Biologische Vielfalt im eigenen Garten

30.05.2019 Haus & Garten

Kleingärtner, urbane Agrikultur, Selbstversorgung mit Obst und Gemüse

Gärten sind die „Arbeitsplätze“ von Hobbygärtnern und schaffen einen Ausgleich zur Arbeit im Büro oder in der Industrie, sie tragen zur Nahrungsmittelversorgung bei oder dienen als Ziergarten einfach zur Erholung. Rund 5 Millionen Menschen betreiben in Deutschland einen Kleingarten. Sie können alle dazu beitragen, die biologische Vielfalt in unserer Umwelt zu erhalten und zu erhöhen.

Die biologische Vielfalt aufzubauen, seltene Kulturpflanzen zu bewahren und sich für gelebte Nachhaltigkeit im eigenen Garten einzusetzen – das war unter anderem das Thema der Tagung „Altes Gemüse für neues Gärtnern“ der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im November 2018. In einer repräsentativen Studie unter bayerischen Freizeitgärtnern kam Dr. Andreas Becker von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau zu dem Schluss: „Egal ob extravaganter Gestalter, Nutzgärtner oder Entspannungssuchender: Für fast Alle bedeutet ein Garten Wohlfühloase und Rückzugsort“. Gerade jüngere Menschen interessierten sich heute wieder für Nutzgärten. Die Menschen für mehr biologische Vielfalt im eigenen Garten zu begeistern ist Ziel der Bayerischen Gartenakademie. Mit der Gartenzertifizierung „Naturgarten – Bayern blüht“ soll eine eigene Plakette für Gärten vergeben werden, die sich besonders für den Erhalt biologischer Vielfalt einsetzen.

Verschiedene Initiativen, ähnliche Ziele

„Berliner Aal“-Gurke, „Teltower Rübchen“ oder „Wiener Maidivi“-Salat: So heißen zum Beispiel alte und inzwischen seltene Gemüsesorten. Damit sie nicht ganz verschwinden, müssen sie von Gartenbesitzern angebaut werden. Dazu referierte Dr. Cornelia Lehmann von der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie ist die Vorsitzende im Verein zur Erhaltung und Kultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN). Im eigenen Saatgutarchiv hat der Verein etwa 2000 verschiedene Herkünfte von Nutz- und Zierpflanzen erfasst. Der Verein arbeitet mit Saatgut-Erhaltungsinitiativen und Kleingärtnern zusammen und fordert alle Interessierten auf, seltene Sorten als Bereicherung im Garten und in der Küche schätzen zu lernen und so zu ihrem Erhalt beizutragen.

Pilze auf Kaffeesatz und Sägespänen, Baumstümpfen oder Stroh zu züchten ist eine geeignete Anbauform für kleine Flächen, auch in den Städten, erklärte Andrea Muno-Lindenau vom Wissenschaftsladen Bonn (WILA). Immer mehr Menschen leben in Städten, doch es werden weltweit nur etwa 5 Prozent der in der Stadt konsumierten Lebensmittel auch in der Stadt produziert, erklärt die Welternährungsorganisation (FAO). Vor allem Obst und Gemüse eignen sich sehr gut für die städtische Agrikultur und eine wachsende Selbstversorgung. Dazu wurde das Bürgerforschungsprojekt SAIN „Städtische Agrikultur – Innovation entwickeln“ ins Leben gerufen.

Erntegut über den eigenen Bedarf hinaus vermarkten, das ist das Ziel der Internet-Plattform „Deine Ernte“. Das derzeit auf Berlin beschränkte Projekt der 17-jährigen Annalina Landsberg wurde mit dem BMEL-Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung ausgezeichnet.

Um den Konsum nachhaltiger zu gestalten, hat die Bundesregierung 2016 das „Nationale Programm für nachhaltigen Konsum“ verabschiedet. Bei dem Programm setzen die Bundesministerien sogenannte Leuchtturm-Initiativen um. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und die BLE starteten im Mai 2019 mit dem Leuchtturm „Nachhaltiger Konsum für Biologische Vielfalt in Landwirtschaft und Ernährung".

Quelle: BLE