Die fleischfressende Venusfliegenfalle

29.04.2021 Forschung & Technik

Heute schon genügend Fliegen gehabt?

3-2-1. Deins. So hieß einmal ein Werbespruch. Die fleischfressende Venusfliegenfalle macht es genau andersrum: Sie zählt eins, zwei, drei und weiter bis fünf. Dann nämlich hat sie genügend Beute gemacht und macht sich erst einmal ans Verdauen, bevor es später wieder auf die Jagd nach Insekten geht.

Insekten hat die Venusfliegenfalle Dionaea muscipula zum Fressen gern. Und sie kann sogar zählen, wie viele sie schon erlegt hat. Wenn ein Insekt in ihre Schnappfalle gelangt, schnappt diese zu. Anschließend verdaut die Pflanze ihre Beute genüsslich. Kann die Pflanze rechnen? Auf Pflanzenart ja: Die Schnappfallen sind mit berührungsempfindlichen Sinneshaaren ausgestattet. Nur wenn diese innerhalb von 30 Sekunden zwei Mal eine Berührung melden, dient das als Nachweis für ein Beutetier und die Falle schnappt zu. So spart die Pflanze wertvolle Energie, da sie nicht „bei jedem Windhauch“ reagiert. Interessant dabei ist, dass die Pflanze sogar bis fünf zählen kann. Bei zwei oder mehr Reizen wird das Berührungshormon Jasmonat ausgeschieden. Ab fünf Signalen werden dann Verdauungsenzyme und Transportproteine produziert und in das Innere der Falle ausgeschieden.

Wie „zählt“ die Pflanze?

Und wie wird nun der Berührungsimpuls in pflanzenverständliche Kommunikation übersetzt? Wenn ein Beutetier die Sinneshaare berührt, dann wird ein Aktionspotenzial ausgelöst. Diese elektrische Information wird in eine chemische Calciumwelle durch eine schlagartige Erhöhung des Calciumspiegels in den Zellen umgewandelt. Beim ersten Berühren ist diese Calciumwelle noch nicht hoch genug. Erst wenn unmittelbar danach innerhalb von 30 Sekunden ein zweiter Berührungsreiz erfolgt, reicht der Calciumspiegel aus, um die Falle zuschnappen zu lassen. Ein wahrhaft cleverer Mechanismus der Natur. Mit dieser „Calciumuhr“ kann die Pflanze bis auf fünf Reize genau zählen. Es ist aber noch nicht geklärt, ob bei dieser Verdauungsregulation auch noch andere Mechanismen im Spiel sind.

Quelle: pflanzenforschung.de