bei massivem Befall die Blätter vergrauen und welken lässt und die Hülsen verbräunt. Die Erbsenwelke tritt dagegen bei feucht-warmem Wetter auf. Der Pilz befällt die ganze Erbsenpflanze, die zunächst gelblich-braun, danach braun-schwarz wird und welkt. Tritt die Erbsenwelke einmal massiv auf, ist der Boden auf Jahre verseucht, weil sich der Pilz dort lange halten kann.

Der Erbsenwickler ist ein bräunlicher Schmetterling, der seine Eier an der Blattunterseite ablegt. Die Larve bohrt sich in die Hülsen, frisst die Samen und umwickelt sie mit einem unappetitlichen Gespinst aus Kot. Nach getaner Arbeit seilen sich die Larven ab und überwintern im Boden, um sich im Frühjahr zu verpuppen. Im Boden lauern Nematoden wie Stockälchen und Erbsenzystenälchen. Weitere klassische Erbsenschädlinge sind der Erbsenkäfer und der Erbsenblattrandkäfer, die große Fraßschäden an den Blättern verursachen. Wer seine Erbsensamen selber erzeugen will, tut gut daran, die Erbsen vor dem Aussäen auf kleine runde Löcher zu untersuchen, um die Käfer nicht wie im Trojanischen Pferd ins Beet zu bringen.

Erbsen richtig anbauen

Wer den Ehrgeiz hat, sich seine eigenen Erbsen im Garten oder auch in einem Balkonbeet zu ziehen, muss wissen, dass Erbsen Rankpflanzen sind, also in die Höhe streben und etwas Platz benötigen. Sie wachsen an einer Rankhilfe wie Reisig oder Drahtgeflecht bis zu anderthalb Meter hoch. Erbsen werden am besten im März und April in den Boden gelegt. Sie sind relativ kältetolerant und stecken milde Fröste meist ohne Schäden weg. Ein lockerer Lehmboden mit genügend Humus und Kalk in einer sonnigen Lage ist optimal, Moor- und Tonböden mögen Erbsen weniger. Sie sind unverträglich mit sich selbst und sollten auch nicht nach anderen Leguminosen und Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln, Tomaten oder Paprika angebaut werden. Dafür passen sie gut zu Möhren und Ringelblumen in einer Mischkultur. In ihrer Jugend werden Erbsen oft von Unkraut überwuchert, sodass im Garten viel Handarbeit mit Hacken angesagt ist. Nach der Blüte brauchen sie viel Wasser für die Hülsenbildung. Erbsen gehören mit zu den frühesten Gemüsearten: Schon ab Ende Mai bis in den Juli können sie geerntet werden und bereichern dann den Speiseplan des Gartenbesitzers.

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