Der Anthraknose vorbeugen

14.01.2010 Forschung & Technik

Die weltweit bedeutendste Krankheit der Lupinen hat zu einer Verschiebung im Anbauspektrum geführt.

In Deutschland werden rund 20 000 Hektar Lupinen angebaut, wobei sich die Blaue Lupine durchgesetzt hat. Die gelben und weißen, durch ihre großen und kerzenförmigen Blütenstände auffälligen Pflanzen, sind in den vergangenen Jahren fast vollständig von der Bildfläche verschwunden. Schuld ist die Anthraknose, die weltweit bedeutendste Krankheit dieser Hülsenfrucht, ausgeöst durch Colletotricum lupini, einen pilzlichen Erreger.

Die Anthraknose, auch Brennfleckenkrankheit genannt, ist eine Pilzkrankheit, die durch das Saatgut übertragen wird. Sie hat sich seit 1995 kontinuierlich in Deutschland ausgebreitet und dabei am stärksten die Gelbe und die Weiße Lupine befallen. Da es kaum Möglichkeiten der Bekämpfung gibt, hat sich das Anbauspektrum verschoben. Die Blaue Lupine erwies sich dabei als beste Alternative, da sie über eine hohe Toleranz gegenüber der Anthraknose verfügt. „Dank erfolgreicher Züchtung stehen derzeit tolerante Sorten zur Verfügung. Resistente Sorten werden in den nächsten Jahren das Sortiment erweitern“, erklärte Bernd Schachler, Berater für Saatgutvermehrungen bei der Saatzucht Steinach Station Bornhof.

Sobald die Krankheit festgestellt wird, hat der Landwirt schlechte Karten. „Anthraknose kann zu einem kompletten Ausfall der Ernte führen. 2009 war diesbezüglich eher ein unauffälliges Jahr. Anthraknose benötigt hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Temperaturen“, so der Experte.

Die ersten Befallssymptome zeigen sich am Ende des Blattstiels. Die Blätter werden schlaff und hängen herunter. Sie vertrocknen und fallen später ab. Außerdem bilden sich die Blütenstängel nicht mehr gerade aus, sondern verdrehen sich. An den Stängeln wie an den Hülsen entstehen die so genannten Brennflecken. Man erkennt eingesunkene Stellen mit einem braunen Rand mit orangen Stellen in der Mitte, die das Sporenlager des Pilzes kennzeichnen.

Vorbeugen ist alles, Heilungschancen sind nicht in Sicht.

Durch die Entwicklung toleranter Sorten und die Verwendung von anerkanntem, zertifiziertem und gebeiztem Saatgut ist es gelungen, der Anthraknose vorzubeugen und so das Anbaurisiko zu minimieren. „Wir behandeln die Vermehrungsbestände auch prophylaktisch mit Pflanzenschutzmitteln, eine Vorsichtsmaßnahme zur Absicherung des Bestandes. Uns steht kein Mittel zur Verfügung, welches, wie beispielsweise beim Mehltau, dazu führt, dass die Krankheit nach der Behandlung weg ist“, erklärte Schachler.

Die Anthraknose befällt aber nicht allein die Lupinen. Sie macht auch vor kleinkörnigen Leguminosen oder Erdbeeren nicht Halt. Bei Erdbeeren weisen die Früchte große runde eingesunkene Flecken auf, auf den Blättern schwarze.

Blaue Lupine, ein Multitalent

Die heute gebräuchlichen Lupinensorten sind bitterstoffarm, und werden daher als Süßlupinen bezeichnet. Aufgrund ihres geringen Bitterstoff- und ihres hohen Proteingehalts sind die Süßlupinen für die Ernährung von Mensch und Tier geeignet. Auch zur Verbesserung des Bodens bauen Landwirte die Lupinen gerne an, denn sie können, wie alle Leguminosen, durch ihre Symbiose mit den so genannten Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft in Protein umwandeln. Der überwiegende Teil des Stickstoffs wird dabei für die Erzeugung von Eiweiß in der Pflanze benötigt. In nicht unerheblichen Maß bleibt aber auch Stickstoff übrig: Dieser wird über die Wurzel- und Pflanzenmasse für die folgenden Kulturen zur Verfügung gestellt. Ein weiterer Vorteil der Blauen Lupine sind ihre Wurzeln, die tief in den Boden eindringen: Sie transportieren Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten nach oben und lockern ihn obendrein auch noch auf.

Die am Straßenrand und an Böschungen wachsenden Lupinen sind im Gegensatz zu den Süßlupinen Wildpflanzen. Sie weisen einen hohen Gehalt giftiger Bitterstoffe auf und sollten keinesfalls verzehrt werden.