Der Feigen-Spreizflügelfalter hat großen Appetit auf Blätter

07.07.2016 Haus & Garten

Ein neuer Schädling breitet sich in Europa von Süden nach Norden aus

So richtig angekommen ist der Feigen-Spreizflügelfalter im zentralen Europa noch nicht, aber er klopft immerhin kräftig an. Vor allem in milden Weinbauregionen setzt er den Blättern und gelegentlich den Früchten nagend zu und knüpft ein Gespinst aus Seidenfäden. Unübersehbar sind Fraßstellen, Verkrümmungen und Verfärbungen. Sommer- und Herbst-Generation dieser ursprünglich um das Mittelmeer herum beheimateten Wicklerart erfordern zunehmend Aufmerksamkeit und entschlossene Gegenwehr.

Der Feigenbaum stellt Ansprüche. Frische Luft ist für ihn wichtig, er braucht auch viel Sonne. Südliche Hauswände und helle Innenhöfe schätzt er sehr. Wenn der Standort nicht stimmt, wird er schwach und kränkelt. Dann fallen Blätter und Früchte ab, und überdies haben die Schädlinge leichtes Spiel. Bei zu großer Trockenheit im Sommer droht Spinnmilbenbefall und warme Überwinterung lockt Schildläuse an. In Mitteleuropa droht jetzt neues Ungemach in Gestalt eines Schmetterlings aus der Familie der Spreizflügelfalter (Choreutidae). Mit einer Flügelspannweite von 16 bis 20 Millimetern ist Choreutis nemorana zwar nicht mehr als ein Winzling, doch seine  grünlichen Raupen fallen durch Gefräßigkeit auf und können zu beträchtlichen Schäden führen. Die sonst so prächtigen, intensiv grünen Büsche, die sich zu großen Bäumen auswachsen können, sind dann arg gerupft, und mit der Feigenernte im eigenen Garten ist es auch nicht mehr weit her.

Verborgen im dichten Verpuppungsgespinst

Die Falter der Sommergeneration schlüpfen im Juli. Die zweite Generation erscheint im Herbst und überwintert dann. Das Fraßbild des Schädlings ist eindeutig zu erkennen. Die Raupen fressen schabend an der Oberseite der Feigenblätter, wobei anfangs die Unterseite unverletzt bleibt. Später können Löcher entstehen. Mehrere, oft auch verschieden große Raupen fressen an einem Blattfenster. Die ausgewachsene Raupe biegt den Blattrand nach unten oder oben und legt in dem mit Seide verschlossenen Wickel ein dichtes Verpuppungsgespinst an. Die Früchte werden in der Regel nicht angefressen, außer wenn ein Blatt direkt aufliegt. Dann legt die Raupe ihr Gespinst zwischen Blatt und Frucht an und frisst an der Fruchtoberfläche. Die lockeren Gespinste mit Kotkrümeln sind meist schon wieder leer, wenn sie entdeckt werden. Gelegentlich finden sich in einem Wickel sogar zwei Puppen hintereinander.        

Die Falter suchen den Feigenbaum mit zwei Generationen heim

Die recht kleinen Falter schlüpfen in der ersten Juniwoche und bald darauf ist mit der zweiten Generation zu rechnen. Das führt, insbesondere im Hochsommer, zu noch größeren Schäden. Doch insgesamt gibt Alfred Altmann vom Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald eine gewisse Entwarnung: „Der Fraß an den Blättern ist selten so stark, dass eine Beeinträchtigung der Pflanze zu erwarten ist“. Die Natur hilft sich beim Auftreten des Feigen-Spreizflügelfalters außerdem wieder einmal selbst, denn wie die „Badische Bauernzeitung“ berichtete, haben sich auch schon Raupen gefunden, die von Gegenspielern parasitiert waren. So wird die ungehinderte Vermehrung immerhin gebremst.

Der Feigenbaum ist nicht wehrlos ausgeliefert

„Im deutschen Pflanzenschutzrecht kommt die Feige als Kulturpflanze nicht vor“, erfährt man bei Alfred Altmann im Landratsamt. Und deshalb gibt es auch keine entsprechenden Zulassungen oder Genehmigungen von Pflanzenschutzmitteln. Sollte jemand auf die Idee kommen, hierzulande Feigen gewerbsmäßig anzubauen und Probleme mit dem Schädling bekommen, müsste er sich beim Pflanzenschutzamt um eine einzelbetriebliche Genehmigung für ein geeignetes Mittel bemühen. Das gilt auch für den privaten Gartenbesitzer, dem die „Badische Bauernzeitung“ immerhin ein Bt-Präparat empfiehlt, das gegen Schmetterlingsraupen im Kernobst zugelassen ist. (B.t. Bacillus thuringiensis-Präparate sind insektenschädliche Bakterien).