Genetische Vielfalt der Reben erhalten

26.08.2010 Schule & Wissen

Deutsche Genbank Reben geht ans Werk

Der Startschuss fiel am 9. Juli 2010. Seitdem bietet die Deutsche Genbank Reben (DGR) die Möglichkeit, kostenlos historische Rebsorten in deutscher Sprache zu recherchieren. Derzeit werden die Daten noch eingepflegt, aber wenn die Genbank fertig ist, werden 2 500 Rebsorten mit etwa 5 000 Akzessionen (Mustern) aufrufbar sein. Die DGR will dazu beitragen, den genetischen Reichtum der alten Kulturpflanze Wein zu bewahren. Jeder Interessierte kann kostenlos Züchtungen erhalten. Derzeit dokumentieren acht Kooperationspartner die Rebsorten nach den Hauptmerkmalen „Erhaltende Einrichtung, Akzessionsname und -nummer, Vitis-Art (lateinisch „Rebe“) sowie Beerenfarbe“. Das Ziel: Eine Genbank mit züchterisch wertvollen historischen Rebsorten und Akzessionen, die einen deutschen Bezug haben. Alleine das Rebenzüchtungsinstitut Geilweilerhof des Julius-Kühn-Instituts (JKI) pflegt derzeit etwa 3 900 Rebsorten und Muster ein.

Der Gewinn: Sortenechte Genbank

Wir wollen „eine sortenechte Genbank deutscher Rebsorten“ betont Dr. Erika Maul vom Rebenzüchtungsinstitut. Die DGR beinhaltet altertümliche und Wildrebensorten. Die Genbank ist ein bedeutsames Werkzeug zur systematischen Sammlung und wird mit der Zeit um genetische Fingerabdrücke ergänzt. Damit werden die oft schwer unterscheidbaren Sorten und Akzessionen eindeutig zugeordnet. Die Partner der DGR garantieren die Echtheit der Reben und gewährleisten die Erhaltung möglichst gesunder Pflanzen. Gerade angesichts der Klimaveränderung, so Erika Maul, muss die genetische Vielfalt eine große Bandbreite haben. „Wir bewahren die Ressourcen für Schädigungen in der Zukunft, die wir im Einzelnen noch gar nicht kennen können.“ Die Wissenschaftlerin verweist auf die Züchtungserfolge. Seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden wichtige Resistenzträger, zum Beispiel gegen die Reblaus, gezüchtet. Auch diese Rebsorten sind in der DGR dokumentiert. Die Partner entscheiden selbst, was sie in die Genbank einstellen. Deshalb sucht man neue Rebsorten vergeblich. Züchter, die mit aktuellen Züchtungen Geld verdienen, können nicht auf ihren Sortenschutz verzichten. Dazu Maul: „Man gibt doch nicht seine besten Klone heraus“.

Früher bewahrten Sammlungen Historisches für die Zukunft

Natürlich existierten auch in früheren Zeiten Rebsorten-Sammlungen. Maul nennt den Württembergischen Geheimrat Bilfinger, der im 18. Jahrhundert rund 150 Rebsorten zusammentrug. Im 19. Jahrhundert spielte die Blankenhorn-Sammlung aus dem Badischen mit 400 Rebsorten eine Rolle. Bekannt für das 20. Jahrhundert ist die Scheu-Sammlung in Alzey und Rhodt mit 350 Sorten. In der DGR gibt es zum Beispiel die reblausresistenten amerikanischen Reben. Nicht fehlen darf die europäische wilde Weinrebe (vitis sylvestris), die zusammen mit der altertümlichen Rebsorte „Heunisch“ europäische Leitrebe für mehr als 150 Rebsorten wurde. Aus dieser Kreuzung entstanden beispielsweise Riesling, Chardonnay, Elbling oder Lemberger. Über das Alter der vitis sylvestris wird spekuliert, gesichert ist hingegen der Weg der Verbreitung von Ost nach West. Obwohl vitis sylvestris eine gewisse Kälteresistenz besitzt, ist sie in Mitteleuropa derzeit vom Aussterben bedroht. Die Heunisch-Rebe dagegen wird wieder angepflanzt. Ihr Vorteil sind die großen Beeren. Sie blüht später und hält somit lange die Säure, das kommt der Qualität zugute.

Genbank als Chance für die Arten- und Sortenvielfalt

Seit 1850 verringere sich die Agrobiodiversität , so Siegfried Harrer vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) auf der 49. Rebenzüchtertagung im September 2009. Bei Rebsorten hat diese Entwicklung erst Anfang des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Genbanken dienen der Bereitstellung pflanzengenetischer Ressourcen mit ihren Resistenz - und Qualitätsmerkmalen. Die DGR, speziell für deutsche Nutzer, ist die dritte Vitis-Datenbank im Auftrag des JKI und des BMELV. Daneben gibt es die Genbank Vitis International Variety Catalogue (VIVC). Sie ist seit 1996 im Netz und beinhaltet etwa 130 Rebsorten. Sie bietet eine weltweite Bestandsaufnahme und die Möglichkeit zu Literaturrecherchen, mit dem Ziel einem „genetischen Verfall vorzubeugen“. Das europäische Projekt EU-Vitis beschreibt die alteingesessenen Rebsorten mit ihren genetischen Fingerabdrücken.

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