Elowan und das Licht

16.04.2019 Forschung & Technik

Cyborg-Pflanze steuert Bewegungsroboter

Herkömmlich versteht man ja unter einem Cyborg einen Menschen, der sich technische Bauteile mit Sensoren hat einpflanzen lassen, um etwa „Farben hören zu können“ wie der bekannte Cyborg-Künstler Neil Harbisson. Doch jetzt gibt es auch eine Cyborg-Pflanze: Das Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat mit „Elowan“ eine Pflanze entwickelt, die per Roboterantrieb dem Licht entgegenfährt.

Cyborgs sind Menschen, die ihren Körper dauerhaft mit künstlichen Bauteilen als Implantat versehen, zum Beispiel um Sinneseindrücke empfinden zu können, die der Mensch sonst nicht empfinden kann. Der Begriff leitet sich aus dem Englischen ab und ist ein Akronym aus den beiden Wörtern Cybernetic organism. Am Media Lab des Massachusetts Institute of Technology haben Forscher einen pflanzlichen Cyborg entwickelt. Bei ihrem Projekt Elowan steuert die Pflanze einen Roboter.

Pflanze bewegt sich auf das Licht zu

Dabei erfassen Elektroden im Boden, an den Stängeln und an den Blättern die elektrischen Ströme zwischen dem Gewebe und den Organen einer Topfpflanze. „Pflanzen sind elektrisch aktive Systeme“, erläutert Projektleiter Harpeet Sareen. „Elektrische Signale werden erzeugt in Reaktion auf Veränderungen in der Umwelt, etwa bei Licht, Schwerkraft oder Temperatur, bei Berührungen oder Verletzungen“. In einer ersten Konfiguration haben die Forscher Elowan so programmiert, dass die Pflanze auf Licht reagiert: Die Signale im pflanzlichen Nervensystem werden in Motorbefehle eines Roboters umgesetzt, auf dem der Blumentopf steht, sodass sich die Pflanze auf die Lichtquelle zubewegen kann.

Bald als Experimentierkasten erhältlich

Mit Elowan wollen die Forscher zeigen, was eine erweiterte Natur alles kann. Vielleicht können zukünftige Pflanzen einmal auch ihre Ernährung, ihr Wachstum oder die Verteidigung gegen Schädlinge selbst steuern. Ein weiterer Aspekt sei die Nutzung des pflanzlichen Nervensystems in elektronischen Geräten. „Unsere Vorstellung von Schnittstellen oder interaktiven Systemen ist immer noch von der industriellen Denkweise geprägt, wonach alles von Grund auf künstlich geschaffen werden müsste“, sagt Sareen. „Aber wenn die Natur Fähigkeiten wie Wahrnehmung oder Reaktion auf bestimmte Reize bereits hat, warum sollten wir sie dann nicht nutzen“? Elowan soll als Experimentierkasten auf den Markt kommen und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Quelle: heise.de