Paprika: Die Schärfe macht den Unterschied

22.11.2018 Schule & Wissen

Rote Paprika sind wahre Vitamin-Bomben

Paprika aus der Gemüseabteilung des Supermarkts schmecken mild und die roten Sorten auch angenehm süß. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Scharfe Gewürzsorten nämlich treiben einem die Tränen in die Augen und lindern sogar Rheuma! Die frostempfindliche Tropenpflanze wird bei uns ganzjährig in Gewächshäusern angebaut. Freiland-Paprika hat von Juli bis Oktober Saison.

Wissenswert

Der Durchbruch für die Paprika kam in den 1950er Jahren. Damals wurden in Ungarn mild schmeckende Sorten gezüchtet, die nur sehr geringe Capsaicin-Gehalte aufwiesen. Das Alkaloid hatte ursprünglich in Kombination mit der roten Signalfarbe der Schoten die Funktion, Fressfeinde abzuhalten. Damit war das Gemüse massentauglich und nicht nur etwas für Liebhaber scharfer Speisen. Etwas pikanter als die bekannten Gemüsepaprika sind Kirschpaprika und Rosenpaprika, die zu den Gewürzpaprika zählen. Noch mehr Capsaicin sind in den verwandten Chilis enthalten. Sie werden im unreifen Zustand als Peperoni bezeichnet. Der besonders scharfe Cayennepfeffer besteht aus getrockneten und gemahlenen Chilis.

Doch Capsaicin beeinflusst nicht nur den Geschmack. Südamerikanische Ureinwohner nutzten Paprika als Heilmittel gegen Arthrose. Heute wird Capsaicin in ABC-Pflastern gegen rheumatische Beschwerden oder in Hexenschuss- und Migränemitteln verwendet. Paprika ist darüber hinaus eine wahre Vitamin C-Bombe. Das Vitamin stärkt unsere Abwehrkräfte und beugt ebenso wie die enthaltenen antioxidativen Flavonoiden Herzinfarkten und Durchblutungsstörungen vor. Schon weniger als 100 Gramm reichen aus, um den Tagesbedarf zu decken. Rote, orange und gelbe Sorten sind mit bis zu 400 Milligramm pro 100 Gramm vitaminreicher als grüne Sorten, die etwa 140 Milligramm enthalten und weniger süßlich schmecken (zum Vergleich: Brokkoli hat 115 und Orangen 50 Milligramm Vitamin C). Grüne Paprika müssen aber nicht unreif sein. Es gibt einige Sorten, die im reifen Zustand grün bleiben.

Paprika unterscheiden sich auch durch ihre unterschiedliche Form. Es gibt runde, herz- oder kegelförmige sowie flach, spitz oder stumpf auslaufende Früchte. In unserer Küche wird das Gemüse gerne roh in Salaten verwendet, in Öl eingelegt, gedünstet oder gebraten. Beliebte Gerichte sind zum Beispiel mit Reis und Hackfleisch gefüllte Paprikaschoten, Ratatouille oder Paprikahuhn. In Ländern mit bekannt scharfer Kochweise wie Mexiko oder Thailand ist Chili weitverbreitet.

Herkunft und Ansprüche

Die Paprika (Capsicum annuum) stammt ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika. Sie zählt ebenso wie Tomaten oder Kartoffeln zur Familie der Nachtschattengewächse. Die ersten Nachweise für die Nutzung lassen sich bis auf etwa 7000 v. Chr. zurückdatieren. Nach der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 brachten Seefahrer das Gemüse nach Spanien. Dahinter stand die Absicht, mit dem Anbau der scharfen Schoten das Gewürzmonopol Venedigs zu unterlaufen. Die erste urkundliche Erwähnung in Deutschland stammt bereits aus dem Jahr 1542. Die Tropenpflanze verträgt keinen Frost. Sie kann deswegen in Mitteleuropa erst nach den Eisheiligen im Freiland gepflanzt werden. Besonders gut wächst sie auf leicht sauren bis neutralen sowie sandigen bis lehmigen Böden. Die sollten im Idealfall tiefgründig und regelmäßig mit Wasser versorgt sein.

Anbau

In Deutschland werden Paprika im Erwerbsanbau unter Glas oder unter Folie angebaut. Damit schützen Gärtner die Kultur vor Frost und können sie ganzjährig beernten. Hobbygärtner pflanzen ihre vorgezogenen Paprika ab Mai aus. Freilandanbau macht aber nur an einem sehr milden und sonnigen Standort Sinn. Rund 50 bis 120 Tage nach der Befruchtung der Blüten sind die Früchte ausgereift.

Pflanzenschutz und Düngung

Saugende Insekten wie Weiße Fliege, Spinnmilben und Blattläuse zählen zu den bedeutendsten Schädlingen. Sie entziehen den Pflanzen Flüssigkeit und Nährstoffe und hinterlassen Eintrittspforten für Krankheitserreger. Nützlinge wie Raubmilben, Florfliegen, Schlupfwespen, Marienkäfer oder Raubwanzen können sie im geschützten Anbau in Schach halten. Vom Tabakmosaikvirus befallene Pflanzen müssen so schnell wie möglich beseitigt werden, bevor andere Paprika über saugende Insekten infiziert werden. Die Verticillium-Welke wird durch einen Pilz verursacht. Sie kann im Gegensatz zu anderen pilzlichen Erkrankungen nicht direkt mit chemischen Mitteln bekämpft werden. Eine bedarfsgerechte Düngung verbessert allgemein die Abwehrkräfte der Pflanze gegenüber Schaderregern.

Ernte und Lagerung

Weil die Gärtner im geschützten Anbau über das ganze Jahr hinweg pflanzen können, ernten sie auch ganzjährig. Im Freilandanbau haben die Paprika je nach Witterung ab Juli bis in den Oktober Saison. Sie sollten am besten reif geerntet werden, weil sie nicht nachreifen. Eine Notlösung: Die Früchte zusammen mit Äpfeln in eine Tüte stecken. Das vom Obst abgegebene Hormon Ethylen fördert die Reifung. Paprika halten sich in einer kühlen Vorratskammer bei 8 bis 10 Grad Celsius mindestens eine Woche. In einem niedrig eingestellten Kühlschrank ist es ihr ein wenig zu kalt.

Zahlen

Die Kultur wuchs 2017 in Deutschland auf 94 Hektar im geschützten Anbau. Pro Hektar ernteten die Gärtner im Mittel 131 Tonnen, das macht in der Summe 12 289 Tonnen (Zahlen: Destatis). Damit kann der Inlandsbedarf aber nur zu einem Bruchteil gedeckt werden. Die Importe von 390 000 Tonnen (2016, Quelle: BOG) kommen überwiegend aus Spanien, den Niederlanden, Ungarn und der Türkei. Der weltweit größte Paprika-Produzent 2016 war China mit 17,435 Millionen Tonnen. Spanien als größter europäischer Anbauer rangierte auf Platz 5 mit 1,083 Millionen Tonnen (Zahlen: FAO).