Gesundungsschnitt an Obstgehölzen und sachgerechter Wundverschluss

12.11.2015 Haus & Garten

Zweigkrankheiten durch Schnitt eindämmen

Zu den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes gehört es, u. a. mechanische, biotechnische und biologische Pflanzenschutzverfahren bei der Strategie zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten zu berücksichtigen. Bei Obstgehölzen bestehen die hauptsächlichsten mechanischen Pflanzenschutzmaßnahmen in einem Zurückschneiden und Entfernen erkrankter oder befallener Pflanzen oder Pflanzenteile. Ein sachgemäßer Obstbaumschnitt fördert somit nicht nur die Erträge, er ist auch von ausschlaggebender Bedeutung, um Rinden- und Trieberkrankungen unserer Obstgehölze zu bekämpfen oder zumindest eindämmen zu können.

Pflanzen „gesund“ schneiden

In den letzten Jahren haben sich örtlich verschiedene Rindenkrankheiten wie u.a. die Rotpustelkrankheit oder der Obstbaumkrebs stärker ausgebreitet. Besonders in Trockenjahren werden die von Rindenkrankheiten befallenen Äste auffällig, weil der Baum in den Hitzeperioden nicht mehr in der Lage ist, den erhöhten Ansprüchen an den Wasserbedarf der erkrankten Astpartien gerecht zu werden. Es kommt in Folge dessen zu einem plötzlichen Welken und Absterben von Ästen und ganzen Obstbäumen. Diese abgestorbenen oder kranken Astpartien stellen dann eine große Gefahr als Infektionsquelle für die Weiterverbreitung der Rindenkrankheiten, die meist durch Pilze verursacht werden, dar. Die Entrümpelung der Obstgehölze ist mit ihren Schnittmaßnahmen nicht nur eine "Schönheitskur", sondern in manchen Fällen die einzige wirkliche Bekämpfungsmöglichkeit gegen die Schaderreger.

Andererseits können bei geringem Befall durch ein Ausschneiden der Befallsstellen bis tief in das gesunde Holz die Krankheiten eingedämmt und die Bäume noch leistungsfähig gehalten werden. Sofern sich die Rindenerkrankungen am betreffenden Gehölz noch nicht durch massives Absterben bemerkbar gemacht haben, ist bei einer Kontrolle der Gehölze unbedingt auf Veränderungen an der Rinde zu achten. Hier werden bei einem Befall eingesunkene, abgestorbene, manchmal auch weiche oder aufgeplatzte Rindenpartien sichtbar. Als Grundsatz muss in jedem Fall gelten, dass erkrankte Äste sofort herauszuschneiden sind, unabhängig davon, um welche Rindenkrankheit es sich handeln könnte – also nicht erst die Diagnose abwarten. Mit den Schnittmaßnahmen lassen sich noch weitere Schaderreger eindämmen. So sollten auch die vom Apfelmehltau befallenen Triebspitzen entfernt werden. Der pilzliche Erreger überwintert mit seinem Pilzmyzel in den Endknospen sowohl der Lang- und Holz- als auch der Kurz- und Fruchttriebe. Die befallenen Knospen sind im Winter relativ gut von den gesunden zu unterscheiden, sie sind schlanker als gesunde. Die Knospenschuppen sehen wie vertrocknet aus und sind etwas abgespreizt.

Mit einem sorgfältigen Schnitt lassen sich besonders im Klein-, Haus- und Bauerngarten Erfolge gegen den Apfelmehltau erzielen, insbesondere dann, wenn zusätzlich auch im Frühjahr nach dem Knospenaustrieb und im Sommer als befallen erkannte Triebe herausgeschnitten werden. Das gilt im Übrigen auch für den Amerikanischen Stachelbeermehltau, der an den gestauchten Triebspitzen gut zu erkennen ist. Beim Entrümpeln entfernt man auch die von der Fruchtmonilia befallenen, zu Mumien zusammengeschrumpften an den Bäumen verbliebenen Früchte. Schließlich ist die Gartenschere neben möglichen chemischen Bekämpfungsmaßnahmen das Werkzeug, wenn es gegen die Monilia -Spitzendürre vorzugehen gilt. Sie tritt beim Obstanbau vorwiegend an Sauerkirschen und Aprikosen auf. Als besonders anfällig erweist sich die Schattenmorelle. Während oder kurz nach der Blüte wird ein großer Teil der Blätter, Blüten oder jungen Früchte an einzelnen Triebspitzen welk und braun. Mitunter sind ganze Astpartien davon betroffen. Die vertrockneten Blätter, Blüten und Früchte verbleiben bis in den Winter hinein am Baum. Ab Anfang April bilden sich an solchen erkrankten Zweigen die Sporen des pilzlichen Erregers, die später die Blüten erneut infizieren können. Deshalb werden die erkrankten Zweigpartien am besten im Frühjahr gleich nach Sichtbarwerden der Symptome bis etwa 20 cm tief ins gesunde Holz abgeschnitten.

Optimaler Kronenaufbau hält Krankheiten im Schach

Neben dem Entfernen abgestorbener sowie kranker Zweig- und Triebteile werden bei der Kronenpflege zu dicht stehende Äste und Zweige entfernt. Das schafft einen lockeren Kronenaufbau, der eine bessere Luftzirkulation ermöglicht. Dadurch trocknet das Laub in der Baumkrone besser ab, und das wirkt einem Befall durch verschiedene Krankheiten wie beispielsweise Schorfkrankheiten oder Fruchtmonilia entgegen. Zudem fördert ein lichter und lockerer Kronenaufbau auch die Fruchtausfärbung und stellt so einen wichtigen Faktor zur Erzeugung gesunder und gut entwickelter Früchte dar. Das gilt für den Einzelbaum oder -strauch gleichermaßen wie für den gesamten Gehölzbestand im Garten. In so manchem Klein-, Haus- und Bauerngarten steht ein wahrer Wald aus Bäumen und Sträuchern von Obst- und Ziergehölzen, in dem kaum ein Sonnenstrahl den Boden erreicht. Zu dichte Bestände wie auch ein zu dichter Kronenaufbau fördern das Krankheitsauftreten und behindern zudem noch die Pflege- und Erntearbeiten. Ein immer wieder zu beobachtender Fehler bei der Anlage von Gärten ist, dass zu eng gepflanzt wird. Beim Pflanzen wird nicht der für eine gesunde und natürliche Entwicklung der Gehölze notwendige Abstand eingehalten. Später fällt es dann schwer, sich von dem einen oder anderen inzwischen prächtig entwickelten Exemplar zu trennen.

Scharfe Schnittwerkzeuge und Wundpflege nötig

Für den Baumschnitt sind gut geschärfte Werkzeuge erforderlich. Nur mit ihnen lassen sich glatte Schnitte erzielen, die besser verheilen. Unbedingt sind alle Quetsch- und Risswunden, die im Allgemeinen nur schwer verheilen, zu vermeiden. Die Wunden verheilen sowieso besser während der Vegetationszeit als in der Vegetationsruhe. Bei größeren oder groben Sägewunden sind die Schnittränder mit einem scharfen Messer nachzuschneiden. Auf die Wundränder kann dann ein handelsübliches Wundverschlussmittel aufgebracht werden. Bei Wunden, die größer als eine 2 Euro-Münze sind, wird nur der Rand, wo sich das Bildungsgewebe für das Überwallen der Schnittfläche befindet, bestrichen. Dies muss sofort nach dem Schnitt erfolgen, um ein Austrocknen der Wundränder zu vermeiden.