Der Paprikarüsselkäfer zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schädlingen im Paprikaanbau

Liegen junge, unreife Paprikafrüchte am Boden, kann der Paprikarüsselkäfer dahinterstecken

Im Freien würde der Käfer(Anthonomus eugenii) die winterlichen Temperaturen in Westeuropa nicht überleben, doch unter Glas fühlt er sich pudelwohl. Der Käfer bereitet den niederländischen Erzeugern im Westland, einer Hochburg im Gewächshausanbau, große Sorgen, denn er vermehrt sich rasend schnell und kann gewaltige Schäden anrichten.

Im Sommer 2012 tauchte der Käfer erstmals bei einem Paprikaerzeuger auf. Bis Ende 2012 gingen an mehreren Stellen Tiere in die Fallen. Anthonomus eugenii kann große Teile der Paprikaernte vernichten. Aus dem Süden der USA, Hawaii, Mittelamerika, Mexiko und in der Karibik sind Ernteausfälle bis zu 50 Prozent bekannt.  

Umfangreiche Schutz- und Kontrollmaßnahmen

Das niederländische Landwirtschaftsministerium reagierte prompt auf die Anzeichen. Rund um die betroffenen Betriebe galt zunächst eine Kontrollzone von einem Kilometer, mittlerweile wurde diese ausgeweitet. Innerhalb dieser Zone müssen sich die Paprikaanbauer genauen Vorgaben unterwerfen. Dazu gehört die chemische Bekämpfung, die Vernichtung der abgeernteten Pflanzen sowie die Reinigung der Gewächshäuser und eine detaillierte Dokumentation aller Maßnahmen. Die Bekämpfung mit Brackwespen (Bracon mellitor) als natürlichen Feinden bringt bisher noch keinen durchschlagenden Erfolg. 

Ausbreitung vermeiden

Mit Pheromonfallen versuchen die Behörden, die Käfer zu fangen. So können sie die Grenzen der Kontrollzonen überwachen und feststellen, ob die Maßnahmen Wirkung zeigen, die die Ausbreitung vermeiden und den Käfer ausrotten sollen. Zum Bekämpfungsspektrum gehört auch die Anbaupause, denn die Larven des Paprikarüsselkäfers fühlen sich nur in Nachtschattengewächsen der Gattungen Capsicum und Solanum wohl. Die Käfer lassen sich hingegen auch auf anderen Nachtschattengewächsen wie Tabak oder Petunien nieder.    

Kleiner Käfer mit großem Rüssel

Anthonomus eugeniigehört zur Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) wie der Kornkäfer (Sitophilus granarius) oder der Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum). Als typischer Vertreter seiner Familie besitzt er einen in Verhältnis zum Körper vergleichsweise langen Rüssel. Das Tier wird allerdings nur etwa drei Millimeter groß. Der kleine Körper ist eher dunkel, die winzigen Flügel weisen helle Flecken auf. 

Gefräßige Larven

Die weiblichen Käfer legen ihre Eier in der Regel an den Blüten oder an den unreifen Früchten ab. Nach längstens fünf Tagen schlüpfen die weißlichen Larven und durchlaufen drei Larvenstadien, von denen eines gefräßiger ist als das andere. Sie fressen an den Blütenknospen und saugen an den jungen Früchten, sodass diese sich nicht weiter entwickeln, zu faulen beginnen und schließlich abfallen. Darüber hinaus machen die Tiere auch vor ihren Artgenossen nicht halt. In einer Frucht überlebt oftmals nur ein einziges Exemplar. Die Larven verpuppen sich in den Früchten. Der ausgewachsene Käfer befreit sich nach dem Schlüpfen über ein kleines Loch.

In den USA, wo der Käfer klimatisch beste Bedingungen zur Vermehrung vorfindet, können bis zu acht Generationen im Jahr heranwachsen. In Westeuropa könnte das unter Glas auch drohen. Ein Entwicklungszyklus dauert nur drei bis vier Wochen. Die Käfer selbst leben bis zu vier Monate.

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