Fliegenmaden fressen in Gemüseblättern

14.05.2020 Haus & Garten

Kleine Fraßgänge mit großer Wirkung

Im Gemüse kommen zahlreiche Fliegenarten vor, deren Larven (Maden) die Ernte oder Qualität durch kleine Fraßgänge an den verschiedenen Stellen beeinträchtigen. Oft dringen dann noch Fäulniserreger in die Fraßwunden ein, die den Schaden vergrößern. Bis auf die Kohlfliege, deren Larven sowohl an Wurzeln als auch oberirdisch fressen, stellen wir in diesem Beitrag nur solche Schädlinge vor, die die Ernteprodukte direkt schädigen.

Wenn Sellerieblätter vertrocknen

Auf Sellerieblättern erscheinen breite Fraßminen, in deren Folge die betroffenen Blattteile vertrocknen und verbräunen. Bei starkem Befall mit der Selleriefliege Acidia (Euleia, Pilophylla) heraclei führt der Verlust an Blattfläche zu einem verminderten Knollenzuwachs. Der Schädling kommt hauptsächlich an Sellerie, Petersilie und Pastinaken vor, kann aber auch auf anderen breitblättrigen Doldenblütlern auftreten. Oft fällt der Schaden erst im Herbst auf. Dann ist zwar der Einfluss auf den Knollenertrag meist nicht mehr erheblich, aber die Nutzung des Sellerielaubs beeinträchtigt.

Die Anfang Mai schlüpfenden, 5 Millimeter großen Fliegen der ersten Generation legen ihre ovalen, weißen Eier in das Blattgewebe. Die 8 Millimeter großen Maden schlüpfen nach etwa einer Woche und „erzeugen“ durch ihren Fraß ab Mitte Mai die typischen Gang- und Platzminen. Die Larven sind auch in der Lage, in benachbarte Blätter überzuwandern. Sie verpuppen sich im Boden. Anfang Juli schlüpfen die Fliegen der zweiten Generation, deren Larven den Fraß fortsetzen. Die Maden dieser Generation überwintern als Puppen im Boden.

Die Wirtspflanzen des Schädlings sollten regelmäßig kontrolliert und befallene Blätter am besten sofort entfernt und vernichtet werden.

Spinatblätter mit vertrockneten Miniergängen

Auf Spinatblättern sind zwischen Blattober- und unterhaut Miniergänge zu finden, die sich an einigen Stellen auch zu Platzminen verbreitern können. Im Inneren sind gelbliche oder weiße, bis 9 Millimeter große Maden der Rübenfliege Pegomyia hyoscyami (Pegomyia betae) zu finden. Die minierten Blattpartien vertrocknen schließlich und machen die Blätter für die weitere Verwendung unbrauchbar. Die Fliegen überwintern als Puppe im Boden. Im April/Mai erscheinen die etwa 7 Millimeter großen, stubenfliegenähnlichen Rübenfliegen. Sie sind grau gestreift, behaart, haben rote Augen und gelbe Beine. Die weißen, bis 0,8 Millimeter großen Eier werden einzeln oder gruppenweise an die Blattunterseiten abgelegt. Dazu werden Außenblätter bevorzugt.

Im Juni/Juli fliegt die zweite Generation und im August/September ist die dritte Generation des Schädlings unterwegs. So können die Wirtspflanzen vom Frühjahr bis zum Spätherbst befallen werden. Die Rübenfliege findet man auch an anderen Gemüsearten wie Mangold und Roten Rüben oder an Kartoffeln. Auch an den zu den Gänsefußgewächsen gehörenden Unkräutern wie Gänsefuß- und Meldearten minieren die Rübenfliegenmaden.

Vorbeugend ist der Anbau von Spinat, Mangold oder Roten Rüben auf Flächen, auf denen im Vorjahr befallene Gemüsearten oder Unkräuter standen, nicht zu empfehlen. Bei einem geringen Anbauumfang können die befallenen Blätter abgepflückt und vernichtet werden, solange sich die Maden noch darin befinden. Praktischer ist es, den Spinat auf Flächen anzubauen, auf denen die Vorkultur befallsfrei war, und die Beete mit Kulturschutznetzen zu überspannen, um den Zuflug der Rübenfliegen zu verhindern.

Maden fressen auch an Blättern von Kohlgemüse

Der Hauptschaden bei Kohlarten wird an den Wurzeln verursacht. Setzlinge und Jungpflanzen von Kohlgemüse bleiben im Wachstum zurück und beginnen zu welken. Befallene Pflanzen lassen sich leicht aus dem Boden ziehen. Bei älteren Pflanzen, insbesondere von Blumenkohl, werden keine Köpfe gebildet. Die Wurzeln sind von weißen Maden der Kohlfliege Phorbia (Delia) brassicae oft bis zum Wurzelhals zerfressen. Bei befallenen, madigen Radieschen und Rettich sind äußerlich keine Symptome zu finden. Die Madengänge werden erst nach dem Aufschneiden sichtbar.

Der Befall ist ebenfalls eine Gefahr, da hier bereits der Fraß einer Larve den Marktwert des Ernteprodukts erheblich beeinträchtigt. Außer dem Fraß an Wurzeln verschmähen die Maden auch die oberirdischen Pflanzenteile verschiedener Kohlarten nicht. Bei Rosenkohl kann es an den Röschen zu einem Madenfraß kommen, in dessen Folge eine Fäulnis mit erheblichen Verlusten auftritt. Auch in Wirsing- oder Weißkohlköpfen und im Blumenkohl sind im Sommer die Maden beim Fraß zu finden.

Der Schädling hat drei Generationen, wobei die erste die zahlenmäßig größte und gefährlichste für Kohlgemüse ist. Die aus überwinterten Puppen geschlüpften Kohlfliegen fliegen ab Mitte April bis Mitte Mai. Mit der zweiten Generation ist ab Juli und mit der dritten ab Ende August/September zu rechnen. Die Fliegen legen ihre etwa 100 weißen, 1 Millimeter großen Eier einzeln oder in Gruppen von zwei bis zehn Stück an den Wurzelhals oder in der Nähe der Wirtspflanzen ab. Die bis zu 8 Millimeter groß werdenden weißen Larven fressen zunächst die Faser- und später die Hauptwurzeln ab. Die zweite Generation kann an Blumenkohl deutlichen Schaden hervorrufen.

Auf Flächen, auf denen im Vorjahr keine befallenen Wirtspflanzen standen, hat sich zur Abwehr eines Kohlfliegenbefalls der Einsatz von Gemüsefliegen- beziehungsweise Kulturschutznetzen bewährt. Beim Kleinanbau lohnt es sich, die Fläche um den Wurzelhals der Kohlpflanzen mit einem handelsüblichen oder selbst gebauten Kohlkragen zu schützen.

Porree mit Maden

Seit einigen Jahren werden verstärkt Minierschäden im Winterporree beobachtet. Nun kommen an Zwiebelgewächsen zwar verschiedene Minierfliegenarten vor, doch sind die am Winterporree auftretenden Schäden typisch und können der Porree-Minierfliege Napomyza (Phytomyza) gymnostoma zugeordnet werden. Die Pflanzen zeigen im Porreeschaft helle bis bräunliche, von oben nach unten gehende Fraßgänge, die an der Basis auch aufreißen können. Diese Gänge bieten nicht selten Fäulniserregern Eintrittspforten.

Die stubenfliegenähnliche, jedoch kleinere Minierfliege, schlüpft ab Anfang April bis Mai aus überwinterten Puppen. Bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius ist mit einem starken Auftreten zu rechnen. Die Tiere verursachen zunächst auf der Blattoberfläche steppstichähnlich zahlreiche punktartige Einstichstellen, die entweder der Nahrungsaufnahme oder Eiablage dienen. Die jungen Larven bohren sich in die Blätter einzelner Schichten ein und wandern abwärts.

Durch die erste Generation werden vor allem Steckzwiebeln, Schnittlauch und Porree-Jungpflanzen geschädigt. Die Larven verpuppen sich nach zwei bis drei Wochen am Ende des Fraßgangs oder zwischen den Blättern. Nach einer Puppenruhe schlüpft die zweite Generation im August/September. Sie ist die stärker schädigende Generation, besonders beim Winterporree. Die Porree-Minierfliege überwintert als rötlich-braune Puppe im Boden und besonders bei Winterporree auch in der Pflanze.

Zur Bekämpfung ist im Haus- und Kleingarten der Einsatz eines engmaschigen (0,8 x 0,8 Millimeter Maschenweite) Kulturschutznetzes besonders geeignet. Die Netze müssen bis Ende Oktober/Anfang November auf den Beeten liegen bleiben. Befallene Pflanzen sollen vor dem Winter entfernt und vernichtet werden. Auf befallenen Flächen ist es ratsam, im kommenden Jahr kein Zwiebelgemüse anzubauen.