Kirschen: Der Geschmack des Sommers

25.07.2019 Schule & Wissen

Heimisches Obst hat von Juni bis August Saison

Kaum ein Obst verbindet man so mit dem Sommer wie die Kirsche. Reifen die dunkelroten Süßkirschen am Baum, hat der Hochsommer begonnen. Die leckeren Früchte sind ideal zum Naschen. Sie schmecken aber leider auch Vögeln sehr gut. Sauerkirschen sind zwar nicht so süß, haben aber ansonsten eine ganze Menge zu bieten.

Wissenswert

Sauerkirschen sind aufgrund ihrer Fruchtsäure frisch vom Baum nur für hartgesottene Fans zu empfehlen. Wenn sie allerdings zu Marmelade und Saft verarbeitet werden oder Torten, Mehlspeisen und Joghurts verfeinern, sind sie ein Gedicht. Die sehr saftigen Kirschen reifen zwei bis drei Wochen später als Süßkirschen. Man unterscheidet die leuchtendroten Weichseln von den gelblichen Amarellen. Bei Süßkirschen gibt es Herz- oder Knorpelkirschensorten. Die Knorpelkirschen sind etwas fester und knackiger und eignen sich daher besser für den Lebensmittelhandel.

Während die Sauerkirschbäume etwa 10 Meter hoch werden, wachsen Süßkirschen bis über 20 Meter in die Höhe. Um sie gut beernten zu können, werden sie allerdings auf eine Höhe von 3 oder 4 Metern erzogen. Das ist auch für die Abdeckung mit Folien hilfreich. Die werden über die Bäume gespannt, um Regen abzuhalten. Die Früchte enthalten kurz vor der Ernte nämlich sehr viel Zucker, der das Wasser in die Früchte zieht und sie zum Platzen bringt.

Der Zuckeranteil beeinflusst den Kaloriengehalt. Süßkirschen liegen bei 52 Kilokalorien pro 100 Gramm, Sauerkirschen hingegen nur bei 22 Kilokalorien. Sie enthalten erwähnenswerte Mengen Vitamin A, B, C und E sowie die Mineralstoffe Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor und Eisen.

Kirschen reifen nicht nach. Deswegen sollte man beim Kauf auf reife und sortenspezifisch voll ausgefärbte Ware achten. Sie sollten erst kurz vor dem Verzehr gewaschen werden und anschließend entstielt werden. Dann halten sie sich länger und schmecken besser. Kirschen lassen sich gut entsteinen, wenn sie für einige Minuten ins Gefrierfach gelegt werden.

Die meisten Kirschkerne wandern in den Müll, einige finden sich allerdings in Kirschkernkissen wieder. Diese wurden bereits im Mittelalter zur Wärmetherapie von Verspannungen, Rücken- oder Bauchschmerzen verwendet. Sie halten die Temperatur relativ lange und geben im Gegensatz zu Körnerkissen eine trockene Wärme ab. Das rötlichbraune Kirschbaumholz zählt zu den Edelhölzern im Möbelbau und hochwertigen Innenausbau. Aufgrund seiner feinen und homogenen Struktur lassen sich sehr glatte Oberflächen erzeugen.

Herkunft und Ansprüche

In Südosteuropa und in Westasien ist die Heimat der Kirsche (Prunus avium Süßkirsche, Prunus cerasus Sauerkirsche). Grabungen in steinzeitlichen Siedlungen in Asien und Europa haben Kerne der Vogelkirsche ans Tageslicht befördert. Sie gilt als Urform unserer Süßkirsche. Mit den Römern sind die heute bekannten kultivierten Formen bis nach Nordeuropa gekommen. Die Bäume mögen sonnige und spätfrostgeschützte Standorte sowie nährstoffreiche, durchlässige und feuchte Böden. Sauerkirschen sind im Hinblick auf den Boden und das Klima etwas genügsamer als Süßkirschen.

Anbau

Wer einen Kirschbaum im eigenen Garten pflanzen möchte, sollte berücksichtigen, dass die meisten Sorten selbstunfruchtbar sind. In diesen Fällen braucht man zusätzlich eine sogenannte Befruchtersorte. Damit die Bäume nicht so riesig werden, sind die Sorten meist auf schwachwüchsigen Unterlagen veredelt. Mit regelmäßigen Schnitt-Maßnahmen lassen sich die Bäume in die gewünschte Form bringen. In Anlagen mit einer Folienabdeckung ist eine Tröpfchenbewässerung erforderlich.

Pflanzenschutz

Es gibt zahlreiche Krankheiten und Schädlinge, die eine hochwertige und ertragreiche Ernte verhindern können. So unter anderem die Monilia -Spitzendürre, die die Blüten absterben lässt. Die Maden der Kirschfruchtfliege fressen in den Früchten. Befallene Kirschen sind nicht mehr verkaufsfähig. Hier helfen jeweils zugelassene Pflanzenschutzmittel . Vögel kann man mit Netzen abhalten, die über die Anlagen gespannt werden. Das ist aufwändig und teuer. Wer allerdings einmal miterlebt hat, wie Stare innerhalb kürzester Zeit einen Baum kahlfressen, wird diesen Aufwand betreiben.

Ernte und Lagerung

Weil die Früchte nicht nachreifen, werden sie ausschließlich reif von Hand gepflückt. Ein Erntehelfer schafft etwa 15 bis 30 Kilogramm pro Stunde. Wenige Stunden nach der Ernte sollten Süßkirschen im Kühlhaus sein. Damit wird der Zuckerabbau gebremst. Bei knapp über 0 Grad Celsius halten sie sich bis zu 14 Tage. Im Gemüsefach des Kühlschranks sollten sie maximal zwei bis drei Tage aufbewahrt werden. Beschädigte Früchte müssen vorher aussortiert werden, weil sich ansonsten schnell Schimmel bildet.

Zahlen

Im Marktobstbau wuchsen 2018 auf 6026 Hektar Süßkirschen, der Ertrag lag bei 44 223 Tonnen. Der Sauerkirschanbau ist mit 1915 Hektar und 15 902 Tonnen deutlich kleiner. Hauptanbaugebiete sind Baden, Rheinhessen, Mittelrhein und das Alte Land. Zum Vergleich die Zahlen für den Marktführer Apfel: 33 978 Hektar und 1 198 517 Tonnen (Zahlen: Statistisches Bundesamt). Jeder Bundesbürger verzehrte 2015/2016 im Schnitt 2 Kilogramm im Jahr (Apfel: 19,1 Kilogramm; Zahlen: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung). Rund 80 Prozent der weltweiten Produktion stammt aus Europa (Quelle: KOB Bavendorf).

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