Die Gartenbohne ist "Giftpflanze des Jahres 2026"
Die violette Stangenbohne ist eine Vertreterin der Gartenbohnen.
Die Gartenbohne ist "Giftpflanze des Jahres 2026"
Bei richtigem Umgang ein wertvolles Lebensmittel
Mit 30 Prozent der Stimmen landete die Gartenbohne bei der Wahl zur „Giftpflanze des Jahres“ des Botanischen Sondergartens Wandsbek am 15. Dezember 2025 auf Platz 1. Damit steht erneut eine Nahrungspflanze ganz oben auf dem Siegertreppchen und lädt zur kritischen Auseinandersetzung mit giftigen Pflanzen ein.
516 der 1722 gültigen Stimmen vereinte die Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) auf sich.Dass viele Menschen erst gar nicht glauben können, dass die wertvollen Hülsenfrüchte stark giftig sind, erlebte das Team des Sondergartens in Gesprächen mit Besuchern. Tatsächlich droht beim Verzehr der Bohnen auch keine Gefahr – vorausgesetzt, sie werden nicht roh oder unzureichend gegart gegessen.
Bohnen nur gekocht genießen
Zu den Gartenbohnen gehören neben grünen Busch- und Stangenbohnen beispielsweise auch Kidneybohnen sowie Weiße und Schwarze Bohnen. Das giftige Lektin Phasin enthalten sie, um Fraßfeinde abzuwehren. Wie gesundheitsschädlich die Aufnahme von Phasin für Menschen sein kann, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erst kürzlich im Auftrag der Europäischen Kommission untersucht. Anlass waren vermehrt beobachtete Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall, die mit dem Verzehr von rohen oder nicht ausreichend gekochten Hülsenfrüchten zusammenhingen. Daher modellierte die EFSA ein sogenanntes „Worst-Case-Szenario“, um vorherzusagen was passiert, wenn Menschen Bohnen essen, die nicht ausreichend gekocht wurden.
„Wir haben ein Szenario der akuten Exposition entwickelt, bei dem die Bohnen nicht ausreichend gekocht wurden und die Hälfte der Lektine nach wie vor in ihrer aktiven Form vorhanden ist. In unserer Bewertung kommen wir zu dem Schluss, dass dieses Szenario ein gesundheitliches Problem für alle Altersgruppen darstellt“, erklärte Dr. Helle Knutsen, Vorsitzende des Gremiums für Kontaminanten in der Lebensmittelkette. So dramatisch sich das auch anhört, so einfach ist es, die Hülsenfrüchte ohne Bedenken genießen zu können: „Verbraucherinnen und Verbraucher können Lebensmittel (jedoch) so zubereiten, dass Lektine nicht mehr aktiv sind. Durch ausreichendes Einweichen und Kochen der Bohnen werden potenzielle Gesundheitsrisiken vermieden“, so Knutsen weiter.
Bohnen richtig zubereiten
Laut EFSA ist es bei getrockneten Bohnen am wirksamsten, sie sechs bis zwölf Stunden lang in Wasser einzuweichen und dann mindestens eine halbe Stunde lang bei 100 Grad Celsius in frischem Wasser zu kochen. Wie lange dies im Einzelfall ist, hängt von der jeweiligen Sorte ab. Auf jeden Fall sollten die Hülsenfrüchte so lange gekocht werden, bis sie weich sind. Bei frischen grünen Bohnen ist die Kochzeit kürzer, sollte jedoch zehn Minuten nicht unterschreiten. Besser sind zwölf bis 15 Minuten, sodass das Gemüse nicht mehr knackig ist. Andere Zubereitungsmethoden wie Dämpfen, Garen in der Mikrowelle und Braten sind weniger effektiv. In allen Fällen gilt: Das Kochwasser nicht weiterverwenden, sondern wegschütten, da die Lektine darin übergehen.
Wertvolle Hülsenfrüchte
Ziel der jährlichen Wahl der Giftpflanze des Jahres ist, Menschen zur kritischen Auseinandersetzung mit giftigen Gewächsen anzuregen. Gerade im Bereich der Nahrungspflanzen gibt es aber keinen Grund, diese aus Gärten und vom Speiseplan zu verbannen. Denn beim richtigen Umgang mit ihnen bieten sie mehr Vor- als Nachteile. Dies gilt besonders für Hülsenfrüchte wie Bohnen: Sie liefern jede Menge Eiweiß und sind damit optimal für eine pflanzenbetonte, nachhaltige Ernährung. Aber auch auf dem Acker haben Bohnen und Co. ein großes Potenzial, um das Klima und die Umwelt zu schützen. Denn mit den Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln können sieStickstoff aus der Luft binden und im Boden anreichern. Als Vorkulturen angebaut, zum Beispiel vor Getreide, erhöhen sie nicht nur die Bodenfruchtbarkeit, sondern auch die Artenvielfalt.
Mehr Informationen zur Giftpflanze des Jahres 2026, unter anderem auch bekannte Sprichwörter und Redewendungen rund um die Bohne und ihre Bedeutungen, wie zum Beispiel „Das interessiert mich nicht die Bohne“, sowie die Ankündigung des „Phasoleum – Die Bohnenschau der beSONDERen Art!“ finden Sie auf der Webseite des Botanischen Sondergartens Wandsbek.
Jetzt Vorschläge für die Giftpflanze 2027 einreichen
Jetzt können alle Interessierten Kandidatenvorschläge für die Wahl zur „Giftpflanze des Jahres 2027“ einreichen. Einfach im Online-Formular für die fünf Kategorien – Ein- oder zweijährige Pflanzen, Gehölze, Stauden, Zimmer- und Kübelpflanzen sowie Nahrungspflanzen – jeweils eine Pflanze nominieren: https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/bezirke/wandsbek/themen/umwelt-natur-und-klimaschutz/botanischer-sondergarten/giftpflanze-des-jahres/gdj-kandidaten-vorschlag-82430.
Unter dem Formular gibt es eine Liste als Entscheidungshilfe zum Herunterladen. Daneben können aber auch Giftpflanzen vorgeschlagen werden, die nicht darin aufgeführt sind.
Die Wahl der „Giftpflanze des Jahres“ 2027 beginnt am 1. Juni 2026 und endet am 15. Dezember 2026.
Das waren die Gewinner der letzten Jahre:
2025: Der Cashewbaum
2024: Der Blauregen
2023: Die Petersilie
2022: Die Kartoffel
2021: Der Schlafmohn
2020: Die Tollkirsche
2019: Der Aronstab
2018: Der Rizinus
2017: Das Tränende Herz
2016: Kalifornischer Mohn