Zitronen: Sauer und gesund?

18.02.2021 Schule & Wissen

Früchte kommen überwiegend aus Spanien nach Deutschland

Die kühlere Jahreshälfte ist Erkältungszeit. Dann rückt die saure Zitrusfrucht in den Fokus. Viele schwören nämlich auf eine heiße Zitrone als Gegenmittel. Auch wenn sie lauwarm besser wäre. Wer einen grünen Daumen hat, kann selbst in Mitteleuropa ein Bäumchen mit eigenen Früchten kultivieren.

Wissenswert

Die Zitrone ist die Symbolfrucht für einen Vitamin C-reichen Gesundmacher. Das Vitamin stimuliert vor allem das Immunsystem. Mit rund 51 Milligramm liefern 100 Gramm der Frucht etwa die Hälfte des Tagesbedarfs. Besonders beliebt ist eine heiße Zitrone bei Erkältungskrankheiten. Die besteht aus dem Saft einer Zitrone, einem Löffel Honig und heißem Wasser. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Vitamin C hitzeempfindlich ist – lauwarmes Wasser wäre also besser. Zudem hilft das Vitamin C nicht während der Erkältung, sondern sollte vorbeugend eingenommen werden.

Obwohl rote Gemüsepaprika mit etwa 140 oder Schwarze Johannisbeeren mit 177 Milligramm deutlich mehr zu bieten haben, hält sich das Image der Zitrone hartnäckig. Das liegt auch daran, dass ihr Verzehr in der Seefahrt lange Zeit erfolgreich gegen die Mangelkrankheit Skorbut vorbeugte. Ab Ende des 18. Jahrhunderts war die tägliche Unze Zitronensaft Pflicht in der britischen Flotte. Später wurden die preiswerteren Limetten aus den eigenen Kolonien verordnet, allerdings ist ihr Vitamin C-Gehalt nur halb so hoch.

Die heutige Zitrone geht aus einer Kreuzung von Zitronatzitrone und Bitterorange hervor. Nach der botanischen Namensgebung (Citrus limon) wäre die Bezeichnung Limone folgerichtig, die sich in vielen Sprachen, zum Beispiel im Englischen oder Italienischen, wiederfindet. Der Ort Limone am Gardasee verdankt seinen Namen der gelben Frucht, die dort heranwächst. Zitronen sind knapp faustgroß und ähnlich wie andere Zitrusfrüchte aufgebaut. Eine Schale aus einer farbigen und einer dickeren weißen Schicht umschließt das saftige Fruchtfleisch, das in mehrere Segmente gegliedert ist.

Zitronatzitronen bestehen hingegen fast nur aus Schale, die anders als bei der Zitrone sehr ungleichmäßig und runzelig ist. Sie wird überwiegend zu Zitronat, Marmelade oder Likör verarbeitet. Schale und Saft der Zitrone können zum Würzen und Verfeinern von Speisen genutzt werden. Fisch, Fleisch, süße Cremes, Saucen oder Gebäck sind nur einige Beispiele. Ein Schuss Zitronensaft macht selbst Leitungswasser zu einem erfrischenden Geschmackserlebnis. Zitronensaft im Obstsalat verzögert das Braunwerden. Wer nicht gleich den Saft einer ganzen Zitrone benötigt, kann sie einstechen und die gewünschte Saftmenge herauspressen.

Die Schale enthält wertvolles ätherisches Öl, das desinfizierend und fiebersenkend wirkt. Mit Alkohol extrahiert wird daraus unter anderem Limoncello-Likör. Der weiße Teil der Schale, auch als Albedo bezeichnet, ist für unsere Gesundheit aufgrund der Flavonoide interessant. Sie zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen, die die Zellenalterung verlangsamen und das Krebsrisiko vermindern sollen.

Herkunft und Ansprüche

Die Heimat der Zitrone (Citrus limon) befindet sich in Indien. Schon 500 v. Chr. war sie in China bekannt. Zwischen 1000 und 1200 kam sie mit den Arabern nach Südeuropa. Die Pflanze mag ganzjährig warme und gut mit Wasser versorgte Standorte.

Anbau

Im kommerziellen Anbau wachsen die 3 bis 6 Meter hohen, immergrünen Bäume in Plantagen. Sie lassen sich aber auch als Bäumchen in Kübeln kultivieren und sind damit zum Klassiker auf heimischen Terrassen oder Balkons geworden. Ideal ist ein sonniger und windgeschützter Standort. Wichtig ist das rechtzeitige Umtopfen spätestens alle zwei bis drei Jahre. Mit einem regelmäßigen Schnitt bringt man das Bäumchen in die gewünschte Form. Vor dem ersten Frost muss die Pflanze ins Winterquartier. Ist das mit 3 bis 13 Grad Celsius recht kühl, darf es nur schwach belichtet sein. Ansonsten wirft sie ihre Blätter ab.

Pflanzenschutz und Düngung

Im Winterquartier muss auf Schildläuse und Spinnmilben geachtet werden. Ab Mai können Blattläuse die Bäumchen befallen. Bei Calcium- oder Eisenmangel drohen Blattchlorosen. Das Zitrusgewächs benötigt relativ viel Stickstoff, aber wenig Phosphor. Um ihre Pflanzen optimal versorgen zu können, lassen Erwerbsanbauer regelmäßig Blätter und Boden analysieren. Für den Hobbyanbauer gibt es spezielle Zitrusdünger im Fachhandel.

Ernte und Lagerung

Besonders in tropischen Regionen blüht und fruchtet die Zitrone das ganze Jahr. Hauptblütezeit für Kübelpflanzen in nördlichen Breiten ist das Frühjahr, reife Zitronen hängen ab dem Spätherbst an den Ästen. Mit Ausnahme der Früchte, die sofort zu Saft verarbeitet werden, erfolgt die Zitronen-Ernte auch im kommerziellen Anbau von Hand. Mit einer Wachsbehandlung bleibt das Aroma und die Saftigkeit länger erhalten. Konservierungsstoffe verlängern die Zeit bis zum Verderb. Die so behandelten Schalen sind allerdings ungeeignet für den Verzehr. Bei 10 bis 15 Grad Celsius halten sich Zitronen vier bis acht Wochen.

Zahlen

Weltweit wurden 2019 rund 20,1 Millionen Tonnen Zitronen (Orangen: 78,7 Millionen Tonnen) produziert. Indien, Mexiko und China nehmen mit 3,48, 2,70 und 2,67 Millionen Tonnen die Plätze 1 bis 3 ein. Als größter europäischer Erzeuger folgt Spanien auf Platz 7 mit 0,89 Millionen Tonnen (Zahlen: FAO). Die nach Deutschland importierten Zitronen stammen überwiegend aus Spanien und Italien.