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Schule & Wissen
18.10.2022

Zuckerrübe: eine Gewinnerin des Klimawandels?

Die Zuckerrübe liefert mindestens 85 Prozent des in der EU verbrauchten Haushaltszuckers. Foto: iStock

Menge des Zuckerkonsums entscheidet über Gesundheitswirkungen

Die heimische Zuckerrübe liefert den Großteil des bei uns verzehrten Zuckers. Ideal für ihr Wachstum sind sonniges Wetter und regelmäßiger Regen. Trockenphasen kann sie mit „Schlafen“ überbrücken. Ihr Zucker ist identisch mit dem aus Zuckerrohr.

Wissenswert

Süßes betört seit jeher unseren Geschmackssinn. Eltern und Zahnärzte wissen das sehr genau. Honig hatte lange Zeit eine Monopolstellung. Erst mit den Kreuzrittern im 11. Jahrhundert und Kolumbus im 15. Jahrhundert kam der erste aus Zuckerrohr gewonnener Zucker nach Mitteleuropa. Lange Zeit war das kostbare Gut den Reichen vorbehalten. 1747 entdeckte Andreas Sigismund Markgraf, dass die Runkelrübe ebenfalls Zucker enthält. Durch erste Züchtungen konnte der Gehalt von 1,6 auf 5 Prozent erhöht werden, sodass eine rentable Zuckergewinnung möglich wurde. Die Kontinentalsperre Napoleons von 1806 bis 1814 verhinderte die Rohrzuckereinfuhr, was der heimischen Zuckerrübe einen weiteren Aufschwung bescherte.

Bis heute konnten Züchter den Zuckergehalt auf 16 bis 20 Prozent steigern. Die Erträge wachsen jedes Jahr im Mittel um 1 Prozent. In der EU werden mindestens 85 Prozent des Bedarfs aus in den Mitgliedsländern angebauten Zuckerrüben gedeckt. Weltweit hat aber Zuckerrohr mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent die Nase vorn.

Sie kann längere Trockenphasen überbrücken, in dem sie ihr Wachstum vorübergehend einstellt. Die Blätter vertrocknen, aber beim nächsten ergiebigen Regen treibt sie wieder aus. Im Gegensatz dazu reifen andere Kulturpflanzen vorzeitig ab – ein Prozess, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Deshalb kommt die Zuckerrübe mit Trockenphasen als Folge des Klimawandels vergleichsweise gut zurecht.

Zuckerrübe und Zuckerrohr liefern chemisch identischen Zucker. Saccharose, sogenannter Haushaltszucker, besteht aus jeweils einem Molekül Traubenzucker (Glukose) und einem Molekül Fruchtzucker (Fructose). Raffinierter weißer Zucker ist reine Saccharose. Brauner Zucker enthält karamellartige Sirupe oder andere Bestandteile der Zuckerrübe. Im Vollzucker sind die Melasse und damit auch die Mineralstoffe des Zuckerrübensaftes enthalten.

Diese Begleitstoffe machen den Vollzucker aber noch nicht zu einem ernährungsphysiologisch wertvollen Nahrungsmittel. Beim Zuckerverzehr gilt es, ähnlich wie bei Fett und Salz, das richtige Maß einzuhalten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) raten, nicht mehr als 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr als freien Zucker aufzunehmen. Das ist Zucker, der zum Beispiel Fruchtjoghurts oder Limonaden zugesetzt wird. Bei einem Tagesbedarf einer 25- bis 50-jährigen Frau von 7950 KJ sind das knapp 50 Gramm. 200 Gramm Fruchtjoghurt enthalten bereits 26 Gramm.

Herkunft und Ansprüche

Die Zuckerrübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris) stammt ursprünglich von der Gemeinen Rübe ab. Sie ist die Hauptzuckerpflanze in der gemäßigten Klimazone. In Europa wird sie von Finnland bis zu den Mittelmeerländern angebaut. Außerdem ist sie in Nordamerika, Nordafrika und einigen asiatischen Ländern anzutreffen. Sie benötigt während des Wachstums reichlich Sonne, Temperaturen von 20 bis 25 Grad Celsius und regelmäßige Niederschläge. Der Anbau ist in Finnland möglich, weil die langen Sommertage mit den vielen Sonnenscheinstunden die kurze Vegetationszeit kompensieren. Sie wirken wie ein Turbo auf die Entwicklung der Pflanzen.

Anbau

Die Aussaat erfolgt in Mitteleuropa üblicherweise ab Mitte März, sobald die Böden ausreichend abgetrocknet sind. Mit speziellen Einzelkornsägeräten werden die pillierten Samen mit einem Abstand von 22 Zentimetern in der Reihe und 45 oder 50 Zentimetern zwischen den Reihen abgelegt. Die zweijährige Pflanze bildet im ersten Jahr einen weißen Wurzelkörper, in dem der Zucker als Reservestoff eingelagert wird. Blieben die Rüben im Herbst im Boden, würden sich im Folgejahr aus den Rübenkörpern ein 1 bis 2 Meter langer Stängel mit Samen entwickeln.

Pflanzenschutz und Düngung

Weil Zuckerrüben nach dem Auflaufen bis zum Reihenschluss relativ konkurrenzschwach sind, muss das Unkraut rechtzeitig durch gezielten Herbizideinsatz oder Hacken ausgeschaltet werden. Schwierigkeiten machen auch Blattläuse, die den gefährlichen Gelbmosaikvirus übertragen können. Hier helfen nur Flächenspritzungen, weil die ebenfalls wirksame Beizung des Saatguts nur noch in Notfällen zugelassen ist. Blattkrankheiten wie Cercospora, Mehltau und Rost treten jedes Jahr auf und müssen ebenso bekämpft werden, um die Erträge zu sichern.

Ernte und Lagerung

Die Ernte beginnt im Normalfall Ende September und reicht bis in den Dezember. Solange im Herbst noch Tagesmitteltemperaturen über 5 Grad Celsius herrschen, wachsen die Rüben weiter. Deswegen wäre ein Erntetermin im Winter im Hinblick auf den Ertrag eigentlich optimal. Die schweren Erntemaschinen sind aber auf eine gute Befahrbahrkeit des Bodens angewiesen, die erfahrungsgemäß zum Ende des Jahres hin immer unsicherer wird.

Zahlen

Im Jahr 2021 bauten 24 000 Landwirte in Deutschland rund 355 000 Hektar (zum Vergleich Weizen als größte Kultur: 2 870 800 Hektar; Zahlen: destatis) an. Der Zuckerertrag bestätigte den Aufwärtstrend der letzten Jahre und lag bei rund 8 Tonnen pro Hektar nach 3 bis 4 Tonnen in den 1950er Jahren. Europa produzierte 2019 31,8, Nord- und Mittelamerika 21,1, Südamerika 43,1, Asien 62,4, Afrika 12,8 und Ozeanien 4,8 Millionen Tonnen Zucker. Zahlen: www.zuckerverbaende.de).

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