Allüberall auf den Tannenspitzen...

Weihnachtsbräuche in aller Welt

Nikolaus, Weihnachtsmann oder Christkind? Oder Barbarazweige, der Nisse und der Julbock; es gibt die verschiedensten Weihnachtsbräuche in ganz Europa. Ein paar davon stellen wir hier vor und wünschen Ihnen Fröhliche Weihnachten!

Schon lange vor Christi Geburt wurde die Wintersonnenwende gefeiert. Am 21. Dezember ist die längste Nacht des Jahres. Nach diesem Datum werden die Tage wieder länger, die Nächte kürzer. Bereits die alten Römer feierten den Mittwinter mit einem Fest zu Ehren des Gottes Saturn, und in Skandinavien wird seit eh und je das Julfest zur Wintersonnenwende gefeiert. Die Geburt des römischen Sonnengotts Mithras am 25. Dezember, „das Licht in der Dunkelheit des Winters“, wurde später mit der Geburt Jesu, „ich bin das Licht der Welt“ umgedeutet.

Nikolaus, Tannenbaum, Weihnachtsmann und Christkind

Heute gibt es viele christliche und auch wieder weltliche Bräuche rund um Weihnachten. Der allseits bekannte Weihnachtsbaum kam vermutlich im Mittelalter auf. Tannenzweige und Tannenbaum setzten sich irgendwann gegen Misteln und Eibenzweige durch. Stand der Baum zunächst noch draußen, wurde er im 18. Jahrhundert von Protestanten nach drinnen geholt. Die Katholiken hatten dagegen die Krippe mit den Motiven von Christi Geburt im Stall, Ochs und Esel, den Hirten und den drei Königen aus dem Morgenland als wichtigstes Weihnachtsrequisit. Martin Luther verlegte die Bescherung der Kinder vom Nikolaustag auf den Heiligen Abend und begründete das engelsähnliche Christkind. Bis dahin brachte der Heilige Nikolaus der Katholiken am 6. Dezember zusammen mit Knecht Ruprecht, in Bayern auch Krampus genannt, gemeinsam Geschenke für die artigen Kinder. Weihnachtsmann und Santa Claus aus Amerika ergänzen die Figuren rund um Weihnachten. Im Weihnachtsmann sind oft verschiedene Elemente vom Nikolaus, Knecht Ruprecht und dem „rauen Percht“, einer Winteraustreibungsgestalt aus dem Alpenraum, zusammengeführt.

In der Schweiz ist es der Samichlaus, der den Kindern am 6. Dezember die Geschenke bringt, und sein Gefährte heißt Schmutzli. In der französisch sprechenden West-Schweiz kommt hingegen der Weihnachtsmann Père Noël, dann aber erst zu Weihnachten, selber. Im skandinavischen Raum gibt es den „Nisse“, der vom dänischen Wort Niels für Nikolaus abstammt. Er sieht mit seiner roten Zipfelmütze einem Wichtel ähnlich und hat der Überlieferung nach das vorweihnachtliche „Wichteln“ begründet, bei dem man sich gegenseitig beschenkt. Die Niederländer haben ihren Sinterklaas, der unserem Nikolaus entspricht. Der „Sinterklaasavond“ (Nikolausabend) ist dort nach wie vor wichtiger als Weihnachten, obwohl auch hier inzwischen der Weihnachtsabend gefeiert wird.

Jeder kennt auch den Adventskranz. Gemeinsam mit dem Adventskalender dient er der Vorfreude auf Weihnachten. Ersterer hatte nach alten Überlieferungen zunächst 24 Kerzen, heute sind es noch vier, die an den Adventssonntagen angezündet werden. Zu Weihnachten in Deutschland gern gegessen wird der Christstollen, ein Kuchen aus fettreichem, schwerem Hefefeinteig mit Rosinen, Sultaninen und Orangeat. Überregionale Bekanntheit hat etwa der Dresdner Christstollen erlangt.

Barbarazweige, Barbaraweizen und der Luca-Stuhl

In der Slowakei wird am 4. Dezember, wie in einigen anderen europäischen Ländern auch, der Barbaratag zu Ehren der Heiligen Barbara gefeiert. Während anderswo Forsythienzweige oder Apfelzweige ins Wasser gegeben werden, damit sie an Weihnachten blühen, sind es in der Slowakei Kirschzweige. In Ungarn wird dagegen ein wenig Weizen ausgesät, der dann an Weihnachten grün aufgelaufen ist. Am 13. Dezember feiern die Ungarn dann den aus Schweden kommenden Luca-Tag zu Ehren der Heiligen Luzia. Auf dem Land wurde dort früher ein Luca-Stuhl gebaut. Jeden Tag wurde genau so viel gemacht, dass der Stuhl pünktlich zu Heiligabend fertig wurde. In der Christmette stellt man sich dann darauf, hält nach Hexen Ausschau und manche verbrennen den Stuhl danach zum Schutz vor den Hexen. Damit die Hexen und bösen Geister am Heiligabend nicht auf ihren Besen davonreiten können, verstecken die Norweger ihre Besen am 24. Dezember.

Weihnachtstrolle, Julbock und Väterchen Frost

Die isländischen Weihnachtsmänner, die 13 Jólasveinar, sind unwirtliche Gesellen, die kaum mit dem himmlischen Christkind oder dem netten Santa Claus vergleichbar sind. Die trollähnlichen Wesen knallen Türen, stehlen Wurst, rülpsen und schauen den Mädchen unter die Röcke. Stekkjastaur stiehlt die Milch der Schafe im Stall und der Quark-Gierschlund Skyrgámur stiehl den traditionellen isländischen Styr-Quark. Zusammen mit ihrer Mutter Grýla und der Weihnachtskatze, die unartige Kinder sogar fressen, sorgen die Weihnachtstrolle für Angst und Schrecken auf der Insel aus Feuer und Eis. Sie besuchen in den 13 Nächten vor Weihnachten die isländischen Familien, und die Kinder bekommen je nachdem, wie brav sie waren, Geschenke oder auch mal faule Kartoffeln. In Schweden treibt sich vor Weihnachten der Julbock, ein Ziegenbock aus Stroh, herum. In heidnischer Zeit verkörperte er ursprünglich den Donnergott Thor. Er symbolisiert Fruchtbarkeit und streift in der Zeit nach Weihnachten zwischen den Jahren auf den Gehöften herum. Bekannt ist besonders der Gävlebock in der gleichnamigen schwedischen Stadt. Er ist etwa 13 Meter hoch, 7 Meter lang und wiegt 3,5 Tonnen.

Der finnische Weihnachtsbock Joulupukki ist mit dem schwedischen Julbock zwar verwandt, heute aber zum Weihnachtsmann geworden. Früher war es dort nämlich üblich, sich nach dem Weihnachtsessen mit dem Fell von Ziegen zu verkleiden. Joulupukki wohnt in Lappland und fährt an Heiligabend mit seinem Rentierschlitten von Haus zu Haus, klopft an die Tür und fragt, ob in dem Haus artige Kinder wohnen. Joulupukki ist übrigens ein verheirateter Weihnachtsmann, seine Frau heißt Joulumuori. In Russland fährt „Väterchen Frost“, Djed Moros, auf seinem Pferdeschlitten in Troika-Anspannung mit drei Pferden zu den Kindern, um ihnen Geschenke zu bringen. Seine Enkelin „Snjegurotschka“ (= Schneemädchen, Schneeflöckchen) begleitet ihn dabei. Die Bescherung von Väterchen Frost ist am 31. Dezember, Weihnachten wird dann erst am 6. Januar gefeiert.

Weihnachtshexe Befana und die „Urne des Schicksals“

In England gibt es die Geschenke genauso wie in Nordamerika nicht an Christmas Eve, dem Heiligabend, sondern erst am Morgen des Christmas Day, dem ersten Weihnachtstag. Am Abend hält dann die Queen ihre traditionelle Weihnachtsrede. Bekannt ist auch der Plumpudding mit Trockenobst, Nüsse, Gewürze und Fett, der am Boxing day, dem zweiten Weihnachtstag gegessen wird. Nach dem Essen gibt es chrismas crackers, bunte Knallbonbons mit kleinen Überraschungen. Die italienischen Weihnachten heißen Natale. Dort wird an Heiligabend kein Fleisch gegessen, sondern Meeresfrüchte und zum Nachtisch wird der süße Pannetone-Kuchen gereicht. Auch bringt hier nicht immer das Christkind die Geschenke, sondern erst am 6. Januar die Befana. Die Hexe fliegt in der Nacht auf den 6. Januar von Haus zu Haus und verteilt Geschenke an die guten Kinder und bestraft die bösen Kinder. In Spanien essen viele Familien an Heiligabend „Turrón“, einen weißen Nougat mit gerösteten Mandeln und Honig. Gesungen wird „Feliz Navidad“, das auch bei uns sehr bekannt ist. Nach dem Essen wird die „Urne des Schicksals“ gespielt: Jeder darf solange ein Los ziehen, bis er ein kleines Geschenk bekommen hat. Die eigentliche Bescherung findet ebenfalls wie in Italien erst am 6. Januar statt.

Auch in vielen anderen Ländern der Welt gibt es interessante Weihnachtsbräuche. Übrigens, wer dem Weihnachtsmann oder dem Christkind schreiben will, der findet hier ihre Adressen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtspostamt
https://www.deutschepost.de/de/w/weihnachtspost/weihnachtsmann-christkind.html