Resistente Schädlinge – was tun?

24.07.2007 Haus & Garten

Wenn Schädlinge resistent werden, ist guter Rat teuer

Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel nehmen bei Schadinsekten und pilzlichen Krankheitserregern zu. Betroffen sind der Ackerbau, Obst- und Gemüsekulturen aber auch Garten- und Zimmerpflanzen. Sie entstehen durch Veränderungen des Erbguts, die die Schaderreger gegen bestimmte Pflanzenschutzmittelwirkstoffe unempfindlich machen. Für die Praxis gilt: Je mehr Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen eingesetzt werden können, desto besser wird vorgebeugt.

Das Aus für Zimmerpflanzen

Für Zimmerpflanzen bedeuten resistente Schadinsekten nicht selten das Aus. Mit Zimmerlinde und Weihnachtsstern werden Schädlinge in die Wohnung eingeschleppt, die sich dann bei idealen Temperaturen und ohne natürliche Feinde rasend schnell vermehren können. Mobile Insekten wie die Weiße Fliege machen dabei nicht vor anderen Pflanzen halt. Und plötzlich ist der Hibiskus befallen, der bislang schädlingsfrei war. Wenn Insektizide dann nicht helfen, sind die Pflanzen oft nicht mehr zu retten.

Wo kommen die widerstandsfähigen Schädlinge her?

Neben der Weißen Fliege sind auch bei Schildläusen, Spinnmilben und Thripsen Resistenzen gegen zugelassene Insektizide bekannt. Typischerweise werden die gegen Spritzmittel gewappneten Schädlinge mit Pflanzen, auch mit Schnittblumen, eingekauft. Als Ei oder im jungen Larvenstadium sind sie kaum zu erkennen und bleiben deshalb lange unentdeckt. Meistens handelt es sich um Pflanzen aus südlichen Gefilden, weiß Dr. Martin Hommes, Leiter des Instituts für Pflanzenschutz im Gartenbau bei der Biologischen Bundesanstalt BBA: „In den warmen Klimazonen müssen die Pflanzen viel öfter gegen Schädlinge behandelt werden, weil sich die Insekten bei den hohen Temperaturen viel schneller entwickeln“. Bis zu zwei Behandlungen pro Woche sind hier keine Seltenheit. Rosen aus Afrika oder Weihnachtssterne von den Kanaren sind zwei von vielen bekannten Beispielen, wie resistente Schädlinge in die Wohnung gelangen können.

Wie entstehen Resistenzen?

Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel entstehen durch Veränderungen des Erbguts beim Schaderreger. Diese Fähigkeit zur Anpassung an widrige Umweltbedingungen und Bekämpfungsmaßnahmen ist aus Sicht des Schädlings sinnvoll. Für den Pflanzenschutz bedeutet sie, dass immer wieder neue Wirkstoffe entwickelt werden müssen. Das erste Mal traten Resistenzen Anfang der 70er Jahre bei der Wirkstoffgruppe der Benzimidazole in Erscheinung. Sie wurden gegen Schadpilze, unter anderem gegen den Grauschimmel Botrytis cinerea, eingesetzt. Bereits bei der zweiten Anwendung der Fungizide zeigten sich die Schadpilze unempfindlicher. Der Grund dafür war, dass sie es schafften, die Wirkungsweise der Benz­imidazole durch eine einzige Veränderung am Erbgut, eine so genannte monogene Mutation, außer Kraft zu setzen. Heute weiß man, dass die Entwicklung von Resistenzen gefördert wird, wenn:

die Wirkstoffe nur wenige Angriffspunkte im Stoffwechsel des Schadorganismus haben,
die Stoffwechselvorgänge, die betroffen sind, von wenigen Genen gesteuert werden,
immer dieselben Wirkstoffe eingesetzt werden und
die Schadorganismen sich schnell vermehren und dadurch eine kurze Generationenfolge haben.
Resistenzen können sich grundsätzlich nicht nur gegen chemische Wirkstoffe entwickeln, sondern ebenso gegen natürliche Pflanzenschutzmittel wie z.B. gegen Bacillus thuringiensis-Produkte.

Das Problem nimmt zu

„Im Gemüsebau haben wir heute bereits große Probleme“, berichtet Dr. Hommes. „So lassen sich z.B. Weiße Fliegen im Gewächshaus an Fruchtgemüse, aber auch an Zierpflanzen wie Gerbera, Rosen und Weihnachtssternen mit chemischen Mitteln kaum noch bekämpfen. Im Freiland ist die Kohlmottenschildlaus an Kohlgewächsen zu einem großen Problem geworden.“ Im Rapsanbau machen resistente Rapsglanzkäfer von sich reden. In großen Anbaugebieten widerstehen sie Behandlungen mit den gängigen Insektiziden auf Pyrethroid-Basis. Auch Schadpilze trotzen immer mehr Wirkstoffen. So die Erreger der Blattdürre Septoria tritici und Drechslera tritici repentis den Strobilurinen, einer der wichtigsten Wirkstoffgruppen gegen pilzliche Schaderreger im Weizenanbau. Das Resistenzmanagement, das sind Maßnahmen zur Vermeidung von Resistenzen, hat daher im Garten- und Ackerbau große Bedeutung.

So wird vorgebeugt

In der landwirtschaftlichen Praxis und im Gartenbau kommt dem Einsatz möglichst unterschiedlicher Wirkstoffe bei Insektiziden und Fungiziden die größte Bedeutung zu. In vielen Bereichen sind die Möglichkeiten eines Wirkstoffwechsels aber begrenzt, da nur wenige Wirkstoffe zugelassen sind. Gerade bei kleinen Kulturen wie z.B. im Gemüsebau, gibt es oft keine geeigneten Pflanzenschutzmittel. Grund ist, dass sich der hohe Aufwand für die Entwicklung und Zulassung aus Sicht der Pflanzenschutzhersteller nicht lohnt. Im Gemüse- und Obstbau haben auch physikalische Maßnahmen, wie die Abdeckung mit Netzen oder der Einsatz von Nützlingen einen festen Platz im Resistenzmanagement. Zu den physikalischen Maßnahmen bzw. zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit physikalischer Wirkungsweise zählen Spritzungen mit Ölen oder Seifen. Gegen diese können die Schädlinge keine Resistenzen entwickeln. Der Nützlingseinsatz ist insbesondere im Unter-Glas-Anbau erfolgversprechend.

„Für Zierpflanzen gelten grundsätzlich die gleichen Prinzipien wie im Acker- und Gemüsebau“ erklärt der BBA-Experte. Für den Umgang mit Zimmerpflanzen und den Garten empfiehlt Dr. Hommes:

Alle Pflanzen beim Kauf genau auf Schädlingsspuren untersuchen.

Insektizide nicht zu oft anwenden, die Dosierungsempfehlung beachten und möglichst unterschiedliche Wirkstoffe anwenden. Dabei auf den Wirkstoff achten: Auch hinter unterschiedlichen Präparatnamen kann derselbe Wirkstoff stecken. Eine Fachberatung gibt es im Gartenfachhandel.

Auch gegen biologische Mittel können Resistenzen entwickelt werden, z.B. gegen Pyrethrum. Deshalb gilt auch für biologische Mittel: Nicht zu oft anwenden, Wirkstoff wechseln.

Als physikalische Methoden bzw. Mittel mit physikalischer Wirkungsweise können Gelbtafeln, Kulturschutznetze, Öle und Kaliseifen eingesetzt werden. Kaliseife- und Ölpräparate gibt es im Handel, Selbermischen ist gefährlich, da die Pflanzen bei zu starker Konzentration geschädigt werden können.

Einsatz von Nützlingen.