Ghana: Erfolgsmodell Mixed Intercropping

Mischkulturen für weniger Brandrodung und mehr Wohlstand

Gute Nachrichten für die Tropenwälder im westafrikanischen Ghana: Statt auf Brandrodung setzen Kleinbauern nun zunehmend auf Mixed Intercropping. Das heißt, sie bauen Bäume, Früchte und Gemüse gleichzeitig auf ein und derselben Fläche an. Wie das funktioniert, beschreibt Dr. Jobst Michael Schröder vom Thünen-Institut für Weltforstwirtschaft in Hamburg.

Wieso und wie engagiert sich Ihre Forschungseinrichtung gegen die Brandrodung?

Brandrodung ist auf den kurzfristigen Nutzen ausgelegt. Weltweit werden dadurch jährlich rund 13 Millionen Hektar Tropenwald vernichtet. Forst- und Landwirte müssen aber langfristig denken, um nachhaltig zu wirtschaften. Auch in Ghana gingen und gehen jedes Jahr viele Hektar verloren. Vielfach geraten Feuer außer Kontrolle und zerstören große Waldareale und zuvor aufgeforstete Flächen. Deswegen haben wir zusammen mit einigen anderen Partnern im Jahr 2000 ein Projekt im Gebiet der Ashanti gestartet. Darin erarbeiten wir gemeinsam mit der Bevölkerung Landnutzungsformen und Vermarktungsstrategien, die allen Beteiligten langfristig Vorteile bringen. 

Was kann man sich konkret darunter vorstellen?  

Ein Teilprojekt ist die Anlage von Mischkulturen als Saumzone um die Wälder herum, die es zu schützen gilt. So haben die Kleinbauern auf ihren zugewiesenen Flächen beispielsweise jeweils fünf Ölpalmen, Mango- und Orangenbäume als lockeren Schirm und dazwischen ihre traditionellen Grundnahrungspflanzen wie Bohnen, Yam, Erdnüsse und Mais angepflanzt. Es wachsen also miteinander verträgliche Kulturarten gleichzeitig auf ein und derselben Fläche. Der Fachbegriff dafür ist Mixed Intercropping. 

Wieso waren die Kleinbauern bereit, ihre Wirtschaftsweise umzustellen?  

Entscheidend für den Bewusstseinswandel waren mehrere Gründe. Das Teilprojekt ist von einem Forstwissenschaftler und einer Agrarwissenschaftlerin gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt worden. Beide Experten lebten mehrere Jahre in der Region und haben sich sehr intensiv mit den Menschen und ihren Traditionen befasst und so deren Vertrauen gewonnen. Zudem haben wir eigens Hochleistungspflanzgut und -saatgut zur Verfügung gestellt. Mangos, Ölpalmen und Orangen bringen bereits nach drei Jahren sehr gute Ernten, die die Bauern an Händler vermarkten. Sie verbessern damit ihr Einkommen deutlich.Wer Bäume pflanzt, um sie später zu nutzen, brennt sie nicht nieder.

Leidet in der Mischkultur nicht der Ertrag der Einzelpflanze?

In Reinkulturen mag der Ertrag etwas höher sein. Aber wir verfolgen ja nicht nur das Ziel, die Erträge zu maximieren. Wir wollen vor allem den Wald schützen und einen Bewusstseinswandel herbeiführen. Aufgrund des hochwertigen Saat- und Pflanzgutes haben wir reichliche Ernten. Mangos und Orangen lassen sich sehr gut vermarkten.   

Welche Maßnahmen sind erforderlich, um die Erträge zu sichern?

Wenn die Anbauer die Früchte verkaufen wollen, muss die Qualität stimmen. Vor allem, wenn sie in den Export gehen. Die Pflanzen werden also gezielt vor Schädlingen und Pilzen geschützt. Wie das sehr effizient und umweltschonend geht, haben das Landwirtschaftsministerium und unsere Agrarwissenschaftlerin in speziellen Schulungen vermittelt. Dabei wurden die Bauern auch über Schadensschwellen und den sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln aufgeklärt. Behandelt wird erst, wenn die entscheidende Anzahl von Schaderregern überschritten ist. Unter den klimatischen Bedingungen im Projektgebiet mit hohen Temperaturen und 1 000 bis 1 200 Millimetern Regen pro Jahr wachsen nicht nur die Kulturen, sondern auch das Unkraut sehr gut. Statt mit Feuer für einen „sauberen Tisch“ zu sorgen, greifen die Bauern nun zur Hacke oder zu Pflanzenschutzmitteln. Werden die Mittel gezielt und sachgerecht eingesetzt, dienen sie dem Ziel der Nachhaltigkeit .  

Wie hat sich das Projekt über die Jahre entwickelt?

Als ich im Dezember 2011 das vorerst letzte Mal Ghana besucht habe, war ich begeistert. Die Mischkulturen florierten. Für mich ein Zeichen, dass unsere Unterstützung auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Ein ähnlich erfolgreiches Projekt haben wir auch etwas weiter nördlich in der Savannenzone angestoßen. Dort werden die Bäume geschützt, weil sie sehr fetthaltige Früchte liefern. Die daraus gewonnene Sheanuss-Butter findet weltweit in Kosmetik-Produkten Verwendung. Für die Erzeugerkooperative, der überwiegend Frauen angehören, eine sehr lukrative Einkommensquelle.

Welche Perspektiven geben Sie den Projekten?

Grundsätzlich sehr gute, weil die Bevölkerung erkannt hat, wie wichtig nachhaltiges Wirtschaften ist. Ähnliche Projekte sind sicherlich auch in anderen Regionen und Ländern möglich. Ich hoffe nur, dass die Kulturen nicht aufgrund wirtschaftlicher Notsituationen vorzeitig gerodet werden und die Bauern wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Entscheidend für den langfristigen Erfolg der Projekte ist es, dass sie gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt und nicht übergestülpt werden.

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