Krautalarm auf dem Acker

Melde und Gänsefuß: lästige Riesen-Unkräuter halten Landwirte auf Trab

Im Ackerbau, speziell bei Hackfrüchten, und im Gemüseanbau sind sie als Unkraut gefürchtet: Sie heißen Melde und Weißer Gänsefuß und gehören zu den Fuchsschwanz- bzw. den Gänsefußgewächsen. Sie keimen spät und wachsen schnell, und sie sprießen auch bei gewissenhafter Unkrautbekämpfung immer wieder in die Höhe. Bis zur Entwicklung der ersten Blätter können sie mit Herbiziden bekämpft werden. Später hilft nur noch das Hacken oder das Ausreißen von Hand. Lässt man ihre Samen ausreifen, nimmt die Plage mit den Riesenunkräutern im Folgejahr mit Gewissheit überhand.

Aussamen verhindern!

„Die Melde müssen wir immer im Auge behalten“ erklärt Mathilde Schwenk, die gemeinsam mit ihrem Mann Heinrich und Sohn Michael in Lembeck bei Dorsten in Nordrhein-Westfalen einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Auf 80 Hektar werden Ackerfrüchte angebaut, auf etwa 50 Hektar davon Rot- und Grünkohl, Spinat und Kräuter für den Tiefkühlkostanbieter Iglo. Auf manchen Feldern überragt im Herbst das Unkraut die Kohlköpfe deutlich: „Jetzt hilft nur noch das Ausreißen von Hand. Wenn sich Samen bilden und auf den Boden fallen, haben wir nächstes Jahr noch größere Probleme“.

Hackfrüchte liefern idealen Nährboden

Melde und Gänsefuß wachsen auf nährstoffreichen Böden besonders gut. Während Getreide bereits im späten Frühjahr hohe und dichte Pflanzenbestände entwickelt hat, bieten die Abstände zwischen Rüben und Kohlpflanzen Raum für spät keimende Unkräuter. Die gut gedüngten Hackfruchtböden und das Sonnenlicht sorgen dann für stürmisches Wachstum der unliebsamen Kräuter.

Unkrautbekämpfung von Beginn an

„Beim Kräuteranbau müssen Melde und Gänsefuß schon bekämpft werden, bevor die Küchenkräuter keimen. Wenn die Saat aufgegangen ist, darf nicht mehr gespritzt werden“ berichtet Mathilde Schwenk. Das Zeitfenster für den Einsatz von Herbiziden ist kurz. Spät keimendes Unkraut kann nur noch mit der Hackmaschine oder von Hand entfernt werden. „Besonders viel Handarbeit macht uns der Spinat, weil wir dort keine Hackmaschinen einsetzen können.“ Auch beim Kohl bleiben die Melden ein Problem. „Den Rotkohl säen wir im März in so genannte Anzuchtbeete. Die Beete werden dann mit Vlies abgedeckt, um sie gegen die Kälte und gegen Tauben und Kaninchen zu schützen, die die jungen Pflanzen wegfressen“ erklärt die Landwirtin „Im Mai kommen dann die Kohlpflänzchen auf den unkrautfreien Acker, alle 50 cm eines.“ Nachdem der Kohl angewachsen ist, bietet die Düngung mit Kalkstickstoff einen gewissen Schutz vor keimenden Unkräutern. Später wird regelmäßig gehackt. Trotzdem gelingt es den Riesengewächsen immer wieder, Fuß zu fassen. „Melden wachsen das ganze Jahr“ berichtet Mathilde Schenk „Da müssen wir ständig dranbleiben. Das ist viel Arbeit“.

Ein Riese unter den Unkräutern

Die als Ackerunkraut bekannten Melden werden bis zu 80 Zentimeter, der Weiße Gänsefuß sogar bis zu drei Meter hoch! Melden Atriplex aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse Amaranthaceae und der Weiße Gänsefuß Chenopodium album aus der Familie der Gänsefußgewächse Chenopodiaceae sind einjährige, im späten Frühjahr keimende Samenunkräuter. Ihre Blätter sind dunkelgrün und haben feine Härchen, die sie wie mit Mehl bestäubt aussehen lassen. Bei der Melde sind sie dreieckig (Spießblättrige Melde Atriplex hastata) bis lanzettförmig geformt und nach oben hin zunehmend gezahnt. Beim Weißen Gänsefuß sind die Blätter rhombisch eiförmig, im unteren Stielbereich stärker gesägt als oben. An der Spitze entwickeln sich rispenförmige, unscheinbare Blüten. Melden sind Selbstbestäuber, beim Weißen Gänsefuß sind Käfer, Insekten und der Wind behilflich. Typisch für beide Gewächse ist die große Samenzahl. Beim Weißen Gänsefuß wurden bis zu 1,5 Mio. Samen pro Pflanze gezählt; sie bleiben im Boden bis zu 1700 Jahre keimfähig.

Vielseitige Kräuter

Melden und Weißer Gänsefuß machen aber nicht nur als Unkraut von sich reden: Die Blätter beider Pflanzen sind essbar und erinnern gedünstet an Spinat. Die Gartenmelde Atriplex hortensis, auch Spanischer Salat oder Spanischer Spinat genannt, wird sogar als Gemüse und als Zierpflanze angebaut. Sie stammt aus Mittelasien und wurde vermutlich schon vor mehreren tausend Jahren kultiviert. Mit den Römern gelangte sie nach Mitteleuropa. Im Lauf der Zeit hat sie der Spinat von den Speisezetteln verdrängt. Der Weiße Gänsefuß wird heute noch in Nordamerika an Vieh verfüttert.

Die Samen der Melde können sogar zu Mehl verarbeitet werden. Während der Hungersnot in Russland vor 200 Jahren wurde es den so genannten Hungerbroten beigemischt.

Leserkommentar O. Kreß:

Im Artikel "Krautalarm auf dem Acker" ordnen Sie die Melde Atriplex der Familie Amaranthaceae zu. Nach dem Zander und diversen Unkrautbüchern gehört die Melde nachwievor zur gleichen Familie wie der Weiße Gänsefuß, nämlich den Chenopodiaceae. (In unserer Gegend sprechen viele Praktiker nur von Melden und differenzieren nicht zwischen Gänsefuß und Melde.)