Rizinus als dekorative Gartenpflanze

30.08.2018 Haus & Garten

Tipps zu Anbau und Pflege des Wunderbaums

Der Rizinus ist „Giftpflanze des Jahres 2018“. Mit der jährlichen Wahl eines giftigen Vertreters aus der Riege der Nutz- und Zierpflanzen möchte der Botanische Sondergarten Wandsbek auf den angemessenen Umgang mit Giftpflanzen hinweisen. Dies soll aber nicht bedeuten, dass die Pflanze aus dem Garten verbannt wird. Denn sie ist überaus dekorativ und kann mit einer einfachen Vorsichtsmaßnahme unschädlich gemacht werden.

Der Rizinus-Strauch (Ricinus communis) gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) und hat viele Namen: Unter anderem wird er Wunderbaum, Palma Christi beziehungsweise Christuspalme, Römische Bohne oder Rizinus-Baum genannt. Schon in alten Schriften der ägyptischen Heilkunde wurde der Strauch erwähnt. Und auch heute wird das Öl aus den Rizinus-Samen – das im Gegensatz zu den Samen selbst, aus denen es gepresst wird, völlig ungiftig ist – für technische, medizinische und kosmetische Zwecke genutzt. Gärtner schätzen den Rizinus wegen seines attraktiven Blattschmucks und weil der Strauch recht pflegeleicht ist.

Herkunft und Verbreitung des Rizinus-Strauchs

Der Rizinus-Strauch stammt ursprünglich aus den Tropen und Subtropen. Im Mittelmeergebiet hat er sich durch Verwilderung mittlerweile auch auf Brachflächen oder an Wegesrändern angesiedelt. In unseren Breitengraden wird er zur Zierde im Garten häufig nur als einjährige Pflanze kultiviert, obwohl er eigentlich mehrjährig ist. Der Rizinus wächst hierzulande bis zu 2 Meter hoch, in südlichen Ländern kann er jedoch auch Wuchshöhen von 4 Metern und mehr erreichen, sodass dort die Bezeichnung „Rizinus-Baum“ durchaus passend ist.

Aussehen, Wachstum und Blüte des Rizinus

Der Rizinus-Strauch hat eine schnellwachsende, kräftige Wurzel. Daraus wachsen verholzende Stängel, die sich im Laufe des Wachstums zunehmend verzweigen. Die grünen, grünvioletten oder dunkelroten Blätter sind bis zu 40 Zentimeter lang und ähneln mit ihrer breiten, schildartigen Form sowie der Aufteilung in fünf bis neun lanzettliche, gezähnte Abschnitte einer menschlichen Hand.

Von Juli bis Oktober blüht der Rizinus in rispigen Trauben und bildet seine Kapselfrüchte aus. Diese enthalten die hochgiftigen Samen, auch Castorbohnen genannt. Verantwortlich für deren toxische Wirkung ist der Eiweißstoff Ricin in der Samenschale. Wenn die Samen reifen, ist daher vor allem im Hinblick auf Kinder und Tiere besondere Vorsicht geboten.

Pflanzen und Pflege

Der Wunderbaum ist eine Wärme liebende Pflanze und fühlt sich daher an vollsonnigen Standorten wohl. Weil der Boden nicht nur gut durchlässig, sondern auch nährstoffreich sein sollte, empfehlen sich eine Substratanreicherung mit Kompost oder Stallmist und eine regelmäßige Düngung. Ab Mitte Mai kann der Rizinus-Strauch gepflanzt werden, am besten im Abstand von 1 Meter und wegen der starken Ausbreitung der Wurzeln nicht zu nah an Wegrändern oder anderen Begrenzungen. In Beeten macht sich die Pflanze besonders gut als Hintergrund für bunte Sommerblumen wie Lavendel oder Mittagsblumen. Seine ganze Pracht zeigt der Rizinus allerdings als Solitärpflanze, da hierbei sein dekoratives Blattwerk besonders gut zur Geltung kommt.

Generell ist der Rizinus sehr pflegeleicht und übersteht selbst längere Trockenperioden, wächst dann aber nicht so schnell. Bei ausreichend Platz und regelmäßiger, reichlicher Bewässerung entwickelt er sich dagegen prächtig. Staunässe bekommt ihm jedoch gar nicht. Bei einjähriger Kultivierung kann der Strauch im Herbst auf den Kompost gegeben werden. Aber auch bei mehrjähriger Kultur muss er nicht zurückgeschnitten werden: Mit einer Abdeckung überwintert er bei nicht allzu frostigen Temperaturen problemlos im Garten und verliert dabei die oberirdischen Pflanzenteile, die im nächsten Frühjahr wieder neu wachsen. Besondere Krankheiten oder Schädlinge sind beim Wunderbaum nicht bekannt.

Vorsichtsmaßnahmen beim Rizinus

Die rot-bräunlichen Samen des Rizinus sind hochgiftig. Das in ihnen enthaltene Ricin gilt sogar als eine der giftigsten Eiweißsubstanzen. Zum Schutz von Kindern sollte man darauf achten, dass sie nicht mit den Samen in Berührung kommen. Denn die harmlos aussehenden, rotbraun marmorierten „Bohnen“ könnten zum Verzehr verleiten. Eine gute Maßnahme ist, die alten Blütenstände im Sommer bereits vorsorglich zu entfernen, bevor sich die Kapselfrüchte mit den giftigen Samen ausbilden können.

Vermehrung des Wunderbaums

Wer den Wunderbaum als schmückende Gartenpflanze liebgewonnen hat, ihn aber nicht überwintern lassen möchte, kann ihn einfach im Frühjahr neu aussäen. Falls kein eigenes Saatgut vom Vorjahr vorhanden ist, kann man es auch im Gartenfachhandel bekommen. Damit die Pflanze im Frühjahr kräftig genug zum Auspflanzen ist, sollte am besten schon im Januar oder Februar mit der Anzucht begonnen werden. Wegen der harten Schale sollten die Samen vorher über Nacht in Wasser eingeweicht werden – so keimen sie besser. Beim Umgang mit den Samen sollten unbedingt Handschuhe getragen werden, um Hautkontakt mit dem Ricin zu vermeiden. Sobald kein Frost mehr auftritt, können die Rizinus-Pflanzen in den Garten gesetzt werden und ihrem Namen „Wunderbaum“ alle Ehre machen.

Beliebte Beiträge