Linsen: hochwertige Rarität

16.03.2021 Schule & Wissen

Pflanze mag karge Böden und produziert eigenen Dünger

Die Linse hat in unserer Küche nur eine geringe Bedeutung. Zu Unrecht, denn die eiweiß- und ballaststoffreichen Samen passen sehr gut in eine gesunde Ernährung.

Wissenswert

(Fast) Jeder kennt den traditionellen Linseneintopf: Linsen, Gemüse wie Möhren, Lauch oder Zwiebeln, Würstchen und die passenden Gewürze sind die Zutaten, die man nach Lust und Laune variieren kann. Doch darüber hinaus sind Linsen in unserer Küche wenig verbreitet. Sieht man einmal von der Schwäbischen Alb ab, wo auch ein Anbauschwerpunkt für die Kultur ist.

Dabei ist das Nahrungsmittel mit 28 Prozent Protein, 12 Prozent Ballaststoffen, nur 2,5 Prozent Fett sowie relativ viel Eisen, Zink und sekundären Pflanzenstoffen eine wertvolle Bereicherung für eine ausgewogene Ernährung. Essentielle Aminosäuren tragen außerdem dazu bei. Während Linsen viel Lysin enthalten, kommen Metheonin und Cystein in Getreideprodukten vor – eine Kombination aus Linsen mit Getreideprodukten kann daher Fleischmahlzeiten ersetzen. Vorsichtig sollten hingegen Menschen mit Gicht sein: Der hohe Purin-Gehalt fördert die Krankheit.

Linsen weisen eine ungewöhnlich große Sortenvielfalt auf. Sie unterscheiden sich vor allem in Größe (4 bis mehr als 8 Millimeter Durchmesser) und Farbe (gelb, braun, grün, rot, violett, schwarz). Ob man fest oder mehlig kochende Sorten bevorzugt, ist wie bei Kartoffeln eine Frage der Verwendung und des persönlichen Geschmacks. Einige Linsen werden geschält, bevor sie in den Handel kommen. Damit verlieren sie allerdings einen Großteil ihrer Nähr-, Aroma- und Ballaststoffe. Auf der anderen Seite macht es sie durch einen geringeren Ballaststoffanteil auch für empfindliche, zu Blähungen neigende Menschen leichter verdaulich. Die Verträglichkeit ist häufig eine Frage der Gewöhnung. Die Darmflora passt sich aber im Laufe der Zeit an. Die Zugabe von Kräutern und Gewürzen wie Rosmarin, Fenchel, Thymian oder Ingwer unterstützen den Prozess.

Vor dem Verzehr müssen Linsen erhitzt werden. Die Hitzeeinwirkung zerstört die enthaltenen Lektine, die in höheren Konzentrationen giftig für Menschen sind.

Linsen zählen wie Bohnen, Erbsen, Lupinen, Klee oder Luzerne zur Pflanzenfamilie der Leguminosen. Alle Familienmitglieder gehen eine Zusammenarbeit mit Bodenmikroben ein. Während die Pflanze den sogenannten Knöllchenbakterien Unterschlupf bietet, liefern die Bakterien Stickstoff, den die Pflanze zum Wachstum benötigt. Beide profitieren von der Symbiose. Linsen wachsen daher auch auf nährstoffarmen Böden. Nährstoffreiche Gartenböden können hingegen mehr schaden als nützen, weil sie Pilzkrankheiten in der Kultur fördern.

Herkunft und Ansprüche

Linsen (Lens culinaris) zählen zu den ältesten bekannten Kulturpflanzen. Seit mindestens 8000 Jahren sind sie im Mittelmeerraum und Vorderasien bekannt. Sie zählten im alten Ägypten zu den wichtigsten Nahrungsmitteln. Die Pflanzen mögen warme und sonnige Standorte sowie kalkreiche und nährstoffarme Böden. Mit Trockenheit kommen sie besser zurecht als andere Familienmitglieder.

Anbau

Die Aussaat erfolgt ab Ende April in einen gut abgetrockneten Boden. Dabei sollten die Samen etwa 5 Zentimeter tief abgelegt werden, um sie vor Vogelfraß zu schützen. Linsen sind Rankpflanzen und benötigen deswegen ein Rankhilfe. Im Hobbygarten bieten sich Rankgitter oder trockene Zweige an, die man zwischen die Reihen steckt. Im landwirtschaftlichen Anbau dienen dafür zum Beispiel Hafer oder Erbsen.

Pflanzenschutz und Düngung

Junge Linsenpflanzen werden leicht von Unkraut überwuchert. Der Boden sollte deshalb von Anfang an weitestgehend unkrautfrei gehalten werden. Krankheiten wie Wurzelfäule oder Welke und durch Läuse übertragene Virosen können die Ernte empfindlich schmälern. Linsen gehören zu den Schwachzehrern. Sie benötigen keine Stickstoffgaben. Zuviel Wasser lässt die Wurzeln faulen.

Ernte und Lagerung

Die Hülsen, in denen jeweils zwei Samen stecken, reifen an der Pflanze von unten nach oben ab. Das macht die Wahl des richtigen Erntezeitpunkts schwierig. Während die Hülsen in Bodennähe schon reif und braun sind, leicht aufspringen und die Samen verlieren, sind sie weiter oben noch grasgrün. Im professionellen Anbau erfolgt die Ernte im August mit dem Mähdrescher. Unter guten Bedingungen sind Erträge bis über 3 Tonnen pro Hektar möglich. Nach der Ernte werden die Samen getrocknet und sind dann für viele Monate haltbar.

Zahlen

Weltweit wurden 2019 etwa 5,7 Millionen Tonnen geerntet. Die drei größten Erzeugerländer sind Kanada (2,2 Millionen Tonnen), Indien (1,2 Millionen Tonnen) und Australien (0,5 Millionen Tonnen; Zahlen: FAO). In Deutschland hat der Anbau bis zu den 1960er Jahren stark abgenommen. Die Hauptanbaugebiete liegen in Baden-Württemberg (Schwäbische Alb, Heckengäu), in Hessen (Vogelsbergkreis) und Niederbayern. 2019 wurden in Baden-Württemberg auf 640 Hektar Linsen angebaut (Quelle: Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg).