Gemüsepflanzen vorziehen

14.03.2019 Haus & Garten

Den Vorfrühling für die Vorbereitung nutzen

Sobald die Tage wieder länger werden, können es Hobbygärtner kaum erwarten, endlich wieder in der Erde zu wühlen. Noch ist allerdings ein wenig Geduld gefragt, denn vor den Eisheiligen Mitte Mai ist es keine gute Idee, empfindliche Pflanzen ins Freiland zu setzen oder Gemüse direkt ins Beet oder den Balkonkasten auszusäen. Viele Gemüsearten können jedoch bereits im Vorfrühling auf dem Fensterbrett vorgezogen werden.

Warum eigentlich Vorziehen?

Das Saatgut für Gemüse benötigt in der Regel warme Temperaturen, um zu keimen, vor allem Fruchtgemüse wie Paprika, Zucchini und Aubergine, das ursprünglich aus dem Mittelmeerraum kommt. Daher bietet es sich an, Gemüse und Kräuter im Vorfrühling auf der Fensterbank vorzuziehen. An einem hellen Standort mit konstanter, moderater Wärme entwickeln sich die Jungpflanzen prächtig und sind robust genug, um nach den Eisheiligen ins Freiland umzuziehen. Wer nun denkt, er könne doch einfach warten, bis der letzte Frost vorüber ist, um das Gemüse direkt ins Freiland zu säen, der wird enttäuscht: Für viele Gemüsearten ist es zu spät, wenn sie erst im Mai gesät werden. Dann haben zum Beispiel Tomaten nicht genügend Zeit für ihre Entwicklung und die gewünschte Ernte bleibt aus. Ein weiterer Vorteil, Gemüsepflanzen selbst vorzuziehen: Die Auswahl von Jungpflanzen aus der Gärtnerei ist begrenzt. Dagegen gibt es beim Saatgut viele alte und ungewöhnliche Sorten.

Der perfekte Zeitpunkt für die Gemüseanzucht

Perfekte Pflanzen für die Vorzucht auf der Fensterbank sind Tomaten, Paprika, Gurken, Auberginen, Zucchini, Chili, aber auch (Pflück-)Salat, Kohl oder Kräuter. Wann welches Gemüse ausgesät werden sollte, hängt davon ab, wie lange die Wachstumsperiode jeweils dauert. Auskunft über die Saat- und Pflanzzeiten geben die Samentütchen oder spezielle Tabellen und Kalender für den Gemüsegärtner.

Eine lange Kulturzeit haben beispielsweise Paprika, Auberginen und Peperoni. Bereits ab Anfang Februar können Sie diese in Anzuchttöpfen aussäen. Ab Mitte Februar wird es Zeit für Salat, Lauch und Kohlrabi sowie für Küchenkräuter wie Dill, Basilikum und Petersilie. Und ab März folgen dann die meisten anderen Gemüsearten und Kräuter. Beim Vorziehen der Gemüsepflanzen sollte bedacht werden, dass später beim Auspflanzen genügend Platz im Beet oder Kübel vorhanden sein muss. Hier empfiehlt es sich, nicht zu euphorisch ans Werk zu gehen, und nur so viele Pflanzen vorzuziehen, wie später ins Beet, in Kübel oder Balkonkästen umziehen können.

Vorbereitungen für die Aussaat zuhause

Für das Vorziehen von Kräutern und Gemüse werden neben dem Saatgut eine spezielle Anzuchterde und Aussaat-Gefäße benötigt. Frische Anzuchterde aus dem Fachhandel ist wichtig, da sie genau auf die Bedürfnisse der Jungpflanzen abgestimmt ist. Außerdem ist sie keimfrei, sodass Schimmel und andere Krankheitserreger keine Chance haben. Immer beliebter wird auch ein Substrat aus Kokosfasern als torffreie Alternative. Bei der Verwendung sollte die Erde Zimmertemperatur haben.

Als Aussaat-Gefäße kommen flache Schalen mit gutem Wasserabzug, Anzuchtplatten mit vielen kleinen Kammern oder auch Quelltöpfe aus Torf oder Kokosfaser in Frage. Quelltöpfe eignen sich besonders gut für die Einzelaussaat großsamiger Pflanzen wie Gurken und können später einfach mit eingepflanzt werden. Aber auch Eierkartons können zweckentfremdet werden und geben gute Gefäße für die Keimung der Samen ab.

Vorziehen von Gemüsepflanzen – so geht’s

Folgende Schritte haben sich beim Vorziehen von Gemüsepflanzen bewährt:

  1. Die Anzuchterde locker bis zum Rand in das Pflanzgefäß geben und mit der Hand andrücken. Damit die Samen nicht durch das spätere Angießen weggeschwemmt werden, sollte die Erde schon vorher mit einer feinen Brause gut durchfeuchtet werden.
  2. Nun die Gemüsesamen gleichmäßig auf der Erde verteilen. Bei kleinkörnigem Saatgut am besten eine Ecke des Samentütchens abreißen und die Samen mit leichten Klopfbewegungen auf die Erde streuen. Dabei darauf achten, dass die Samenkörner nicht zu dicht beieinander liegen, damit die Pflanzen später genug Platz haben. Außerdem wachsen sie auf diese Weise schneller und können stärkere Wurzeln ausbilden.
  3. Die Samen von Lichtkeimern, also Pflanzen, die zur Keimung Licht benötigen, einfach leicht andrücken. Samen von Dunkelkeimern, zum Beispiel Kapuzinerkresse, Gurken und Kürbisse, müssen nach dem Aussäen mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt werden.
  4. Damit man später noch weiß, was man in welchem Topf vorgezogen hat, empfiehlt sich eine Markierung mit Pflanzschildern oder Etiketten.
  5. Um die für die Keimung notwendige Feuchtigkeit zu erhalten, sollten die Anzucht-Gefäße abgedeckt werden. Hierfür eignen sich zum Beispiel durchsichtige Folien oder Platten aus Glas oder Plexiglas. Immer beliebter werden auch kleine Gewächshäuser für die Fensterbank. Manche davon sind stapelbar, sodass alle Anzucht-Töpfe Platz in ihnen finden und einfach von einem Ort zum anderen transportiert werden können, zum Beispiel um sie mehr Licht oder weniger Heizungswärme auszusetzen. Alternativ können auch einfache Plastikboxen verwendet werden, die ebenfalls praktisch sind, wenn die Anzucht-Töpfchen bewegt werden sollen. Sobald die Keimblätter zu sehen sind, kann die Abdeckung entfernt werden.
  6. Zum regelmäßigen Befeuchten eignen sich eine kleine Gießkanne mit Haarbrause oder eine Sprühflasche.

Umzug in den Einzeltopf

Wenn die ersten Laubblätter zwischen den Keimblättern erscheinen, müssen die Gemüsepflänzchen vereinzelt (pikiert) werden, damit sie sich gut weiterentwickeln. Ein spezieller Pikierstab leistet hier gute Dienste, denn er schont durch seine spezielle Form die zarten Pflänzchen. Die Sämlinge hebelt man vorsichtig aus der Erde und setzt sie dann einzeln in größere Töpfe. Den Wurzelansatz dabei vorsichtig in die Erde drücken. Dann nur noch angießen und an einen warmen und hellen Ort stellen. Dort wachsen die Gemüsepflanzen nun so lange weiter, bis es Zeit ist, sie ins Freie zu pflanzen.

Jetzt geht’s raus ins Freie

Auch wenn der letzte Frost vorüber ist und es bis Mitte Mai schon viele warme Tage gab – die vorgezogenen Gemüsepflänzchen sollten nicht von jetzt auf gleich nach draußen gesetzt werden. Denn ein plötzlicher Temperaturwechsel könnte sogar zum Eingehen der Pflanzen führen. Besser ist es, sie langsam an die neue Umgebung zu gewöhnen. Dazu stellt man die Pflanztöpfe am besten für einige Stunden am Tag nach draußen, später auch über Nacht. Nach mehreren Tagen, besser Wochen, sind die Gemüsepflanzen bereit für das Freiland, wo sie weiter wachsen und hoffentlich eine gute Ernte bringen.