Aprikose: Ein kurzes, aber intensives Vergnügen

27.06.2019 Schule & Wissen

Verträgt Trockenheit, aber keine Spätfröste

Die saftigen und süß-aromatischen Früchte haben von Juni bis September Saison. In dieser Zeit sollten Fans des Obstes schnell sein: Reife Früchte entfalten nur für wenige Tage ihren vollen Geschmack. Auch der Baum altert schnell. Schon nach 15 Jahren setzen Vergreisungserscheinungen ein.

Wissenswert

Eine vollreife Aprikose erkennt man im Laden an der glatten, samtartig behaarten Haut. Sie gibt bei Druck leicht nach. Die Farbe ist allerdings kein Kriterium. Je nach Sorte schwankt sie von gelb über orange bis zu einer rötlichen Nuance. In der Küche eignen sich Aprikosen für Obstsalate oder Marmeladen sowie zum Backen oder zum Kochen und Dünsten in Kombination mit herzhaften Gerichten. Die 4 bis 8 Zentimeter großen Früchte schmecken allerdings nur wenige Tage besonders gut. Um den Alterungsprozess zu verlangsamen, bietet sich die Lagerung im Kühlschrank an. Nach einer Woche in der Kälte haben die Früchte aber leider ihr Aroma verloren.

Ein Großteil der Aprikosen wird deswegen direkt verarbeitet. Unter anderem zu Konserven, Saft oder Trockenobst. Sehr beliebt ist auch Marillenschnaps. Nicht nur in Österreich und Südtirol, wo die Aprikosen Marillen genannt werden. Die Samen in den Fruchtkernen verleihen Amaretto-Likör ebenso wie Bittermandeln ein nussiges, marzipanähnliches Aroma. Allerdings sollten bittere Kerne nicht in größeren Mengen verzehrt werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt maximal 2 Stück pro Tag. Sie enthalten nämlich geringe Mengen Amygdalin, das im Körper zu gefährlicher Blausäure umgesetzt wird.

Aprikosen haben von allen Obstarten den höchsten Provitamin A-Gehalt, was Augen und Haut zugutekommt. Außerdem enthalten sie nennenswerte Mengen an Kalium, Eisen, Vitamin B1, Vitamin B2 und Vitamin C. Die Früchte lassen sich leicht entkernen und zum Beispiel für die Herstellung von feinen Marmeladen leicht enthäuten. Einfach mit kochendem Wasser übergießen und die Haut nach dem Abschrecken abziehen.

Herkunft und Ansprüche

Ausgehend vom lateinischen Namen der Aprikose Prunus armeniaca müsste sie aus Armenien stammen. Das ist allerdings umstritten. Denn bereits in der Antike wurde sie in Nordchina und Indien angebaut. Die Kultur ist eine wahre Sonnenanbeterin. Auch darf es für sie heiß, trocken und windgeschützt sein. In Deutschland bringt sie daher nur in sehr günstigen Weinbaulagen zuverlässige Ernten. Besonders empfindlich reagiert sie auf Staunässe im Boden. Die Wurzeln neigen schnell zum Faulen.

Anbau

Die Aprikose ist eine typische Südfrucht. Deshalb ist der Anbau in Mitteleuropa nicht ganz einfach. Sie blüht in den Weinbauregionen bereits Ende März bis Anfang April. Nach Spätfrösten büßt sie einen Großteil ihres Ertrags ein. Daher setzt man bei uns auf spätblühende Sorten wie beispielsweise Bergeron. Um die Frosthärte im Winter zu verbessern, wird sie auf Pflaumenunterlagen veredelt. Die kleinen Bäume mit ihren schönen rosa bis pinken Blüten vergreisen bereits im Alter von etwa 15 Jahren. Sie stellen das Wachstum ein und werden immer anfälliger für Krankheiten.

Pflanzenschutz und Düngung

Typische Pilzkrankheiten der Aprikose sind Monilia, Schorf oder Schrotschuss. Diese befallenen Blüten, Blätter und Früchte und verursachen hohe Ertragsverluste. Mit fungiziden Pflanzenschutzmitteln können Gärtner vorbeugen. Eine der gefährlichsten Krankheiten ist die Scharkakrankheit, die durch Viren verursacht wird und nicht direkt bekämpfbar ist. Der Befall muss an die Pflanzenschutz -Behörde gemeldet werden. Befallene Bäume sind zu roden und zu verbrennen. Die Mehlige Pflaumenblattlaus kann dem Obst ebenfalls zusetzen. Bei der Düngung ist Kaliumdünger wichtig, weil der Nährstoff die Frosthärte verbessert.

Ernte und Lagerung

In Mitteleuropa beginnt die Ernte Mitte Juli und zieht sich je nach Sorte bis Ende August. Ab Ende Mai ist schon frisches Obst aus Anbaugebieten am Mittelmeer auf dem Markt. Die Ernte ist Handarbeit. Die Pflücker gehen sorgsam mit den hartreifen Früchten um, damit es keine Druckstellen gibt. Hat das Obst einen langen Transport, muss es schon weit vor der Vollreife vom Baum. Es schmeckt dann häufig fade und wird mehlig.

Zahlen

Der Aprikosenanbau in Deutschland beschränkt sich auf milde Regionen im Süden und Westen. Insgesamt ist die Bedeutung gering. In den Baumobst-Statistiken wird das Steinobst unter anderem zusammen mit Walnüssen und Pfirsichen unter „Sonstiges“ aufgeführt. Ihr Anbauumfang beträgt in der Summe weniger als 2 Prozent des gesamten Baumobstanbaus, der 2017 bei 49 934 Hektar lag (Quelle: Destatis). Die weltweit größten Produzenten sind Usbekistan (547 000 Tonnen), Türkei (276 210 Tonnen) und Iran (252 747 Tonnen). In Europa sind es Italien (222 690 Tonnen), Frankreich (177 000 Tonnen) und Spanien (136 446 Tonnen; Zahlen jeweils FAO, 2014).