Schafft es die Lupine in die Küche?

20.08.2015 Schule & Wissen

Neue Aufbereitungstechniken und Züchtungen machen die Eiweißpflanze zum Soja-Konkurrenten

Die Lupine ist vielen bislang als farbenfrohe Staude in Bauern- und Landhausgärten oder als Futterpflanze bekannt. Doch mittlerweile könnte sie auch als Nahrungspflanze punkten. Lupinen-Speiseeis gibt es bereits seit einigen Jahren. Weitere Produkte wie Milch oder Joghurt sowie Wurst- und Fleischersatzprodukte stehen in den Startlöchern. Damit tritt die heimische Pflanze in Konkurrenz zu Soja. Sie wächst auch unter trockenen Bedingungen, ist aber anfällig für die Pilzkrankheit Anthraknose.

Wissenswert

Selbst Feinschmeckern sollen die neuen Erzeugnisse angeblich schmecken. Das wird durch ein Aufbereitungsverfahren möglich, für das das Freisinger Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung 2014 mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet worden ist. Ausgangsprodukt sind Blaue Süßlupinen, die durch eine spezielle Züchtung nur wenige störende Bitterstoffe und Aromen enthalten. Die Restmengen können jetzt unter anderem mit Kohlendioxid und Zentrifugieren entfernt werden. Am Ende steht ein neutral schmeckendes Eiweißpulver, das ähnlich wie Sojaeiweiß verwendet werden kann.

Nicht ganz so anspruchsvoll sind Nutztiere. Sie bekommen Futtermischungen, die Süßlupinensamen mit bis zu 0,05 Prozent Bitterstoffen enthalten. Lupinensamen sind als Futter durchaus beliebt. Sie enthalten mehr Proteine als die übrigen heimischen Körnerleguminosen, aber etwas weniger als Sojaextraktionsschrot. Gartenfreunde sollten jedoch keineswegs auf die Idee kommen Zierlupinen an Tiere zu verfüttern. Diese sind giftig. In schlimmen Fällen kommt es zu Krämpfen und Lähmungen der Atmung.

Doch die Lupine ist auch eine Wellness-Pflanze für den Boden.  Die bis zu zwei Meter tief reichenden kräftigen Wurzeln durchdringen Verdichtungen und nehmen den Nährstoff Phosphor besonders gut auf. An den Wurzeln sitzen Knöllchenbakterien, die Luftstickstoff in pflanzenverfügbaren Stickstoff umwandeln und auf diese Weise den Boden mit bis zu 100 Kilogramm pro Hektar und Jahr anreichern. Damit ist die einjährige, rund 80 Zentimeter hoch wachsende Lupine eine interessante Gründüngungspflanze und eignet sich zum Beispiel zur Wiederurbachmachung von rekultivierten Böden.

Herkunft und Ansprüche

Die Gelbe Lupine (Lupinus lutaeus) stammt aus dem Mittelmeerraum und diente als Zier- und Arzneipflanze. Ebenso die Weiße Lupine (Lupinus alba), die schon im griechischen und römischen Altertum kultiviert wurde. Rund um das Mittelmeer sind rund 150 weitere Lupinenarten beheimatet. Aber auch an der Westküste Nord-, Mittel- und Südamerikas sind viele verschiedene Arten vertreten.

Lupinen wachsen im Allgemeinen auf trockenen Standorten recht gut. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten. Während die Gelbe Lupine sandige Standorte mag, bevorzugt die Blaue Lupine sandige Lehme und die Weiße Lupine Lehme oder Schwarzerden. Die Blaue Lupine hat mit 120 bis 135 Tagen die kürzeste Vegetationszeit, die Weiße Lupine mit 140 bis 175 die längste und gleichzeitig den höchsten Wasserbedarf. Böden mit einem pH-Wert über 6,5 bis 6,8 sind ungeeignet.

Anbau

Futterlupinen werden von Mitte März bis Mitte April mit 60 bis 140 Körnern pro Quadratmeter gesät. Sie sind aufgrund ihrer Eigenschaft als Stickstoffsammler eine gute Vorfrucht für Getreide. Gärtner pflanzen ihre Zierlupinen im April und Mai oder im August. Der Abstand sollte rund 30 Zentimeter betragen. Die gepflanzten Lupinen brauchen ebenso wie andere Stauden in der Jugend relativ viel Wasser.

Pflanzenschutz und Düngung

Gute Erträge sind nur mit angepassten Pflanzenschutzmaßnahmen möglich. So muss das Unkrautwachstum und die Ausbreitung von Pilzkrankheiten wie Mehltau, Fusarien und Rosten verhindert werden. Zeitweise hat die Anthraknose den Lupinenanbau eingeschränkt. Der Schadpilz kann aber durch gebeiztes Saatgut und unempfindliche Sorten in Schach gehalten werden.

Weil Lupinenwurzeln sehr gut Phosphat aufnehmen können, reduzieren Anbauer dessen Düngung. Auf Stickstoff können sie sogar ganz verzichten. Falls eine Fläche erstmalig mit Lupinen bestellt wird, muss das Saatgut mit Knöllchenbakterien geimpft werden.

Ernte und Lagerung

Bei der Ernte im August kommt der Mähdrescher zum Einsatz. Vorsicht ist bei der Blauen Lupine geboten. Die Hülsen mit den fünf bis sieben Samen platzen schneller auf als die der Gelben und Weißen Lupine. Sie sollten deswegen in den Morgen- oder Abendstunden geerntet werden, in denen Tau die Hülsen elastischer macht. Lagerfähig sind die Körner bei 14 Prozent Wasseranteil.

Zahlen

Im Jahr 2013 umfasste der Lupinenanbau in Deutschland rund 17 000 Hektar (Quelle UFOP). Anbauschwerpunkte in Deutschland sind Regionen mit sandigen Böden wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Ost-Niedersachsen. Die Erntemengen schwanken zwischen zwei und sechs Tonnen pro Hektar (Quelle Saaten Union).

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