Käfer in Holz und Rinde

02.02.2017 Haus & Garten

Verborgene Fraßschäden in Obstbäumen

Schädlinge an Blättern und Früchten von Obstgehölzen sind durch ihre recht auffälligen Schadbilder meist gut zu identifizieren. Im Holz oder unter der Rinde lebende Schädlinge sind dagegen nicht so leicht erkennbar. Ihr anfangs eher unauffälliges Schadbild und ihre versteckte Lebensweise führen dazu, dass das Erstauftreten häufig übersehen wird. Oft wird man auf die versteckten Schädlinge erst aufmerksam, wenn an den Gehölzen plötzlich Zweige oder Äste welken und absterben. Gartenfreunde sind dann oft ratlos, weil sie die Ursache eines Befalls nicht gleich erkennen können. Man sollte sich mit diesen Schädlingen befassen, um sie zu erkennen und gegebenenfalls rechtzeitig zu bekämpfen.

Aus der Ordnung der Käfer, die in Holz und Rinde von Obstgehölzen leben, sind es vor allem der Große Obstbaumsplintkäfer, der Kleine Obstbaumsplintkäfer und der Ungleiche Holzbohrer. Diese Arten sind unter dem Sammelbegriff „Borkenkäfer“ bekannt. Gelegentlich treten auch der Birnbaum- und der Kirschprachtkäfer auf. Von den Käfern werden vor allem geschwächte Bäume befallen. Ein gestörter Wasserhaushalt, Rindenverletzungen und Frostschäden machen die Gehölze anfälliger.

Borkenkäfer

Der Große Obstbaumsplintkäfer ist meist an Pflaumen- und Apfelbäumen zu finden. Er verursacht bei seinem Reifungsfraß im Frühjahr unterhalb von Knospen und Blättern an jungen Trieben kleine Bohrlöcher und Fraßstellen. Im Sommer fressen die 3 bis 4,8 Millimeter langen, glänzend dunkelbraunen Käfer am Stamm der besiedelten Obstbäume viele dicht nebeneinander liegende Löcher. Zwischen Rinde und Holz legen die Schädlinge Fraßgänge an, die bei Entfernen der Rinde sichtbar werden. Sie bilden ein ganzes System von Fraßgängen, das durch einen 5 bis 12 Zentimeter langen Mittelgang gekennzeichnet ist, an dessen Ende bis zu 80 Eier abgelegt werden. Die Larven tun dann ihr Übriges, indem sie links und rechts davon weiterbohren, sodass ein strahlenförmiges Netz von unverzweigt seitlich abgehenden, etwa 15 Zentimeter langen Nebengängen entsteht. Die Larven ernähren sich vom Rindengewebe und dem in die Gänge eindringenden Pflanzensaft.

Der Kleine Obstbaumsplintkäfer ähnelt in seiner Lebensweise und seinem Schadbild der Art des Großen Obstbaumsplintkäfers. Allerdings frisst er einen kleineren Mittelgang ins Holz und dichter beieinander liegende Seitengänge.

Der Ungleiche Holzbohrer kann neben Obstbäumen zahlreiche weitere Laubgehölze schädigen. Die Weibchen schwärmen im Frühjahr an sonnigen Tagen bei Temperaturen ab 18 Grad. Der Befall zeigt sich durch wenige Bohrlöcher an der Rinde. Diese führen jeweils zu einem Gangsystem, das tief ins Holz der befallenen Bäume reicht. Risse und Frostplatten an den Gehölzen bevorzugen die Käfer, um sich anzusiedeln. Die 3 bis 3,5 Millimeter langen und schwarz bis schwarzbraun gefärbten Käferweibchen legen ihre Eier in die selbstgebohrten Gänge ab. Die Männchen sind nur 1,5 bis 2 Millimeter groß und nicht flugfähig, was zu der deutschen Bezeichnung „Ungleicher Holzbohrer“ geführt hat. Die schlüpfenden, fußlosen, hellgelben und bis zu 3 Millimeter großen Larven schaffen sich senkrecht verlaufende, 1 bis 3 Zentimeter lange Röhren. Durch eine verzögerte Eiablage sind von Sommer bis Herbst in den Gängen alle Larvenstadien und Jungkäfer zu finden. Typisch für einen Befall ist das stark aus den Löchern quellende Bohrmehl.

Maßnahmen gegen Borkenkäfer

Eine Möglichkeit, mit chemischen Maßnahmen gegen die Schädlinge vorzugehen, gibt es im Obstbau nicht. Zur Bekämpfung der Borkenkäfer ist das Beseitigen von Baumruinen, die als Brutstätten dieser Schädlinge dienen, sowie von stark befallenen Bäumen und Ästen eine wesentliche Voraussetzung. Die abgeschnittenen Bäume und Baumteile müssen sofort entsorgt werden, spätestens aber bis Ende März, ehe die Jungkäfer die befallenen Bäume verlassen. Alle Maßnahmen, die den Bäumen optimale Wachstumsbedingungen schaffen, wie regelmäßiger Schnitt, bedarfsgerechtes Düngen und Wässern, wirken dem Borkenkäferbefall entgegen.

Prachtkäfer

Der Birnbaumprachtkäfer, auch als Birnenprachtkäfer bezeichnet, hinterlässt mit seinen sogenannten Zick-Zack-Fraßgängen ein sehr auffälliges Schadbild zwischen Rinde und Holz von Birnenbäumen. Er wird in der Literatur deswegen auch als „Blitzwurm“ bezeichnet. Äußerlich ist ein Befall durch querovale Löcher in der Rinde von Ästen und Stämmen zu diagnostizieren. Von ihm werden sowohl junge als auch ältere Bäume befallen. Junge Bäume kümmern dann und beginnen von der Spitze her zu welken und einzugehen. An älteren Birnenbäumen werden oft nur einzelne Äste befallen. Neben Birnen zählen noch Weißdorn und Sorbus-Arten, wie die Eberesche, zu seinen Wirtspflanzen. Der schlanke Birnbaumprachtkäfer ist zwischen 4,5 bis 10 Millimeter lang, hat einen kupferfarben, metallisch glänzenden Körper mit rötlichen Flügeldecken. Die Käfer fliegen im Mai/Juni und legen ihre Eier in Verstecken, wie Rindenritzen und Wunden an der Rinde, ab. Die hellen, flachen, fußlosen und stark segmentierten Larven haben eine zweijährige Entwicklung und erreichen dann eine Länge von etwa 25 Millimeter. Sie verpuppen sich im März des dritten Jahres am Ende ihrer Fraßgänge. Der Käfer ist sehr wärmebedürftig; in sehr warmen Jahren kommt es daher zu einem erhöhten Befall.

Der Birnbaumprachtkäfer bevorzugt Bäume, die auf trockenen Böden stehen und unter Nährstoffmangel leiden. Störungen im Wasser- und Nährstoffhaushalt sowie Frostschäden und andere Rindenverletzungen begünstigen immer den Befall der Bäume mit holzbewohnenden Käfern.

Der Bunte Kirschbaum-Prachtkäfer, auch Kirschprachtkäfer genannt, ist mit seinen leuchtend metallisch grünen, kupferroten und schwarzblauen Farben unverwechselbar. Die 7 bis 11 Millimeter langen Käfer kommen von Mai bis September vor. Da sie sehr wärmeliebend sind, ist mit ihnen vor allem in den südlichen und mittleren Bundesländern Deutschlands zu rechnen. Hier werden vor allem Süßkirschen, aber auch andere Prunus-Arten, wie Weichselkirsche, befallen. Die Larven bohren im Stamm und in starken Ästen flache, geschlängelte, sich erweiternde Gänge zwischen Holz und Rinde, die sie mit dem Bohrmehl verfüllen. Nach einer meist zweijährigen Entwicklung verpuppen sie sich zum Ende des Sommers in einer Puppenwiege. Bald darauf schlüpft der Käfer und überwintert hier. Vornehmlich ist ein Befall an den Südseiten in Streuobstanlagen mit alten hochstämmigen Kirschbäumen zu finden. Der Lebensraum der Käfer sind vor allem geschädigte und absterbende Pflanzenteile.

Vorbeugen und Artenschutz bei Prachtkäfern beachten

Beide Prachtkäferarten gehören nach der Bundesartenschutzverordnung zu den geschützten Tieren. Der Kirschprachtkäfer gilt nach der Roten Liste Deutschland sogar als stark gefährdet. Sollten Baumschnitt- oder Baumfäll-Maßnahmen nötig werden, ist unbedingt vorher die untere Naturschutzbehörde zu konsultieren. Um einem Befall mit den Prachtkäfern vorzubeugen, brauchen die Bäume eine gute Pflege für ein optimales Wachstum.