Kirschessigfliege – in diesem Jahr schlägt der Schädling richtig zu

Die gefräßigen Larven machen einen Großteil der Beeren und Steinobst ungenießbar

Nach dem milden Winter und dem ihr offenbar angenehmen Witterungsverlauf des Jahres 2014 hat die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) leichtes Spiel, wenn sie in großer Anzahl Kirschen, Himbeeren, Brombeeren sowie Erdbeeren befällt und auch Appetit auf Weintrauben und Zwetschgen entwickelt. Ihre Ausbreitung nach Norden mit regionalen Schwerpunkten hält unvermindert an, während wirksame Gegenstrategien gesucht werden. Im Markgräflerland greifen jetzt sogar Öko-Winzer zum Köder-Insektizid.

Essig- und Fruchtfliegen schweben durch jede Küche, in der Obst, Fruchtsäfte oder Wein gelagert werden. So ist es auch im Garten und im Obstanbau. Zu diesen lästigen, aber harmlosen kleinen Brummern hat sich aber neuerdings mit der Kirschessigfliege eine gefährliche Verwandtschaft gesellt. Der aus Asien stammende, erschreckend vermehrungsfreudige Schädling aus dem Süden ist mittlerweile bis nach Hessen vorgedrungen, wie das Gießener Regierungspräsidium meldet. „Vor allem Brombeeren zeigen den typischen Befall“, berichtet Christoph Hoyer vom dortigen Pflanzenschutzdezernat.

Aus Südhessen wird außerdem berichtet, dass die gefräßigen weißen oder cremefarbenen Larven auch erhebliche Schäden an Kirschen, Himbeeren und Erdbeeren verursachen. Hohe Ernteausfälle sind in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Teilen von Nordrhein-Westfalen keine Seltenheit mehr. Als „unwahrscheinlich schwierig“, stuft Hans-Dieter Stallknecht die Bekämpfung ein. Nach Auskunft des Referenten für Obst und Gemüse beim Deutschen Bauernverband vermehrt sich die lästige Fliege rasend schnell.

Berater Uwe Harzer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, Neustadt/Weinstraße, komplettiert Mitte August die zwischenzeitliche Schadensmeldung: „Brombeeren sind derzeit die eindeutige Lieblingskultur der Kirschessigfliege.“ Zwetschgen mag sie auch sehr gern, und bei Aprikosen sowie Mirabellen schlagen die Ernteverluste bereits gehörig zu Buche. Auch beim Wein ahnt Uwe Harzer Böses. Bestätigung kommt aus dem Markgräflerland. Die Badische Zeitung berichtet, dass dort nach massiven Schäden in Rotweintrauben nun 2014 erstmals durch eine Sondergenehmigung ein Köder-Insektizid erlaubt ist, das bisher gegen die Kirschessigfliege im Weinbau nicht zugelassen war. Der Weinbauberater Hansjörg Stücklin empfiehlt die Ködermethode auch für den ökologischen Weinbau.

Wie ernst die Lage bei Beeren, Steinobst und Wein ist, erhellen die Auskünfte der sonst abwehrbereiten Experten in den Beratungsdiensten. Nicht nur Christoph Hoyer vom Gießener Pflanzenschutzdezernat vermisst speziell auf die Kirschessigfliege zugeschnittene Pflanzenschutzmittel . Zulassungen für den Notfall sind lediglich ein Behelf, aber keine Dauerlösung für den professionellen Anbau. Freizeitgärtner haben diesem Schädling gar nichts entgegenzusetzen.

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