Justus von Liebig: Mit Knallerbsen begann seine Weltkarriere

28.12.2010 Schule & Wissen

Einer der bedeutendsten Chemiker des 19. Jahrhunderts und der Vater des Mineraldüngers

Knallerbsen weckten sein Interesse für die Chemie. Schon als 16-Jähriger begann Justus von Liebig ein Chemiestudium – mit durchschlagendem Erfolg. Zahlreiche spektakuläre Entdeckungen machten ihn weltweit zum bekanntesten und erfolgreichsten Chemiker seiner Zeit. Liebig gilt als Begründer der Agrikulturchemie, der Organischen Chemie und der Ernährungsphysiologie. Er entwickelte unter anderem erste Mineraldünger und legte so den Grundstein dafür, dass Hungersnöte ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa immer seltener wurden.

Karriere mit Umwegen

Justus von Liebig wurde 1803 als Sohn eines Drogisten und Farbenhändlers in Darmstadt geboren. Die Experimente von Schaustellern auf Jahrmärkten und die Herstellung von Knallerbsen weckten schon früh sein Interesse an Chemie. Das Gymnasium aber brach er ohne Abschluss ab. Ebenso eine Apothekerlehre. Angeblich brannte infolge seiner Experimente mit explosiven Silbersalzen (Knallsilber) der Dachstuhl seiner Lehrapotheke ab. Damit endete die Lehre, und der junge Liebig begann 1819 ein Chemiestudium in Bonn. In dieser Zeit engagierte er sich für freiheitlich eingestellte Burschenschaften gegen die Obrigkeit, und das so intensiv, dass er vor der Polizei flüchten musste. Sein Studium setzte er an der Pariser Sorbonne Universität fort. Bereits 1824 wurde er auf Empfehlung des bekannten Naturforschers Alexander von Humboldt als Professor für Chemie und Pharmazie an die Universität Gießen berufen, die heute seinen Namen trägt. Zu diesem Zeitpunkt war er gerade einmal 21 Jahre alt. 

Moderne Chemie statt Alchimie

Die Chemie zu Beginn des 19. Jahrhunderts war noch stark von der Alchimie geprägt. Sie war mystisch, spekulativ und nach heutigem Verständnis unwissenschaftlich. Justus von Liebig arbeitete anders: Er beobachtete chemische Vorgänge genau, maß, zählte und dokumentierte und entwickelte Theorien aus seinen Beobachtungen. Kein Wunder, dass sein Giessener Labor zu einem Mekka für Chemiker aus aller Herren Länder wurde. Viele bedeutende Wissenschaftler wie Kolbe, Bunsen, Fresenius und Kekule´ waren seine Schüler. Während seiner Giessener Zeit beschäftigte sich Liebig in der Hauptsache mit landwirtschaftlichen Fragen. Er hatte selbst noch im Jahr 1816 eine Hungersnot erlebt und suchte nach Möglichkeiten, die Erträge der Landwirtschaft zu steigern. Liebig vertrat die Meinung, dass Pflanzen ihre anorganischen Bestandteile aus dem Boden gewinnen müssen, weil sie selbst keine Salze erzeugen können. Daraus folgerte er, dass man dem Boden die Stoffe zurückgeben muss, die die Pflanzen ihm entziehen, wenn man seine Fruchtbarkeit erhalten will. Seine Theorien standen absolut im Gegensatz zur damals gängigen Lehrmeinung und riefen heftigste Diskussionen in der Fachwelt hervor.

Ertragssprünge dank Mineraldünger

Liebig bleib die Beweise seiner umstrittenen Theorien nicht schuldig: Er entwickelte erste Mineraldünger. So unter anderem das heute noch immer gebräuchliche Superphosphat. Sein Schüler Joseph Gilbert und sein Partner John Lawes erkannten die große Bedeutung des Stickstoffs für das Pflanzenwachstum. Mit den neuen Mineraldüngern konnten die Bauern die bis dahin üblichen Brachejahre zur Regeneration des Bodens auslassen und jährlich ernten. Das hat neben Fortschritten bei der Züchtung, der Mechanisierung und beim Pflanzenschutz dazu beigetragen, die Agrarproduktion in Deutschland von 1873 bis 1913 um 90 Prozent zu steigern.

Justus von Liebig machte das Minimumgesetz bekannt, das Carl Sprengel lange vor seiner Zeit formuliert hatte. Es besagt, dass das Pflanzenwachstum durch die knappste Ressource (Nährstoffe, Wasser, Licht) begrenzt wird. 

Bekannt auch außerhalb der Landwirtschaft

Zu Liebigs Zeit arbeiteten viele Wissenschaftler hinter verschlossenen Türen, und ihre Leistungen werden zum Teil erst heute erkannt. Ganz anders Justus von Liebig: Er wählte sehr bewusst den Weg in die Öffentlichkeit. Öffentliche Vorlesungen mit Schauexperimenten machten ihn und seine Erkenntnisse bekannt. Einmal kam es zu einer Explosion, bei der Liebig selbst und Mitglieder des bayerischen Königshauses verletzt wurden. Dieser Zwischenfall hätte das Karriereende bedeuten können, aber er steigerte nur Liebigs Bekanntheitsgrad. Seine wissenschaftliche Neugier richtete sich aber nicht nur auf die Landwirtschaft. Er gilt auch als der Begründer der Organischen Chemie. Er verbesserte zum Beispiel das Verfahren zur quantitativen Bestimmung von Kohlenstoff und Wasserstoff in organischen Verbindungen. Zusammen mit Friedrich Wöhler entdeckte er die Isomerie. Auch Produkte des täglichen Bedarfs sind Liebig zu verdanken. Zum Beispiel Silberspiegel, die die bis dahin üblichen gesundheitsschädlichen Quecksilberspiegel ablösten. Sein bekanntestes Produkt war ein Fleischextrakt zum Würzen von Suppen und Speisen, die Grundlage für die bis heute gebräuchlichen Speisewürzen von Maggi oder Knorr. Justus von Liebig starb im Jahr 1873 in München.

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