Wasserregime im Gemüsegarten

04.08.2020 Haus & Garten

Damit Gemüsepflanzen nicht durstig werden

Die Lebensvorgänge in Pflanzen sind mit Wasser verbunden. Sie beginnen bereits bei der Keimung. Hier werden sie im Samenkorn durch die Quellung aktiviert. Während das Samenkorn meist nur 15 Prozent Feuchtigkeit enthält, erhöht sich der Gehalt während der Keimung und dem späteren Pflanzenwachstum auf 80 bis teilweise über 90 Prozent. Für die Aufrechterhaltung der Lebensvorgänge (Assimilation, Transport von Nährstoffen und Assimilationsprodukten) muss zwischen den einzelnen Pflanzenorganen ein ständiges Gleichgewicht zwischen Wasseraufnahme und -abgabe gehalten werden. Ist dieses gestört, weil mehr Wasser verdunstet als aufgenommen wird, welkt die Pflanze. Direkter Wassermangel im Boden, zu hohe Temperaturen oder starker Windeinfluss können hier die Ursache sein.

Der Wasserbedarf darf nicht getrennt von den Umwelt- und Kulturbedingungen, zum Beispiel Temperatur, Sonneneinstrahlung, Luftfeuchte und Luftbewegung, betrachtet werden. Sie beeinflussen die Verdunstung der Pflanzen. Je nach dem im Boden vorhandenen Wasservorrat und dem Entwicklungsstand der Kulturpflanze kann es notwendig werden, zusätzlich zu bewässern. Das Wasserspeicher- und Haltevermögen der einzelnen Bodenarten ist unterschiedlich. Humuszusätze verbessern diese Bodeneigenschaften. Vor allen Dingen bei sehr leichten sandigen Gartenböden kann deren Qualität durch Lehm- und Humuszusatz verbessert werden. Bei mittleren Böden wird das Wasser am besten gespeichert.

Von besonderer Bedeutung ist die Speicherfähigkeit in der obersten Bodenschicht, weil sich hier bei vielen, insbesondere einjährigen Kulturpflanzen die Hauptwurzelmasse befindet. Die Pflanzenwurzeln suchen sich die Feuchtigkeit im Boden, sie wachsen zum Wasser hin. Pflanzen, die ständig Feuchtigkeit im Überfluss haben, bilden ein geringeres Wurzelwerk aus als solche, die ständig auf der Suche nach Wasser sind. Deshalb sollten vor allem Jungpflanzen nicht zu üppig damit versorgt werden. Pflanzen, die ein geringeres Wurzelwerk haben, welken in Trockenperioden schneller als solche, die daran gewöhnt sind, den Boden zu durchstreifen.

Allerdings darf man den Boden nie völlig austrocknen lassen, denn viele Pflanzen sind nicht in der Lage, das letzte Viertel des vom Boden gespeicherten Wassers für sich nutzbar zu machen. Nach einem Regen oder dem Bewässern sollte durch flaches Hacken verhindert werden, dass das Wasser, welches über die Kapillaren im Boden nach oben steigt, an der Oberfläche verdunstet. Bei sehr hohen Temperaturen und Wind können täglich Verdunstungsverluste von bis zu 2 Liter pro Quadratmeter auftreten.

Wann wird eine Zusatzbewässerung erforderlich?

Um dafür den richtigen Zeitpunkt zu treffen, bedarf es einiger Erfahrung und des berühmten Fingerspitzengefühls. Über die Notwendigkeit einer zusätzlichen Bewässerung ist abgesehen von der Bodenart und der Lage nur im Zusammenhang mit den Temperaturverhältnissen, vor allem in der Zeit von Mai bis September, zu entscheiden. Meist reicht in normalen Jahren zunächst die Winterfeuchtigkeit aus. Besonders wichtig ist eine ausreichende Verfügbarkeit des Wassers in der Hauptwachstumszeit der einzelnen Pflanzenarten. Wenn der Bedarf dann nicht durch natürliche Niederschläge gedeckt wird, sollte man künstlich nachhelfen.

Aussaaten und frisch gepflanzte Setzlinge sind zum Keimen oder Anwachsen besonders auf Wasser angewiesen. Deshalb sollte gegebenenfalls vorher die Bodenfeuchte aufgefüllt werden. Wenn das Saatgut bereits mit der Keimung begonnen hat, führt Trockenheit zum Absterben der jungen Keimlinge, noch bevor sie die Bodenoberfläche erreicht haben.

Um das Gesäte vor Trockenheit zu schützen, lohnt es sich, die Beete nach der Aussaat leicht zu befeuchten und mit Vlies abzudecken. Auch frisch gepflanzte Setzlinge müssen angegossen werden, damit die Wurzeln ausreichend Kontakt zum Boden haben und durch den Bodenschluss die Feuchtigkeit zunächst von unten nach oben steigen kann.

Die Perioden erhöhten Wasserbedarfs für einige Gemüsearten:

  • Grünkohl und Rosenkohl haben einen erhöhten Wasserbedarf im August/September.
  • Blumenkohl reagiert schon auf kurze Trockenperioden empfindlich und bringt dann viele Vorblüher oder kleine Köpfe. Früher Blumenkohl hat von Mai bis zur zweiten Juni-Dekade, späte Sorten von der dritten Juli-Dekade bis Mitte September einen zusätzlichen Wasserbedarf.
  • Chinakohl ist sehr empfindlich gegen Schwankungen der Bodenfeuchtigkeit. Der Hauptwasserbedarf liegt ab der zweiten August-Hälfte bis September.
  • Gurken haben ihren stärksten Bedarf ab dem Beginn des Massenwachstums Ende Juni, der sich noch im Juli und August steigert. Durch ihr flaches Wurzelsystem können sie nur die in der oberen Bodenschicht gespeicherte Feuchtigkeit nutzen.
  • Tomaten erreichen die besten Ernteergebnisse auf mittelfeuchten Böden. Eine ständig hohe Feuchtigkeit schadet ihnen eher. Bis zum Blühbeginn wollen sie nicht zu feucht stehen. Hohe Bodenfeuchte oder häufige Niederschläge zu Kulturbeginn wirken sich negativ auf den Ertrag aus. Während des Massenwachstums von Ende Juni bis Anfang September sind die Pflanzen aber so mit Wasser zu versorgen, dass keine Schwankungen der Bodenfeuchte auftreten. Werden die Pflanzen erst dann bewässert, wenn der Boden schon sehr ausgetrocknet ist, platzen die Früchte.
  • Möhren haben eine langsame Jugendentwicklung und brauchen in trockener Witterungslage bei frühen Sorten von Juni bis Anfang Juli und bei späten Sorten von Juli bis zur ersten September-Dekade eine zusätzliche Bewässerung. Allerdings ist zu beachten, dass sich zu „nass“ kultivierte Möhren schlechter lagern lassen.
  • Knollensellerie zeigt eine große Empfindlichkeit gegen Wassermangel. In der Hauptwachstumszeit muss für eine ausreichende Bodenfeuchte gesorgt werden. So können auf leichten Böden von der ersten Juli-Dekade bis zur zweiten September-Dekade, auf mittleren Böden von August bis zur ersten September-Hälfte zusätzliche Wassergaben notwendig werden.
  • Porree ist zwar gegenüber kurzfristigen Trockenperioden weniger empfindlich, doch muss eine zu geringe Bodenfeuchte von Juli bis zur ersten September-Hälfte durch zusätzliche Wassergaben ausgeglichen werden.

Phytosanitäre Aspekte der Bewässerung

Wasser ist nicht nur lebensnotwendig für Pflanzen, sondern auch eine Infektionsvorbedingung für Pilzkrankheiten. Deshalb muss die Zusatzbewässerung so geschehen, dass sie nicht krankheitsfördernd ist. Dazu gehört, dass nicht zu häufig mit kleinen Wassermengen gegossen wird. Eine Wassergabe sollte nie unter 20 Liter pro Quadratmeter liegen, was einer Gabe von 20 Millimeter Zusatzregenmenge entspricht. Bei geringerer Wassergabe verdunstet einerseits zu viel und andererseits wird die Bodenschicht nicht so weit durchfeuchtet, dass die Pflanzenwurzeln das Wasser auch aufnehmen können. Den „Sprühschlauch“ stundenlang liegengelassen befeuchtet nur die Pflanzenoberflächen so lange, dass pilzliche Erreger die Möglichkeit zur Infektion haben.

Es sollte möglichst eine Furchenbewässerung durchgeführt oder die Wassergabe an den „Fuß“ der Pflanze verabreicht werden. Somit wird beispielsweise pilzlichen Blattfleckenkrankheiten, Rost oder Botrytis-Grauschimmel an den verschiedensten Kulturpflanzen oder der Kraut- und Braunfäule an Kartoffeln und Tomaten kein Vorschub geleistet.

Pflanzen sollten nicht nach 15 Uhr über das Blatt bewässert werden. Allgemein bleiben solche Blattoberflächen bis zum nächsten Morgen zwischen 6 und 8 Uhr feucht. Hier haben pilzliche Erreger, zum Beispiel von Blattfleckenkrankheiten, ausreichend Zeit, die Pflanzen zu infizieren.

Starke Schwankungen der Bodenfeuchte können sich sehr nachteilig auf viele Pflanzenarten auswirken. So führen sie beispielsweise bei Radies, Rettich, Möhre, Tomate, früher Kopfkohl und Kohlrabi zu einem Platzen der Ernteprodukte.