Heimische Gehölze im eigenen Garten

08.08.2019 Haus & Garten

Ein sinnvoller Beitrag zur Artenvielfalt

Alles in Mode: Es gab eine Zeit, da waren in unseren Vorgärten vor allem Koniferen wie Thuja und Scheinzypresse angesagt. In anderen Regionen pflanzen die Menschen gerne Rhododendron und Kirschlorbeer. Seit einigen Jahren sind gar „Steingärten“ angesagt, die außer einem bunten Farbtupfer in der Pflanzschale gar nichts Lebendiges mehr beherbergen. Bienen- und insektenfreundlich sind sie alle nicht. Dabei gibt es viele heimische Sträucher und Gehölze, mit denen Hausbesitzer und Mieter ihren Garten als Bienenweide und Vogelnährgehölz sinnvoll anlegen können.

Bienen sind nicht erst seit einem bayerischen Volksbegehren in aller Munde. Doch während viele Menschen vom Landwirt Bienenschutz-Maßnahmen wie Blüh- und Randstreifen fordern, wachsen in so manchem Garten nur englischer Rasen ohne jegliche Blühpflanzen, der mit einem Mähroboter kurz gehalten wird, oder exotische Sträucher und Bäume, die oft nutzlos für unsere heimischen Insekten und Vögel sind. Dabei gibt es bekannte und bewährte einheimische Bienennährgehölze und auch für die Vögel ökologisch wertvolle Sorten in jedem guten Fachmarkt sowie inzwischen auch im Online-Handel.

Nahrungsgrundlage für heimische Tiere

In der Natur funktioniert Vieles in Kreisläufen: Raupen dienen den Vögeln als Nahrung, Wildbienen und Schmetterlinge bestäuben die Blüten von Pflanzen. Einheimische Sträucher und Gehölze sind prima an unser Klima angepasst, sie sind meist leicht zu pflegen und robust. Zunächst müssen sich Gartenbesitzer natürlich erst einmal fragen, was wichtig ist: Soll der Garten ein reiner Ziergarten sein? Sollen Kinder darin spielen und der Rasen also trittverträglich und die Pflanzen nicht giftig sein? Ein wenig botanische Kenntnis (oder die Beratung von Fachleuten) ist notwendig, wenn es um Boden- und Standortansprüche oder Unverträglichkeiten und Abstandsregelungen geht, damit einem der Baum nicht über den Kopf oder übers Haus wächst.

Biene ist nicht gleich Biene

„Bienenfreundlich“ ist ein Modewort geworden, doch hier gibt es große Unterschiede: Grundsätzlich muss zwischen der Honigbiene (Apis mellifera) und den vielen Wildbienen-Arten unterschieden werden. Während die Honigbiene bei der Auswahl der Blüten nicht wählerisch ist und mehr oder weniger alles annimmt, was blüht, sind die Wildbienen zumeist auf nur wenige Pflanzen spezialisiert und damit auch auf sie angewiesen.

Vogelbeere, Holunder und Schlehe führen die Reihe an …

Eine Auswahl wertvoller heimischer Gehölze und Sträucher für den Garten: Die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) hat sogar einen Dreifachnutzen – ihre Blüten sind eine wertvolle Bienenweide, die Vitamin C-haltigen Früchte werden gern von Vögeln genascht, können aber auch zu einer Marmelade verarbeitet werden. Ebenso wird der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) von Mensch und Tier gemocht. Seine weißen Blüten sind heiß umschwirrt, und an einem größeren Strauch bleibt nach Wegnahme einiger Blüten für selbstgemachten Hugo-Blütensekt noch genügend für die Insekten übrig. Die Schlehe ist zwar ein stacheliger Geselle, doch sie ist sowohl wertvoll für die heimische Vogelwelt als auch beliebt bei uns als hochprozentiges Schlehenfeuer. Der Faulbaum (Rhamnus frangula) ist, wie der Name schon erahnen lässt, eher bei den geflügelten Mitbewohnern im Garten beliebt als bei uns Menschen, weil seine Rinde einen leicht fauligen Geruch hat. In der Pharmazie wird diese als mildes Abführmittel benutzt.

… Weißdorn, Hartriegel und Kornelkirsche führen sie fort

Weitere nützliche heimische Sträucher und Gehölze wie die wilde rote Johannisbeere (Ribes rubrum), die Wilde Stachelbeere (Rives uva-crispa), Ein- und Zweigriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna und oxyacatha) oder die Wildbirne (Pyrus pyrastergutes) sind ebenfalls gute Vogelschutzgehölze. Für ein regelrechtes Blütenmeer im Frühjahr sorgen der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) und die Kornelkirsche (Cornus mas), die auch Gelber Hartriegel genannt wird. Nicht vergessen werden dürfen Haselnuss (Corylus avallana) und die Hundsrose (Rosa canina), landläufig auch Hagebutte genannt, wenn es um Gärten mit einem hohen ökologischen Wert für die Tierwelt geht.

Zu den eher größeren, nützlichen heimischen Gartenbäumen gehören der Feldahorn (Acer campestre) und die Hainbuche (Carpinus betulus). Sie passen meist nicht in den Vorgarten, hierfür muss schon etwas mehr Platz zur Verfügung stehen. Die Salweide (Salix caprea) mit ihren „Palmkätzchen“ ist einer der bekanntesten „Schmetterlingsbäume“, doch auch sie kann bis zu 10 Meter hoch werden, was bei der Anpflanzung im Garten bedacht werden muss. Zum Klettern am Haus und Spalier eignen sich Efeu (Hedera helix), alle Arten von Wildem Wein sowie ungefüllte Kletterrosen. Im Mai/Juni hört man es dort summen und brummen, und auch Vögel bauen ihre Nester gern im schützenden Dickicht.

Auf die genaue Bezeichnung und Art achten

Als Strukturelement und Hecke beliebt bei Gartenbesitzern sind auch das Europäische Pfaffenhütchen (Euonymus europäus), Liguster (Ligustrum vulgare) und der Gewöhnliche sowie der Wollige Schneeball (Viburnum opulus und Viburnum lantana). Doch Achtung: Schon so mancher, der im guten Glauben zum Gartencenter marschiert ist und einen einheimischen Schneeball kaufen wollte, kam mit einem exotischen Duftschneeball wieder. Wer den heimischen Insekten und Vögeln etwas Gutes tun will, der sollte sich vorher gut informieren. Während die Früchte unseres heimischen Weißdorns von 32 verschiedenen Vogelarten gerne gefressen werden, bedienen sich nur zwei Arten an den Früchten des verwandten nordamerikanischen Scharlachdorns. Ähnlich ist es beim Wacholder: Unser heimischer Wacholder bringt Nahrung für 43 Vogelarten, der chinesische Wacholder bietet nur einer einzigen Vogelart Nahrung. Deswegen lohnt sich ein genaues Hinschauen, wenn man in seinem Garten etwas für die Artenvielfalt und Biodiversität tun will.