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Umwelt & Verbraucher
19.03.2019

Mit vier Bäumen dem Klimawandel begegnen

Mischwälder mit mindestens vier Baumarten tolerieren Trockenstress besser. Foto: Fotolia

Mischwald-Konzept der Bayerischen Staatsforsten trotzt Trockenheit

Wenn man an Bierzelte denkt, fällt einem auch das Wort „Bierdurst“ ein. Doch die Bierzelte beim „4-Baum-Konzept“ haben eher mit Wasserdurst zu tun. Die Bäume in einem Wald bei Kranzberg im Landkreis Freising (Bayern) stehen nämlich in einer Art Bierzelt, das kein Wasser zu den Wurzeln durchlässt, während der Stamm herausragt. So soll erforscht werden, wie sich eine jahrelange Sommer-Trockenheit auf das Wachstum der Bäume auswirkt.

Wälder sind die "grüne Lunge" unseres Planeten. Um ihre Bedeutung für uns zu unterstreichen, hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO bereits in den 1970er Jahren den „Tag des Waldes“ ins Leben gerufen, der seither immer am 21. März gefeiert wird. In den 1980er Jahren waren „Saurer Regen“ und „Waldsterben“ Begriffe, die jedes Schulkind kannte. Doch wie gehen die Bäume mit der Herausforderung des Klimawandels und der damit einhergehenden Trockenheit um? Diese Frage wird von Waldwissenschaftlern und Biologen der Technischen Universität München sowie des Helmholtz-Zentrums München im Kranzberger Walddachexperiment KROOF (Kranzberg Forest Roof Experiment) untersucht. 1000 Bäume umfasst das Versuchsfeld, 50 davon werden unter einer Art Zelt künstlich trocken gehalten.

Mischwälder können Trockenstress besser abpuffern

Der Umbau von reinen Fichtenwäldern hin zu Mischwäldern mit mehreren Baumarten soll dem Klimawandel begegnen, da diese stabiler sind und Witterungseffekte besser ausgleichen können. Ähnliche Projekte gibt es übrigens im Amazonasgebiet und im US-Bundesstaat New Mexico. Hier werden allerdings Wacholderbäume und Kiefern untersucht. Wie das Freisinger Projekt bisher zeigt, leidet die Fichte allerdings auch im Mischwald und hat verkürzte Nadeln und wesentlich langsamer wachsende Triebe. Nichtsdestotrotz ist die Fichte eine der tragenden Säulen im „4-Baum-Konzept“ der Bayerischen Staatsforsten (BaySF). Es fußt auf Fichte, Buche, Weißtanne, Douglasie, Lärche und Eiche, je nach Standort. Im KROOF-Projekt werden die Bäume mit Elektroden an Nägeln in der Rinde, Bewegungsmeldern, Mikrofonen, Thermometer und der Messung der Photosynthese-Aktivität sowohl im Freiland als auch im Labor untersucht. Auch die Auswirkungen erhöhter Ozonwerte werden im Experiment erforscht und der Klimawandel sozusagen vorweggenommen. Während die Landwirte die Wirkung von Trockenstress auf ihren Äckern sofort spüren, hat der Wald einen längeren Atem und kann eine Trockenheit besser überbrücken.

Andererseits darf aber nicht vergessen werden, dass ein Produktionszeitraum im Wald mit 100 Jahren und mehr länger als ein Menschenleben dauert. Das KROOF-Projekt wurde 2013 initiiert und wird von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG), vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert.

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