Heil- und Küchenkraut Thymian

Aromatische Würze für Fisch, Fleisch und Gemüse

Schon die alten Griechen nahmen gern ein Thymianbad, bevor sie in die Schlacht zogen, und auf mittelalterlichen Turnieren banden die Adelsdamen ihren Rittern einen Thymianzweig an die Rüstung, der ihm Mut und Tapferkeit geben sollte. Heute kennen wir Thymian dagegen mehr als Küchengewürz für herzhafte Speisen und als Heilkraut gegen Schnupfen, Husten und bronchiale Infekte.

Das deutsche Wort Thymian stammt aus dem Altgriechischen: „Thýmos“ bedeutet Kraft und Mut. Der Echte Thymian Thymus vulgaris wird auch Römischer Quendel genannt. Der intensiv aromatisch riechende Halbstrauch stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum. Die Benediktiner-Mönche brachten ihn dann im Mittelalter über die Alpen in ihre Klostergärten; heute gibt es ihn in ganz Mitteleuropa. Er wächst gern auf flachgründigem, kalkhaltigem Trockenrasen, an felsigen Hängen und der mediterranen Gebüschformation Macchia. Wild kann das ausdauernde Kraut bis zu 40 Zentimeter Höhe erreichen. Thymian gehört zu den Lippenblütlern, seine kleinen weißen oder rosa- bis lilafarbenen Blüten sind Scheinquirle. Der Stängel ist vierkantig und behaart. Seine Zweige sind verholzt und kurz behaart. Die kleinen elliptischen Laubblätter sind graugrün, ihre Unterseiten sind filzig behaart. Neben dem Echten Thymian gibt es über zweihundert Thymian-Arten auf der Welt, die sich in ihrer Wuchsform und -höhe, der Blatt- und Blütenfarbe und in ihren Aromen unterscheiden.

Wirkungsvolle Heilpflanze, aromatisches Würzkraut

Thymian ist seit langem als Heilpflanze bekannt. Schon der Römer Plinius oder auch die pflanzen- und naturheilkundliche-Äbtissin Hildegard von Bingen beschreiben seine Heilwirkung. Sein Öl wird beispielsweise bei Erkältungen und allen Entzündungen der Atemwege, wie zum Beispiel Bronchitis, oder bei Keuchhusten verwendet. Beim Einreiben, Einnehmen oder Gurgeln löst das Öl des Thymians den festsitzenden Schleim aus den Atemwegen, entspannt die Bronchialmuskeln und wirkt gegen Viren und Bakterien. Auch eine Wirkung gegen Akne wird ihm nachgesagt. Der Ausdruck klingt etwas gewöhnungsbedürftig: Thymian gibt es in unterschiedlichen „Chemotypen“, die nach dem hauptsächlichen ätherischen Öl benannt sind. So gibt es etwa den Geraniol-Chemotyp, den Linalool-Chemotyp oder den Thymol-Chemotyp. Die Ausprägung hängt zum einen von der Genetik ab, zum anderen von der Umgebung, in der der Thymian wächst. Auch als Gewürz ist Thymian bekannt und beliebt. Er wird sowohl frisch als auch getrocknet für Suppen, Eintöpfe, Fisch und Fleischgerichte verwendet. Oft nimmt man ihn für mediterrane Gerichte; er ist beispielsweise einer der Hauptbestandteile der „Kräuter der Provence“-Mischung.

Anbau in Garten und Balkon

Wer den Thymian weder medizinisch verwenden noch essen möchte: Auch Bienen und andere Insekten mögen seinen würzigen Duft. Er ist eine gute Bienenweide im heimischen Garten oder auf dem Balkon. Im Garten pflanzt man Thymian am besten an einem hellen, sonnigen und trockenen Platz, gerne entlang einer wärmenden und windabweisenden Mauer. Er mag nährstoffarme Böden, es sollte also nicht zu viel gedüngt werden. Zusammen mit Salbei kann er Blattläuse und Ameisen aus den Beeten vertreiben. Ausgepflanzt wird Thymian ab Ende April, in etwas raueren Gegenden erst nach den Eisheiligen im Mai. Thymian ist relativ unempfindlich und verträgt Rückschnitt gut. Dieser ist sogar notwendig, denn wenn die Triebe zu lang werden, verholzen sie im unteren Teil und tragen dann dort keine Blätter mehr. Regelmäßig geschnitten, bleibt der Thymian schön buschig und man hat ihn immer frisch zum Würzen in der Küche. Nach der Blüte können die älteren, verholzten Teile heruntergeschnitten werden, er treibt dann aus dem alten Holz wieder aus.

Professioneller Anbau

In vielen europäischen Ländern werden die verschiedenen Thymiansorten auch gewerbsmäßig sowohl in der Topfkultur als auch im Feld angebaut. Hauptsächlich sind dies wärmere Länder wie Spanien (90 Prozent des weltweit produzierten Thymianöls kommt aus Spanien), Portugal, Frankreich, Italien und Griechenland, aber auch in südosteuropäischen Ländern wie Bulgarien und Rumänien, und sogar in der Schweiz wird Thymian kultiviert. Bei der Fruchtfolge muss der Anbauer beachten, dass er keine Mitglieder derselben Pflanzenfamilie der Lippenblütler vor und nach Thymian anbaut. Im Pflanzenschutz sind vor allem die Nematoden (Fadenwürmer) zu nennen, die dem Thymian den Garaus machen können, aber auch verschiedene Raupen mögen Thymian gern. Deswegen ist eine gute Bestandsführung und Fruchtfolge unabdingbar. Geerntet wird meist während der Hauptblütezeit, ab dem zweiten Jahr kann Feldthymian mit Vollerntern zwei Mal geschnitten werden.