Radieschen ideal für den Balkon-Hobbygärtner

22.05.2014 Schule & Wissen

Scharfer Geschmack durch Senföle

Der Klassiker ist rot, kugelrund und hat nur wenige Zentimeter Durchmesser. Doch mittlerweile bereichern zahlreiche Neuzüchtungen den Markt: Sie sind violett, rot-weiß oder gelb und zum Teil auch länglich und bis zu sechs Zentimeter dick. Allen gemeinsam ist aber der charakteristische scharf-würzige Geschmack, der durch eine Prise Salz etwas gemildert werden kann. Einige hauchdünn geschnittene Scheiben geben Blattsalaten ein besonderes Aroma.

Wissenswert

Geraspelt oder geschnitten verfeinern die kleinen Knollen auch Kartoffelsalate oder Quark- und Frischkäsedips. Gedünstet als Beilage, püriert in Soßen oder – etwas ausgefallener – zu Gelee verarbeitet bereichern sie unseren Speiseplan. Als leckere Deko und Farbtupfer passen sie zu fast jedem Buffet. Radieschen sind für Hobbygärtner ohne eigenen Garten geeignet, denn für den Anbau reicht bereits ein mit Erde gefüllter Blumenkasten auf dem Balkon. Der unverwechselbare Geschmack des Gemüses beruht auf Senfölen. Diese schwefelhaltigen Inhaltsstoffe sind typisch für die Pflanzenfamilie der Kreuzblütler, zu der auch der Rettich und unsere Kohlarten zählen. Sie bilden sich, sobald die Pflanze verletzt wird und sollen sie so vor Fraßschäden schützen. Außerdem wirken sie keimtötend. Eine ähnliche Wirkung entfalten Senföle auch bei uns Menschen – Radieschen können - in Maßen genossen – zur Abwehr von Bakterien, Pilzen und Viren beitragen.

Herkunft und Ansprüche

Die knackigen Knollen sind in Mitteleuropa erst seit dem 16. Jahrhundert zuhause. Vermutlich kommen sie ursprünglich aus Vorderasien oder China. Raphanus sativus var. sativus, so der wissenschaftliche Name, mag am liebsten milde Tagestemperaturen zwischen zwölf und 15 Grad, und ist für eine gute Wasserversorgung dankbar. Besonders im Sommer darf man das Gießen nicht vergessen.

Anbau

Gärtner säen Radieschen ab März, unter Vlies oder im Folientunnel auch bereits im Februar aus. Für die Aussaat im Freiland ist September der späteste Termin. Für die Sommeraussaaten gibt es spezielle Sorten. Spätestens nach dem Auflaufen brauchen die jungen Pflanzen Platz. Zehn bis zwanzig Zentimeter zwischen den Reihen und drei bis fünf Zentimeter in der Reihe sind sinnvoll, sonst bilden sie zwar viel Blattmasse, aber nur kleine Knollen. Freilandradieschen schmecken intensiver als Gewächshausware, die im Herbst und Winter ausgesät wird und eine ganzjährige Marktversorgung sicherstellt.

Pflanzenschutz und Düngung

Die Anbaupause zwischen zwei Radieschensaaten sollte mindestens drei Jahre dauern, sonst droht Kohlhernie . Verursacher dieser Krankheit ist ein Einzeller, der die Wurzeln von Radieschen und anderen Kreuzblütlern befällt. Er regt das Gewebe zur vermehrten Teilung an. Dadurch entstehen Wurzelverdickungen. Insekten können ebenso zum Problem werden, so unter anderem Kohlfliegen und Erdflöhe . Die Erdflöhe fressen an den Keimblättern, sodass die jungen Pflanzen absterben können. Eine weitverbreitete Pilzkrankheit ist der Falsche Mehltau, der Knollen und Blätter befällt. Zugelassene Pflanzenschutzmittel stehen für den Erwerbs- und Hobbyanbau zur Verfügung. Eine Übersicht ist auf der Internetseite des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu finden. Radieschen zählen zu den Schwachzehrern und kommen meist ohne spezielle Düngung aus.

Ernte und Lagerung

Je nach Jahreszeit und Witterung sind Radieschen vier bis zehn Wochen nach der Aussaat erntereif. Wenn die ersten Knollen Kirschgröße erreicht haben, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Warten Gärtner zu lange, wird das Gemüse hohl und holzig. Die Knollen kommen ebenso wie Bundmöhren oder Kohlrabi mit Blättern in den Handel. Grünes und knackiges Laub ist zwar ein Zeichen für frische Ware. Aber die Blätter entziehen der Knolle auch Wasser. Am besten, man entfernt das Grün, wenn Radieschen nach dem Einkauf noch ein bis zwei Tage im Kühlschrank frisch bleiben sollen. Sollten sie trotzdem nicht mehr so knackig aus dem Kühlschrank kommen, wird ein kurzes Wasserbad zum Jungbrunnen für das Gemüse.

Zahlen

Laut Statistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden 2013 auf rund 800 Betrieben 3 327 Hektar Radieschen erwerbsmäßig angebaut. Der Ertrag lag bei 204,4 Doppelzentnern pro Hektar, die Gesamternte bei 68 013 Tonnen. Das Hauptanbaugebiet ist die Vorderpfalz.

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