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Haus & Garten
24.02.2022

Blackbox-Gardening

Beim Blackbox-Gardening sind Gärtner eher Beobachter als Gestalter. Foto: iStock

Der Gärtner denkt, die Pflanze lenkt

Dem Blackbox-Gardening liegt eine ganz besondere Philosophie zugrunde: Der Garten wird als ein System angesehen, das sich selbst organisiert. Der Gärtner plant zu Beginn entsprechend, ist aber ansonsten größtenteils Beobachter.

Das Blackbox-Modell stammt aus der Systemtheorie. Die „Black Box“ wird dort verwendet, um einen Beobachtungsgegenstand weniger komplex zu machen. Indem das Innere, selbst wenn bekannt, ausgeblendet wird, wird nur das betrachtet, was in die Blackbox hineingegeben wird und was am anderen Ende herauskommt. Entsprechend wird beim Blackbox-Gardening gepflanzt und gesät – und dann abgewartet, was passiert.

Das Prinzip des Blackbox-Gardenings

Blackbox-Gardening fußt auf bekannten Prinzipien des naturnahen Gärtnerns. Der Begriff wurde jedoch durch das im Jahr 2014 veröffentlichte Buch „Blackbox-Gardening“ von Jonas Reif und Christian Kreß geprägt und einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Der mit dem Deutschen Gartenbuchpreis ausgezeichnete Ratgeber stellt Pflanzen in den Mittelpunkt, die sich generativ, also über Samen, vermehren. So lautet auch der Untertitel „Mit versamenden Pflanzen Gärten gestalten“. Entweder pflanzt man zu Beginn versamende Pflanzen als Topfware, deren Samen sich dann verbreiten, oder man verwendet von Anfang an Saatgut. Während bei der üblichen Gartenplanung mehr oder weniger strenge Pflanzpläne befolgt werden, bestimmt beim Blackbox-Gardening größtenteils die Natur. Natürlich ist es dem Gärtner selbst überlassen, inwieweit er regulierend eingreifen möchte.

Einen Blackbox-Garten planen

Blackbox-Gardening ist optimal für Flächen geeignet, bei denen wenig Pflegeaufwand möglich oder gewünscht ist. Dies bedeutet aber nicht, dass der Start völlig ungeplant erfolgt. Wie bei jeder anderen Gartengestaltung auch, sollten zuerst die Standorte analysiert werden. Je nach Boden und Lichtverhältnissen sollten dann passendes Saatgut und Initialpflanzen zum Einsatz kommen. Einjährige Sommerblumen sind dabei ebenso gut geeignet wie Stauden und kleine Gehölze. Gerne genutzt werden zum Beispiel die Akelei, Wiesen-Storchschnabel, Stockrosen, Sonnenhut, Ringel- oder Glockenblumen, Verbene, Schafgarbe, Steintäschel, Alpenveilchen oder Wegwarte. Auch Meerkohl, Kugeldisteln oder Schnittlauch sind, je nach Standort, bestens geeignet. In vielen Gärtnereien gibt es mittlerweile sogar spezielle Einsteiger-Pakete für das Blackbox-Gardening, die auf verschiedene Standortbedingungen angepasst sind. Außerdem eignen sich auch Saatgutmischungen für Blumenwiesen oder sogenannte Insektenweiden, die meist sowohl Sommerblumen als auch niedrigwachsende Stauden enthalten.

Startschuss für den Blackbox-Garten

Nachdem der Boden vorbereitet wurde, werden Samen und Pflanzen an verschiedenen Stellen im Garten verteilt. So stellt sich im Laufe der Zeit heraus, wo diese sich am wohlsten fühlen. Nun heißt es abwarten und beobachten. Wer schnell Erfolge sehen möchte, sollte sich am besten auf schnell wachsende Pflanzen konzentrieren. Beikräuter können bleiben, solange sie das Wachstum der gesäten Pflanzen nicht behindern und das Aussehen gefällt. Sollen nur die gesäten Pflanzen sprießen, empfehlen sich Pflanzschilder, um die genauen Stellen zu markieren und Unerwünschtes zu identifizieren. Jahr für Jahr wird der Blackbox-Garten nun üppiger und ändert sein Gesicht, je nachdem, an welchen Stellen sich die Pflanzen weiter ausbreiten. Dies lässt sich natürlich durch gärtnerisches Eingreifen steuern, indem Arten beispielsweise ausgedünnt oder umgesetzt werden. Wie der Garten Great Dixter in England zeigt, können mit Blackbox-Gardening auch Blumenrabatten entstehen, die wie perfekt geplant aussehen. In diesem Fall sind viel Gärtnerwissen und Fingerspitzengefühl nötig, zudem auch etwas mehr Mühe.

Vorteile des Blackbox-Gardening

Sofern ein bisschen Unordnung im Garten toleriert wird, ist Blackbox-Gardening ein einfach umzusetzendes Konzept für den naturnahen Garten. Wird zudem überwiegend auf Saatgut gesetzt, sind die Kosten auch bei großen Flächen sehr überschaubar. Weil die Pflanzen sich selbst dort ansiedeln, wo sie am besten gedeihen, sind Vorkenntnisse beim Gärtnern nicht notwendig. Dafür werden Blackbox-Gärtner immer wieder von der Natur überrascht. Dies gilt auch für heimische Pflanzen, die sich natürlicherweise ansiedeln, sofern sie nicht entfernt werden. Darüber freuen sich auch die Insekten. An ihrem idealen Standort wachsen Pflanzen natürlich besonders gut und bleiben eher gesund, sodass wenig bis gar keine Pflege nötig ist. Für ungeduldige Menschen, die nicht warten möchten, bis sich der Garten über die Jahre üppig entwickelt, bietet es sich an, nur in bestimmten Bereichen auf Blackbox-Gardening zu setzen und den Rest des Gartens gezielter zu gestalten. Dies ist auch eine gute Strategie, um das Blackbox-Gärtnern einfach mal auszuprobieren.

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