Wüstenpflanze Welwitschie

01.12.2020 Schule & Wissen

Optimal an harte Bedingungen angepasst

Welche Pflanze gibt es männlich und weiblich, ist 1500 Jahre alt und kommt in der Wüste Namib in der Nähe von Swakobmund vor? Würde eine Frage in einem Quiz so lauten, wüssten wohl nur die wenigsten Menschen die Antwort. Es ist die Welwitschie. Die Wüstenpflanze kommt unter anderem im Wappen Namibias vor, dessen Nationalpflanze sie ist. Sie ist äußert angepasst an die widrigen Lebensumstände, wie sie in der Wüste herrschen.

Hoch spezialisiert, so könnte man die Anpassung der Welwitschie (Welwitschia mirabilis) an die harten Bedingungen der in Namibia und Süd-Angola liegenden Namib-Wüste am besten beschreiben. Entdeckt hat die Pflanze der österreichische Arzt und Botaniker Friedrich Welwitsch 1859 auf einer Reise durch Angola. Von ihm hat sie daher auch ihren deutschen Namen bekommen. Bei den Einheimischen wurde sie Tumboa oder n'tumbo genannt, was „Stumpf“ bedeutet. Das Hirtenvolk der Herero nennt sie übersetzt übrigens „Wüstenzwiebel“, da früher die Menschen ihr Mark roh oder gebraten gegessen haben. Zu ihren tierischen Liebhabern gehören Oryx-Antilopen, Nashörner oder Zebras, auch sie haben die Pflanze zum Fressen gern.

Riesen-Welwitschie bei Swakopmund 1500 Jahre alt

Das Besondere an der Welwitschie ist: Sie besitzt nur ein einziges Blattpaar. Wie kann die Pflanze so mehrere hundert Jahre alt werden, fragt man sich. „Zwei-Blatt-kann-nicht-sterben“ lautet daher auch ihr Name auf Afrikaans. Nach herkömmlichem Maßstab ist die Welwitschie nicht gerade schön, oft sieht sie eher aus, wie wenn die Blätter gerade alle vertrocknet oder verfault sind, doch das „lebende Fossil“ hat durchaus etwas Faszinierendes, ja geradezu Wunderbares, wie der Nachsatz mirabilis verrät. Die Welwitschie ist getrenntgeschlechtlich, es gibt sie also als weibliche und als männliche Pflanzen. Sie hat oberirdisch einen rübenähnlichen verholzten Stamm, der zwischen 50 Zentimeter und 1,50 Meter hoch wird. Die Pfahlwurzel reicht bis in tiefe Bodenschichten. Das älteste bekannte Exemplar, die „Riesen-Welwitschie“ nahe der namibischen Stadt Swakopmund ist 1500 Jahre alt. Man kann sie auf dem „Welwitschia-Drive“ südöstlich der Stadt bewundern. Die Route führt durch die westliche Namib-Wüste und zeigt viele Welwitschien. Durch einen Zaun wird die menschengroße Riesen-Pflanze vor allzu neugieriger Besichtigung geschützt.

Feuchtigkeit des Nebels nutzen

Die Welwitschie ist optimal an das Leben in der Wüste angepasst: Mit wenig Wasser auskommen lautet die Devise. In der Namib-Wüste fällt zwar wenig Regen, aber es herrscht oft Nebel. Dieser bildet sich, wenn an der nahen Atlantikküste der kalte Benguelastrom auf warme, feuchte Luftmassen trifft Durch Wind wird er bis in die Wüste im Landesinneren getragen. Mit ihren hauchdünnen feinen Haarwurzeln kann die Welwitschie Feuchtigkeit aus Tau und Nebel aufnehmen. Die tiefe Pfahlwurzel kann bis zu 3 Meter in den Boden wachsen und damit das Grundwasser erreichen. Normalerweise hat die Welwitschie nur zwei Laubblätter. Die Blätter wachsen das ganze Leben lang. Dabei werden sie mehrere Meter lang, spalten sich an den Enden auf und sterben dann ab, weshalb es auf den ersten Blick nach mehr Blättern aussieht. Tatsächlich wurden am Brandberg in Namibia Welwitschie-Pflanzen gefunden, die zwei Blattpaare besitzen. Diese Besonderheit betrifft rund 5 Prozent der Pflanzen. Mit der Strategie des Blätteraufspaltens kann sich die Welwitschie sogar selbst beschatten, denn die aufgesplitterten Blätter beschatten in Bodennähe die feinen Haarwurzeln, sodass diese ihre aufgenommene Feuchtigkeit nicht sofort wieder verlieren.

Farbwechsel gefällig?

Eine weitere Anpassung an die unwirtlichen Lebensumstände ist, dass die Welwitschie wie ein Chamäleon auch die Farbe ihrer Blätter verändern kann. Bei sehr hohen Temperaturen färbt sie ihre Blätter mit roten Pigmenten, um sie besser vor den Sonnenstrahlen in der glühenden Hitze zu schützen. Bei niedrigen Temperaturen, wenn durch den Nebel wieder Wasser zur Verfügung steht, stellen die Blätter die Farbstoffproduktion auf Grün um. Der grüne Pflanzenfarbstoff Chlorophyll ermöglicht nämlich zusammen mit Licht die Photosynthese den Aufbau von organischen Stoffen aus anorganischen Stoffen als Stoffwechsel der Pflanzen.

Besonderer Schutz im Washingtoner Artenschutzabkommen

So ist die Welwitschie ein gutes Beispiel, wie Pflanzen an ihre Umgebung adaptiert sind. Sie ist nicht vom Aussterben bedroht, sie wird aber aufgrund ihrer großen Bekanntheit als touristische Attraktion gesetzlich geschützt und im Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES aufgeführt. Es dürfen keine Pflanzen, nur Samen und Sämlinge gehandelt werden.