Feige: Wie die Frucht aus dem Süden auch bei uns reift

14.11.2019 Schule & Wissen

Schmaler Grat zwischen vollreif und matschig

Die zuckersüße Südfrucht hat in Mitteleuropa viele Fans. Hobbygärtner versuchen, sie selbst anzubauen. Das kann gelingen, wenn sie vor allem auf Sorte und Standort achten.

Wissenswert

Im Salat oder Dessert, als Chutney oder Konfitüre, zu Fleisch oder Fisch, als Frischobst oder Trockenobst – Feigen sind ein süßer Genuss. Doch statt sie im Supermarkt oder Fruchthandel zu kaufen, probieren es immer mehr Hobbygärtner mit dem Anbau der Südfrucht im eigenen Garten, selbst wenn es nur eine einzelne Kübelpflanze ist.

Die Chancen stehen gut, eigene Früchte zu ernten. Denn es gibt mittlerweile winterharte Sorten, die kurzzeitig Temperaturen von etwa minus 15 Grad Celsius überstehen. Sehr empfindlich reagiert die Pflanze, wenn sie ungeschützt kaltem Ostwind ausgesetzt ist und vor allem, wenn nach dem Aufbrechen der Knospen Spätfröste einsetzen. Die zweite Voraussetzung für das Gelingen ist die Wahl einer Sorte, die ohne Befruchtung Früchte bilden. Ansonsten wäre neben der fruchttragenden Sorte aus der Varietät der „Echten Feigen“ auch eine pollenliefernde Bocksfeige und als Bestäuber die in Deutschland nicht heimische Feigengallwespe erforderlich.

Die birnenförmigen oder kugeligen Früchte haben einen Durchmesser von 3 bis 5 Zentimetern. Sie wachsen in den Blattachseln und sind je nach Sorte im reifen Zustand gelb, grün, rot, violett oder schwarz. Das Fruchtfleisch ist süß und saftig sowie sortenabhängig weiß, gelb, rot oder violett. Reife Früchte lassen sich leicht eindrücken, sind aber noch nicht matschig. Die Frucht entsteht übrigens nicht nur aus einer Blüte, sondern aus einem Fruchtstand mit hunderten kleinen Blüten. Aus jeder Blüte entsteht eine kleine Steinfrucht. Der Blütenstandsboden entwickelt sich zum fleischigen Teil der Feige.

Eine große Bedeutung für die Ernährung hatte die Feige im Altertum. Das ist daran erkennbar, dass sie sehr häufig in alten Schriften genannt wird. In der Bibel wird sie 38 Mal erwähnt, der Apfel hingegen nur vier Mal. Feigenblätter dienten unter anderem dazu, die Nacktheit von Adam und Eva zu verdecken. Im alten Ägypten und im antiken Griechenland war sie ebenso beliebt wie im Römischen Reich, wo sie schon als Trockenfrucht konserviert wurde. Spätestens im Mittelalter kamen die süßen Früchte nach Deutschland. Um 1150 baute Hildegard von Bingen, die universalgelehrte Benediktinerin, selbst Feigen an. Wurzel und Blätter sollten bei Kopfschmerzen sowie Brust- und Augenleiden helfen.

Feigen enthalten relativ große Mengen an Ballaststoffen, Kalium, Kalzium, Eisen, Zink, Selen, sekundären Pflanzenstoffen sowie B-Vitaminen. Die übrigen Vitamine sind weniger reichlich vorhanden. Der Zuckergehalt liegt bei 15 Prozent, getrocknete Früchte enthalten etwa 60 Prozent.

Herkunft und Ansprüche

Die Heimat der Echten Feige (Ficus carica) ist vermutlich das südliche Mittelmeergebiet von Griechenland über Kleinasien bis nach Nordafrika. Im 16. Jahrhundert gelangte sie mit den Seefahrern nach Amerika. Heute ist sie in sehr vielen tropischen und subtropischen Ländern sowie in gemäßigten Regionen mit milden Wintern, wie zum Beispiel in Südwest-England, vertreten. Feigenbäume wachsen besonders gut auf nährstoffreichen, tiefgründigen und durchlässigen Böden mit hoher Wasserhaltefähigkeit. Durch ihr ausgeprägtes Wurzelsystem können sie aber auch Trockenphasen recht gut überstehen.

Anbau

Feigen lassen sich leicht durch Stecklinge vermehren, die im späten Winter geschnitten werden und sich schnell im Boden bewurzeln. In den ersten drei bis vier Jahren sollten die kleinen Feigen im Kübel wachsen und frostfrei überwintern. Ältere Pflanzen sind unempfindlicher und können ins Freiland gepflanzt werden. Bei stärkeren Frösten empfiehlt es sich trotzdem, die jungen Bäume mit Vlies zu umwickeln. Bäume werden 50 bis 100 Jahre alt und bis zu 10 Meter hoch. Professionelle Anbauer sorgen aber durch Schnittmaßnahmen dafür, dass sie nur eine Höhe von 3 bis 4 Metern erreichen, um sie leichter zu beernten.

Pflanzenschutz und Düngung

Beim Anbau von Feigen sind im Normalfall keine Pflanzenschutz -Maßnahmen erforderlich. Stellenweise verursacht der aus dem Mittelmeerraum eingewanderte Feigen-Spreizflügelfalter. Fraßschäden. Die Pflanzen haben einen geringen Stickstoffbedarf, mögen aber eine gute Phosphor- und Kaliversorgung.

Ernte und Lagerung

Feigen für den Frischverzehr werden möglichst zur Vollreife geerntet. Nur dann entfalten die nicht nachreifenden Früchte ihr volles Aroma. Sie lassen sich nur wenige Tage im Kühlschrank lagern. Deswegen ist in den erzeugungsferneren Märkten auch die getrocknete Ware relativ stärker verbreitet. In Deutschland sind je nach Sorte eine bis zwei Ernten pro Jahr möglich. Die sogenannten Blühfeigen reifen von Juni bis August, die Herbstfeigen von August bis November.

Zahlen

In wintermilden Regionen Deutschlands sind sporadisch Feigenbäume anzutreffen. Die Pfalz ist das größte Anbaugebiet. Hier stehen schätzungsweise 50 000 Bäume (Quelle: Hortipendium). Der weltweit größte Erzeuger 2016 war die Türkei mit 305 450 Tonnen, gefolgt von Ägypten (167 622 Tonnen) und Algerien (131 798 Tonnen, Quelle: FAO). An guten Standorten liegt die Erntemenge bei 15 bis 20 Tonnen pro Hektar.