Mirabellen: Sind die süß!

19.07.2018 Schule & Wissen

Sie sind auch feinwürzig und vor allem ein herrlich erfrischendes Obst

Die Mirabelle ist für viele nur „die kleine gelbe Schwester der Pflaume“. Doch der aus dem Lateinischen stammende Name sagt es: Die „Wunderbare“ ist eine Sünde wert, als leckeres Frischobst, süße Konfitüre oder hochprozentiger Obstbrand. Sie wächst besonders gut in Regionen mit Weinbauklima. Etwa drei Viertel der Welternte stammt aus dem französischen Lothringen.

Wissenswert

Experten sind die „Mirabelle von Nancy“ und die „Mirabelle von Metz“ ein Begriff. Die Sortennamen deuten auf die Region hin, die als Mittelpunkt des Mirabellenanbaus gilt. In Lothringen wird das Baumobst bereits seit dem 15. Jahrhundert kultiviert. Die Anbauer erzeugen dort aktuell etwa drei Viertel der gesamten Welternte.

Nach Deutschland kamen die Mirabellen im 18. Jahrhundert. Die etwa kirschgroßen, runden und goldgelben Früchte sind auf der Sonnenseite orange oder rötlich gesprenkelt. Der Stein löst sich leicht aus dem festen Fruchtfleisch. Ihr charakteristischer süßlicher Geschmack beruht auf dem hohen Fruchtzuckergehalt von 14 Prozent. Außerdem enthält sie 82 Prozent Wasser, 0,7 Prozent Protein und 0,2 Prozent Fett. Kalium und Pektine sind reichlich enthalten. Die Stoffe sind wichtig für die Herz- und Nerven- beziehungsweise die Darmfunktion.

Die „Mirabelle von Nancy“ lässt sich unter anderem sehr gut zu Likör verarbeiten, die „Mirabelle von Metz“ eignet sich hervorragend als Dörrobst. Doch Mirabellen können noch viel mehr. Obstbrand, Marmeladen, Kompott, Tortenbelag, Nektar, Sirup, Tee oder sogar Karamellbonbons – das alles lohnt sich zu kosten.

Mirabellen und Renekloden sind eng miteinander verwandt. Renekloden sind allerdings größer, säurehaltiger und würziger. Die Haut ist gelb, aber je nach Sorte auch grün, rot oder blau und hat eine Naht. Seit einigen Jahren gibt es eine Kreuzung aus Mirabelle und Pflaume. Die „Aprikosenmirabelle“ erinnert geschmacklich tatsächlich an Aprikosen. Sie soll sehr robust und wesentlich unempfindlicher gegenüber der Scharka-Krankheit und Monilia sein.

Herkunft und Ansprüche

Die Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca) stammt ursprünglich aus der Kaukasusregion. Sie ist eine Unterart der Pflaume. Die Pflanze benötigt einen windgeschützten Standort mit reichlich Sonne, damit die Früchte voll ausreifen können. Am liebsten hat sie einen nährstoffreichen, humosen und gut mit Wasser versorgten Boden. Sie blüht relativ spät und ist deswegen nicht so sehr durch Spätfröste gefährdet.

Anbau

Anbauer brauchen etwas Geduld: Ein Mirabellenbaum braucht etwa sieben Jahre, bis er Früchte trägt. Einige Sorten sind Selbstbefruchter, andere benötigen einen Pollenspender. Der Baum wächst kräftig und bildet eine breitkugelige Krone. Deshalb benötigen Mirabellen größere Pflanzabstände als die übrigen Pflaumensorten.

Pflanzenschutz und Düngung

Die Mirabelle ist im Gegensatz zu anderen Pflaumensorten meist Scharka-tolerant. Die Scharka-Krankheit wird durch einen Virus hervorgerufen, das grüne Ringe auf den Blättern und Einsenkungen auf den Früchten bildet. Es kommt zu einem vorzeitigen Abfall der Früchte. Die Schrotschusskrankheit und die Monilia-Fruchtfäule sowie Frostspanner und Blattläuse können zu empfindlichen Ertragseinbußen führen, sie werden im Erwerbsanbau mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln kontrolliert. Gegen das häufige Platzen der Früchte oder Wespenbefall kann nicht viel unternommen werden.

Ernte und Lagerung

Von Ende Juli bis Ende September haben die Früchte Saison. Für den Frischmarkt werden sie meist in zwei bis drei Durchgängen gepflückt. Im Idealfall ist das Fruchtfleisch elastisch weich. Harte Früchte bleiben hart. Verarbeitungsware wird im Normalfall maschinell geerntet. Frische Mirabellen sollten möglichst schnell gegessen werden, im Kühlschrank halten sie sich zwei Tage. Zur Not lassen sie sich aber auch einfrieren.

Zahlen

2017 wurden in Deutschland im Erwerbsanbau auf 639 Hektar 2703 Tonnen Mirabellen und Renekloden erzeugt. Pflaumen und Zwetschgen kamen zusammen auf 4191 Hektar und 23 885 Tonnen (Zahlen: Statistisches Bundesamt). Fast 90 Prozent des zum Frischverzehr gekauften Obstes stammten aus heimischem Anbau (Quelle: Deutsches Obst und Gemüse). Die Anbauschwerpunkte sind in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Mit deutlichem Abstand folgt Bayern.