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Haus & Garten
14.12.2022

Baum des Jahres 2023: Die Moor-Birke

Die Moor-Birke ist Baum des Jahres 2023. Foto: Rudolf Fenner/Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung

Schwester der Hänge-Birke hat Potenzial

Am 30. November 2022 wurde die Moor-Birke von der Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung zum „Baum des Jahres 2023“ ausgerufen. Die seltenere Schwester der Hänge-Birke ist häufig in Mooren anzutreffen und symbolisiert deren Bedeutung für das Klima und die Biodiversität. Schirmherr ist Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.

Die Birke erkennt wohl fast jeder Mensch, denn mit der überwiegend weißen Rinde und der lichten, hellgrünen Krone hat sie ein charakteristisches Erscheinungsbild. Bei den Birken in Gärten und Parks handelt es sich um die Hänge-Birke (Betula pendula), auch Sand-Birke genannt. Die Moor-Birke (Betula pubescens) sieht ähnlich aus, ist aber ungleich seltener. Unterschiede gibt es in der Form der Blätter und darin, dass sich die Rinde der Moor-Birke im Alter rötlich färbt. Außerdem sind ihre Zweige – anders als bei der Hänge-Birke – nicht überhängend.

Symbol für den Erhalt der Moore

Wie der Name schon sagt, sind Moor-Birken am häufigsten in Mooren anzutreffen, und zwar in den gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas, Skandinaviens, Asiens und Islands. Dort bilden sie oft die einzige Baumvegetation. In Deutschland sind Moor-Birkenwälder stark gefährdet und deshalb gesetzlich geschützt. Am häufigsten findet man den Baum des Jahres 2023 alleine am Rand von Mooren. „Moore sind für die Bindung von CO2 wichtig und ein Zuhause für seltene Arten“, erklärt Stefan Meier, Präsident der Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung. Doch durch den Torfabbau und die Trockenlegung von Flächen für die Landwirtschaft sind die wenigsten Moore in Deutschland intakt: Heute sind 90 Prozent der Moore Deutschlands entwässert, sodass das ursprünglich gebundene CO2 wieder frei wird – ein großes Problem für das Klima. Außerdem dienen Moore als Wasserspeicher und sind wichtige Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere. Daher ist die Wiedervernässung von Mooren eine wichtige Maßnahme des Klima- und Umweltschutzes.

Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft und Schirmherr der Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung: „Die Wiedervernässung von Mooren ist eine große Chance für den Klimaschutz und zugleich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auch daher freue ich mich, die Schirmherrschaft für diesen Charakterbaum unserer Moore übernehmen zu dürfen. Lassen Sie uns die Moor-Birke und ihren Lebensraum gemeinsam schützen und erhalten!“. Auch Johanna Werk, die neue Deutsche Baumkönigin, freut sich darauf, im Jahr 2023 für die Moor-Birke unterwegs zu sein und Renaturierungsmaßnahmen tatkräftig zu unterstützen. „Die Moor-Birke wird uns 2023 als Symbol für dieses Handlungsfeld begleiten“, betont Stiftungspräsident Meier.

Das Potenzial der Moor-Birke

Dort, wo Moore renaturiert werden, wird die Moor-Birke ihren Standort erst einmal aufgeben müssen. Da es in den unmittelbar angrenzenden Wäldern aber nasser wird, findet sie dort passenden Lebensraum. Und nicht nur das: Es bietet sich eine gute Chance für die Integration der Moor-Birke in eine nachhaltige Bewirtschaftung der feuchten Wälder an, die auch ökonomisch interessant ist. Zwar wird das Holz der Birke derzeit in erster Linie als Brennholz genutzt, weil es leicht verwittert und daher als Möbelholz nur für den Innenbereich geeignet ist, aber das könnte sich bald ändern. Denn Birken lassen sich ohne großen Aufwand zu geradestämmigen und hochgewachsenen Bäumen entwickeln. Anbauversuche zeigen zudem, dass Moor-Birken eine bessere Holzqualität als Hänge-Birken haben können. Außerdem zeigt sich, dass im Wald belassene Birken das Binnenklima und die Bodenfruchtbarkeit in dem Bestand verbessern. In Nordeuropa hat man dieses Potenzial schon erkannt. Dort wird das helle, leicht gelbliche Hartholz für den Möbelbau, die Furnier- und Sperrholzproduktion und zum Drechseln verwendet.

Der Verein Baum des Jahres

Der Verein Baum des Jahres e. V. wurde im Jahr 1972 von Dr. Silvius Wodarz als eine der frühen deutschen Umweltorganisationen gegründet und hieß bis 1999 noch Umweltschutzverein Wahlstedt. In der Debatte um das sogenannte „Waldsterben“ entstand 1983 zunächst die Aktion „Rettet den Wald“. Angeregt durch andere Aktionen wie „Vogel des Jahres“ kam Wodarz auf die Idee, jedes Jahr eine Baumart besonders herauszustellen. Der erste „Baum des Jahres“ war 1989 die Stieleiche. Der gemeinnützige Förderverein wird von seinen Mitgliedern getragen und finanziert durch Spenden die Erstellung von Informationsmaterialen und -medien rund um die jeweiligen Jahresbäume. Dem Kuratorium Baum des Jahres als Fachbeirat des Vereins gehören 32 Umweltorganisationen, -institutionen, Verbände und Forschungseinrichtungen an. Mehr Informationen gibt es unter https://baum-des-jahres.de/.

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