Joghurt aus Pflanzen

Lupinensamen liefern Rohstoff für leckere Lebensmittel

Die Firma Prolupin isoliert im mecklenburgischen Grimmen in einem patentierten Verfahren das Protein aus Lupinensamen, um damit Lebensmittel herzustellen. Unter der Marke „Made with Luve“ gibt es inzwischen Lupinen-Joghurt, -Drink, -Eis, -Nudeln oder -Frischkäse.

Schon mal „Lughurt“ gegessen? Nein, das ist kein lustiger Versprecher eines Zweijährigen, sondern ein Nahrungsmittel, das man im Supermarkt kaufen kann. Es steht direkt neben dem Joghurt. „Lughurt“ ist ein Joghurt, der anstatt mit Milcheiweiß mit Lupineneiweiß hergestellt ist. Der also laktosefrei, aber auch sojafrei ist. Kein unwichtiges Argument in der heutigen Schlacht um die Deutungshoheit am Kühlregal. Natürlich auch wichtig für Menschen mit Laktoseintoleranz.

Von der Idee zum Produkt

Prolupin ist ein junges Unternehmen mit Sitz in Grimmen und Bremen, gegründet von Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising bei München. Die hatten seit 25 Jahren an Fraktionierungsverfahren geforscht, um Eiweiß aus Lupinen zu isolieren. 2010 war man mit dem weltweit einzigartigen Verfahren so weit, dass man beschloss, ein Start-up auszugründen. Heute wird im Werk in Grimmen unter strengen Qualitätsauflagen aus jährlich 550 bis 600 Tonnen Rohware das Lupinenproteinisolat (LPI) gewonnen. Vertragspartner – in der Regel Molkereien – stellen daraus Milchdrink, Joghurt, Frischkäse oder Eis her.

Das Isolat – etwa 15 bis 17 Kilogramm quarkartige Masse aus 100 Kilogramm Lupinen – enthält einen enorm hohen Protein-Anteil von über 90 Prozent in der Trockensubstanz. Anders als mit Lupinenmehlen können damit Struktur, Textur und Sensorik von Lebensmitteln quasi nach Belieben gestaltet, Milch, Fleisch oder Eier komplett ersetzt werden. Das Isolat kann also über Molkereiprodukte hinaus für den Einsatz in Back- oder Fleischwaren, Feinkostprodukten oder Nudeln maßgeschneidert modifiziert werden. Auch alle anderen im Prozess anfallenden Zwischenprodukte des Verfahrens – Lupinenschalen, -öl, -fasern und -flocken – werden als Zusatzstoffe für Lebens- oder Futtermittel vermarktet.

Start in die Großproduktion

2015 begann für die Marke „Made with Luve“ das Rennen um die Kundengunst am Supermarktregal. Der Moment der Wahrheit für jede gute Produktidee. Dabei half sicher der Umstand, dass das Start-up 2014 mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet wurde. Es begann mit Eis, wenig später gefolgt von Joghurt, Milchdrink, Dessert und Frischkäse, alle in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Prolupin möchte sich allerdings mit seinen Produkten nicht in die Diskussion um vegane Ernährung einmischen oder als Spezialanbieter für laktosefreie Produkte wahrgenommen werden, betont Ulf Jansen, im Unternehmen zuständig für Produktion, Produktentwicklung und Saat/Ernte: „Wir wollen Verbraucher ansprechen, die Wert auf gutes, leckeres Essen legen. Die an Nachhaltigkeit interessiert sind und regionale Landwirtschaft fördern wollen. Immerhin kommt unser kompletter Rohstoff aus Mecklenburg-Vorpommern“.

Rohstoff ist alter Bekannter

Der Rohstoff ist tatsächlich ein „alter Bekannter“ auf leichten Böden. Jahrhundertelang waren Lupinen zur Bodenverbesserung und Stickstoffanreicherung auf sandigen Böden zu Hause. Wegen der Bitterstoffe in den Samen ging das Erntegut allerdings in den Futtertrog. Dank züchterischer Arbeit sind sowohl die Bitterstoffe als auch die gefürchtete Lupinenkrankheit Anthraknose heute kaum noch ein Thema.

Ernährungswissenschaftler prognostizieren der Süßlupine übrigens eine großartige Zukunft als Nahrungspflanze. Sie könnte zu einer der wichtigsten pflanzlichen Eiweißquellen werden, um weltweit Proteine tierischen Ursprungs zu ersetzen. In einer Studie wurde sie unlängst als „Eiweißquelle der Zukunft“ bezeichnet. Darin wurde auch vorhergesagt, dass der weltweite Markt für Milch-Alternativen bis 2025 jährlich um 12,4 Prozent auf 25 Milliarden Dollar wachsen wird.