Artenvielfalt geht uns alle an!

Dramatischer Appell kurz vor dem Tag der Artenvielfalt am 22. Mai

Der Rückgang der Artenvielfalt bedrohe den Menschen genauso wie der Klimawandel, so lautete ein Fazit der Anfang Mai 2019 in Paris zu Ende gegangenen Weltkonferenz zur Biodiversität. Die Thematik ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Was können wir tun, um dem Artenschwund entgegenzusteuern?

150 Studien ausgewertet

Am 22. Mai begehen wir den Internationalen Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt. Er wurde im Jahr 2000 von der UNO initiiert und soll ein Bewusstsein für den Artenschutz schaffen. Vor kurzem veröffentlichte die Weltkonferenz zur Biodiversität einen Zustandsbericht. Erstmalig seit 14 Jahren hatten dafür 150 Wissenschaftler drei Jahre lang zahlreiche Studien ausgewertet. Demnach stehe ein dramatischer Artenverlust bevor. Bis zu einer Million Arten seien vom Aussterben bedroht. Das habe weitreichende ökonomische, soziale, moralische und ethische Folgen. Eine Konsequenz dieser Erkenntnis ist der Appell: „Alle müssen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen".

Forderungen von Volksbegehren zielen vor allem darauf ab, den Anteil des Ökoanbaus zu erhöhen und den Einsatz der Agrarchemie zu verringern. Wenn es in der öffentlichen Diskussion um Ursachen für Artenbedrohung geht, sind das die Mainstream-Antworten schlechthin. Nicht nur für diese, sondern gebetsmühlenartig für ganz viele andere Fragestellungen. Doch es lohnt sich, diese Argumente zu hinterfragen. So geschehen auch in Bayern. Vertreter aller Gruppierungen haben sich an einem Runden Tisch zusammengesetzt, jeweils ihre Fachkenntnis eingebracht und Ergebnisse erarbeitet.

Lieber Fakten als Mainstream

Tatsächlich wollen alle Landwirte – egal ob konventionell oder ökologisch wirtschaftend – auf ihren Flächen Nahrungs-, Futter- oder Energiepflanzen erzeugen. Das ist ihr Hauptziel. Auf dem Acker ist Begleitflora deswegen eher unerwünscht, weil sie mit den Kulturpflanzen um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurriert. Ob sie weggehackt oder weggespritzt wird, macht keinen großen Unterschied.

Wichtiger ist, dass die Kulturlandschaft vielseitig gestaltet wird. Das fängt bei den Ackerrändern an, wo die Begleitflora richtig platziert ist. Verschiedene Fruchtarten, Hecken, Wassergräben, Blühstreifen oder extensiv bewirtschaftete Sonderstandorte, wie zum Beispiel Trockenrasen, bieten Lebensräume für viele Arten. Werden diese Biotope zusätzlich fachkundig vernetzt, ist das noch besser.

Im Hinblick auf die Artenvielfalt schneiden konventionelle Landwirte übrigens überraschend gut ab, weil sie sehr produktiv sind. Ihre Getreideerträge sind etwa doppelt so hoch wie die ihrer ökologisch wirtschaftenden Kollegen. Um die gleiche Menge zu produzieren, muss dementsprechend nur die halbe Landfläche unter den Pflug genommen werden. Ob hier in Deutschland oder in Brasilien oder anderswo – es bleibt mehr Fläche für die Natur übrig. Im Umkehrschluss heißt das: Je mehr Ökolandbau wir uns hier leisten, desto mehr schieben wir unsere Verantwortung an die Länder ab, die uns mit ihren Ernten mitversorgen.

Hier Blühstreifen, da Steingärten

Viele Landwirte engagieren sich heute für den Artenschutz. Als Gegenleistung für Brüsseler Agrargelder richten sie auf 5 Prozent ihrer Flächen ökologische Vorrangflächen ein. Dazu zählen Brachflächen oder die Einsaat von Honigpflanzen oder Gründüngung. Freiwillige Agrarumweltmaßnahmen oder Projekte mit örtlichen Biostationen oder Naturschutzgruppen wie Lerchen- oder Kiebitzfenster sind mittlerweile weitverbreitet. Einige Landwirte verpachten bereits einen Teil ihrer Fläche an Blühpaten. Gegen Zahlung eines Pachtpreises durch den Paten sähen sie darauf Blühmischungen aus, die der Insektenpopulation zugutekommen.

Die Landwirtschaft ist der größte Flächennutzer und hat deswegen eine besondere Verantwortung, wenn es um Artenschutz geht. Hier gilt es, die Möglichkeiten zu optimieren. Doch im Endeffekt sind wir alle gefordert. Denn am tagtäglichen Flächenverlust für Baumaßnahmen in der Größenordnung von 62 Hektar (Statistisches Bundesamt, 2015), das entspricht der Fläche von etwa 62 Sportplätzen, sind wir alle direkt oder indirekt beteiligt. Auf versiegelten Flächen finden Bienen und andere Insekten keine Nahrung mehr.

Ebenso zu hinterfragen ist die Tendenz zur Anlage von Steingärten mit einem durchwuchssicheren Vlies unter der Oberfläche. Das mag für den Gartenbesitzer eine saubere Sache sein. Er muss kein Unkraut mehr jäten oder Gartenpflanzen pflegen. Damit leisten wir der Artenvielfalt allerdings einen Bärendienst. Es gibt also noch viel Luft nach oben, ob bei Gartenbesitzern, Kommunen, Umweltgruppen oder Landwirten. Also weniger Sprechblasen produzieren und Schuld zuweisen, stattdessen konstruktiv miteinander diskutieren und gemeinsam anpacken!

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