Hopfen - das grüne Gold der Hallertau

Hopfen wird fast nur zur Bierherstellung verwendet. Ein bisschen auch für Beruhigungsmittel in der Medizin. Aber er könnte auch verstärkt Einzug in die Floristik halten.

Hopfen macht das Bier bitter, verleiht ihm ein bestimmtes Aroma und klärt es durch Eiweißausfällung. Darüber hinaus hat der Hopfen schaumverbessernde Eigenschaften und ist ein natürliches Konservierungsmittel. Die goldgelben Fruchtzapfen, die Hopfendolden, werden der kochenden Würze in natürlicher Form, als Pulver oder Extrakt zugesetzt. Geschmack finden aber auch zahlreiche schädliche Pilze und Insekten an dem Gewächs, das in Deutschland auf 17 000 Hektar angebaut wird. Das entspricht 30 Prozent der weltweiten Hopfenanbaufläche. Der Verband Deutscher Hopfenanbauer in Wolznach Markt, schätzt, dass die Ernte in diesem Jahr 30 700 Tonnen betragen wird.

Im Gegensatz zum üblichen Hopfen werden die Blütendolden einer Ziersorte namens `Golden Princess’ nicht von den Blättern verdeckt. Mit ihren großen, besonders zahlreichen crème-weißlichen, gold-glänzenden Fruchtständen könnte sie verstärkt Einzug in die Floristik halten.

Männliche Pflanzen unerwünscht

Der Kulturhopfen Humulus lupulus gehört zur Familie der Hanfgewächse Cannabinaceae. Er ist eine zweihäusige Pflanze. Das heißt, an einer Pflanze befinden sich entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten. Wenn ausnahmsweise beide Blütenarten zusammen vorkommen, sind die Pflanzen unfruchtbar. Nur die weiblichen Pflanzen bilden Dolden. Gelangt der Blütenstaub männlicher Blüten auf die weibliche Dolde, steigt zwar das Gewicht der Dolde durch die harten, kugeligen Samen, aber der Brauwert leidet darunter. In Bayern wurde deshalb in einer Verordnung von 1956 die Vernichtung männlicher Pflanzen zur Verpflichtung gemacht. Dabei darf „wilder“ Hopfen auch mit Herbiziden bekämpft werden.

Bei den heutigen Sorten wird nach Bitterhopfen und Aromahopfen unterschieden. Bittersorten enthalten 12 bis 20 Prozent Alphasäuren, die für das Bitterungspotenzial verantwortlich sind. Aromasorten enthalten nur drei bis neun Prozent Alphasäuren, verfü gen aber dafür über mehr andere Aroma gebende Inhaltsstoffe wie zum Beispiel ätherische Öle.

Gedeiht nur in sonnigen Standorten

Wegen seiner besonderen Klimaansprüche wird Kulturhopfen heute nur zwischen dem 35. und 40. Breitengrad angebaut. Die wichtigsten Anbaugebiete sind die bayerische Hallertau, die Elbe-Saale-Region sowie Tettnang in Baden-Württemberg. Übrigens, in Bayern konnte der Hopfen die Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs im 17. Jahrhundert durch verschiedene Maßnahmen überstehen, während der zu dieser Zeit in Norddeutschland blühende Hopfenanbau zum Erliegen kam.

7 Meter hohe Gerüste

Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen, sagt ein altes Sprichwort. Während Wildhopfen fast überall in Mitteleuropa in Auwäldern, Waldrändern und Gebüschen wächst, gedeiht der Kulturhopfen nur an sonnigen Standorten auf wasserdurchlässigen, nährstoffreichen Böden. An jedem Hopfenstock wachsen im Frühjahr bis zu 60 Triebe, von denen nur drei an den Aufleitdrähten der sieben Meter hohen Hopfengerüste „angeleitet“, das heißt im Uhrzeigersinn um dem Draht gewickelt werden. Sind die Sprosse einen Meter hoch gewachsen, werden die Blätter entfernt, um den Befall mit Krankheiten und Schädlingen, die sich im Boden befinden, vorzubeugen. Auch die sich ständig neu bildenden weiteren Sprosse, die so genannten „Nachschosser“, müssen immer wieder entfernt werden. Sie kosten die Pflanze Kraft und dienen Schädlingen als Nistplatz.

Pilzliche Krankheitserreger

Hopfen wird von verschiedenen pilzlichen Krankheitserregern befallen. Den größten wirtschaftlichen Schaden richten der Grauschimmel Botrytis cinerea, der Falsche Mehltau Pseudo-peronospora humuli, auch Hopfenperonospora genannt, und der Echte Mehltau Spherotheca humuli an. Die Hopfenwelke wird durch Pilze des Stammes Verticillium ausgelöst. Ihre Bekämpfung ist schwierig und Vorbeugung ist daher von großer Bedeutung. Mit pflanzenbaulichen Maßnahmen wie zum Beispiel einer angepassten Stickstoff-Düngung, genügend Kalk und Humus im Boden und gesunden, unverletzten Pflanzen. Bestimmte Hopfensorten, wie zum Beispiel die Sorte`Perle’, sind gegen die Welkekrankheit unempfindlicher als andere Sorten. Falscher und Echter Mehltau können mit Fungiziden bekämpft werden, die auch gegen den Grauschimmel wirken. 2006 bereiteten pilzliche Erkrankungen im Hopfenanbau zunächst keinen großen Schaden. Erst mit der Regenperiode im August setzte das Pilzwachstum ein, konnte jedoch mit dem rechtzeitigen Einsatz von Fungiziden kontrolliert werden.

Schädlinge im Hopfen

Die Pflanzen müssen regelmäßig auf einen Befall kontrolliert werden, da sich die schädlichen Insekten bei für sie günstiger Witterung explosionsartig vermehren und großen Schaden anrichten. Zu den wichtigsten Schädlingen zählen die Hopfenblattlaus Phorodon humuli und die Gemeine Spinnmilbe Tetranychus urticae. Zur Bekämpfung der Hopfenblattlaus wird je nach Kalamität ein bis zweimal im Juni und Juli ein Insektizid eingesetzt. Die Spinnmilbe kann normalerweise mit einer Behandlung im Juli kontrolliert werden. Auch der zur Familie der Rüsselkäfer zählende Liebstöckelrüssler Otiorrhynchus ligustici (auch Luzernerüssler genannt) sowie Drahtwürmer Agriotes lineatus bedrohen die Hopfenkulturen. Diese Bodenschädlinge treten praktisch überall auf und sind nur schwer zu bekämpfen.