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Umwelt & Verbraucher
04.01.2022

Warum Zuckerrüben im Winter am Feldrand liegen

Die Kosten für die Abdeckung von Rübenmieten mit Vlies rechnen sich bei Langzeitlagerungen. Rüben für Zuckerfabriken lagern bis in den Januar am Feldrand, Rüben für Biogasanlagen sogar bis März. Foto: Matthias Wiedenau

Rüben mögen es kühl – aber Vorsicht bei Frost

Aufmerksamen Beobachtern fallen in Ackerbaugebieten besonders im Dezember und Januar Rübenmieten auf, die über mehrere Wochen am Feldrand liegen. Dabei veratmen die Zuckerrüben jeden Tag einen kleinen Teil des eingelagerten Zuckers. Warum nehmen die Landwirte diese Verluste in Kauf?

Kurzzeit- und Langzeitlagerung

Zuckerrüben werden über die gesamte Erntesaison im Herbst nach dem Roden in Mieten am Feldrand zwischengelagert, bevor sie nach einem detaillierten Lieferplan zur Verarbeitung in die Zuckerfabrik transportiert werden. Zu Beginn der Ernte liegen die Mieten meistens nur etwa eine Woche auf den Äckern. Der Rodezeitpunkt wird mit Absicht nicht „Just in Time“ gewählt, um bei unsicherem Wetter und damit verbundenen Ernteverzögerungen trotzdem rechtzeitig liefern zu können. Andererseits trocknen die Rüben nach einigen Tagen in der Miete ab, sodass sich die anhaftende Erde in der sogenannten Rübenmaus vor der Verladung gut abreinigen lässt. Die Maschine nimmt die Rüben aus der Miete auf, reinigt sie und lädt sie anschließend auf den bereitstehenden LKW.

Erntezeit nicht deckungsgleich mit Verarbeitungszeit

Ab November liegen die Zuckerrüben oft über sechs und mehr Wochen in der Feldflur. Das liegt daran, dass die günstigste Erntezeit spätestens im November endet, die Verarbeitung in der Zuckerfabrik aber bis zum Jahresende und oft auch noch bis in den Januar andauert. Dabei geht es den Zuckerunternehmen darum, ihre Fabriken über einen möglichst langen Zeitraum auszulasten. Eine Fabrik, die nur 60 Tage im Jahr arbeitet, ist nicht so wirtschaftlich zu betreiben wie eine, die 100 und mehr Tage produziert.

Die letzten Rüben werden überwiegend im November gerodet, weil viele Landwirte nach den Zuckerrüben noch Winterweizen als Folgekultur auf den Flächen einsäen. Spätere Saattermine sind im Mittel der Jahre mit Ertragseinbußen verbunden. Wer auf der Fläche erst im nächsten Frühjahr Sommerweizen oder Mais einsäen möchte, könnte theoretisch mit der Ernte bis kurz vor der Abfuhr warten. Doch je weiter es in den Winter hineingeht, desto größer ist das Wetterrisiko. Schnell ist so viel Niederschlag gefallen, dass die Felder mit den schweren Rodern über mehrere Wochen nicht mehr befahren werden können. Sie würden tiefe Spuren und damit schädliche Bodenverdichtungen hinterlassen.

Zuckerverluste möglichst niedrig halten

Deshalb roden die Landwirte ihre Rüben frühzeitig und nehmen lieber Zuckerverluste während der Lagerzeit in Kauf. Diese liegen unter günstigen Voraussetzungen bei etwa 100 Gramm pro Tonne gelagerter Rüben und Tag. Die geringfügige Menge wird durch die enzymatisch bedingte Grundveratmung der Rüben verursacht. Die Höhe der Veratmung ist wie alle biologischen Prozesse von der Temperatur abhängig. Kühlschrank-Temperaturen halten sie niedrig, Frühlings-Temperaturen kurbeln sie kräftig an. An den Tagen direkt nach der Rodung liegt der Wert mit bis zu 250 Gramm deutlich über der Grundveratmung. In dieser Phase erfolgt die Wundheilung der verletzten Stellen, die viel Energie benötigt. Die Verluste steigen ebenfalls an, wenn die Rüben mit Bakterien, Schimmel oder Fäulen befallen sind.

Landwirte beugen deswegen diesen Ursachen vor. Sie versuchen, ihre Rüben während des Wachstums gesund zu erhalten. Bei der Ernte sollte auf trockene Bedingungen und verletzungsfreies Roden und Lagern geachtet werden. Dabei profitieren die Rübenanbauer von Fortschritten in der Rodetechnik. Bis vor einigen Jahren wurden die Zuckerrüben überwiegend unmittelbar unter dem Blattansatz mit einem Messer geköpft, um Rübenkörper von Blättern zu trennen. Es entstand eine große Verletzung an der Rübe, die Wundheilung erforderte einen hohen Energieaufwand. Heute haben sich Entblätterungsverfahren durchgesetzt. Rotierende Gummiklöppel schlagen die Blätter ab, sodass sich die Verletzungen auf das notwendige Maß reduzieren lassen. Das Abladeband des Roders kann außerdem tief abgesenkt werden, damit die Fallhöhe der Rüben zum Boden gering ist und weniger Knollenbrüche entstehen.

Vlies wärmt bei Frost

Mit der Langzeitlagerung bekommen Landwirte zwar das Wetterrisiko zur Ernte in den Griff, doch sie müssen während der Lagerung immer den Wetterbericht im Blick behalten. Sinken die Temperaturen nämlich auf etwa minus 5 Grad Celsius und tiefer, platzen die mit dem natürlichen Frostschutz Zucker versehenen Pflanzenzellen. Fäulen sind die Folge. Treten diese in größerem Umfang auf, machen sie eine Verarbeitung unmöglich. Aber auch für dieses Risiko gibt es eine vorbeugende Maßnahme. Wenn der Wetterbericht stärkere Nachtfröste vorhersagt, decken Landwirte ihre Mieten mit einem wiederverwendbaren Vlies aus Polypropylenfasern ab. Dieses wirkt zumindest wie eine dünne Jacke und hält einen Teil der durch die Veratmung entstehenden Wärme in der Miete.

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