Der Myrrhenbaum ist "Arzneipflanze des Jahres 2021"

18.05.2021 Haus & Garten

Balsam gegen Husten, Entzündungen und zur Wundheilung

Gold, Weihrauch und Myrrhe waren die wertvollen Gaben, die die Weisen aus dem Morgenland der Bibel nach Jesus Christus darbrachten. Und so bringen die „Heiligen Drei Könige“ auch heute noch bei so manchem Krippenspiel diese kostbaren Geschenke als Königsgaben. Myrrhe und Weihrauch werden seit alters her für Heilmittel und als Kosmetika, wie zum Beispiel in Parfüms, verwendet. Der Myrrhenbaum ist jetzt Arzneipflanze des Jahres 2021 geworden.

In jedem Jahr stellt der interdisziplinäre Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg eine neue „Arzneipflanze des Jahres“ vor. Für das Jahr 2021 ist es der Myrrhenbaum Commiphora myrrha, syn. Commiphora molmol. Der Myrrhenbaum ist ein kleiner, bis etwa 4 Meter hoher laubabwerfender Baum mit kurzem Stamm und knorrigen, dornenbewehrten Ästen. Er gehört zu den Balsambaumgewächsen und stammt aus den ostafrikanischen Ländern Äthiopien, Kenia, Dschibuti und Somalia. Weiterhin kommt er auf der arabischen Halbinsel in Oman und im Jemen vor. Der Myrrhenbaum ist zweihäusig getrenntgeschlechtlich, hat also männliche und weibliche Blüten. Die Blüte erfolgt kurz vor der Regenzeit.

Gummiharz für Medizin und Kosmetik

Durch Schälen der Borke wird das harte gelbliche, süß-würzig riechende Gummiharz gewonnen. Das Harz der Echten Myrrhe wird seit Jahrtausenden in der Medizin als Balsam und rituell als heiliges Salböl genutzt. Getrocknet ist das Harz stabil und kann gut transportiert werden. Eingesetzt wurde Myrrhe bei den alten Ägyptern beispielsweise gegen Husten und als Wundbalsam. Dort wurde Myrrhenbalsam auch zum Einbalsamieren genutzt. Die naturheilkundliche Klosterfrau Hildegard von Bingen beschreibt im Mittelalter die Heilwirkung der Myrrhe ebenso und empfiehlt sie gegen Gelbsucht und Lähmungen, Magenbeschwerden oder Fieber. In der Gegenwart wird Myrrhe vor allem bei Entzündungen der Haut sowie der Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich, aber auch des Darmes, zum Beispiel bei der Darmerkrankung Colitis ulcerosa eingesetzt. Sie wirkt entzündungshemmend und antimikrobiell. Die Wirkstoffe sind unter anderem Diterpen- und Triterpensäuren, ätherisches Öl und Bitterstoffe.

Die „Arzneipflanze des Jahres“ wird seit 1999 ausgelobt. Ziel ist es, an die Geschichte von Heilpflanzen in der europäischen Medizin zu erinnern und Hinweise für die heutige pharmazeutische und medizinische Nutzung zu gewinnen. Sie ehrt und erinnert an den 2019 verstorbenen Medizinhistoriker Dr. Johannes Gottfried Mayer.