Dicht versponnen
Gespinstmotten bilden einen dichten Schleier über den befallenen Zweigen.
Larven von Schmetterlingen und Blattwespen schützen sich in ähnlichen Gespinsten
Im Frühjahr und Frühsommer sind nicht selten auffällige Gespinste an Gehölzen zu finden, unter denen sich Insektenlarven befinden, die zu erheblichen Fraßschäden führen können.
Insektenlarven sind ein beliebtes Futter für Vögel und räuberische Insekten wie Hornissen oder Wespen. Eine im Tierreich verbreitete Methode, sich vor diesen Fressfeinden zu schützen, ist, sich zu verstecken. Manche Insektenlarven veranlassen ihre Wirtspflanzen dazu, Gallen aus wucherndem Pflanzengewebe zu bilden, andere zu Blattrollungen, in denen sich die Tiere verstecken. Besonders auffällig ist aber die Strategie anderer Insektenlarven, die sich zwischen den Blättern und jungen Zweigen der Pflanzen einspinnen. Bekannt dafür sind zum Beispiel die Gespinstmotten, eine Gruppe von Kleinschmetterlingen, aber auch andere Insekten nutzen diese Methode.
Gespinstmotten
Gespinstmotten gehören zur Familie der Yponomeutidae in der Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera). Sie treten relativ häufig an Schlehen (Prunus spinosa), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Apfelbäumen (Malus spp.), Weißdorn (Cratagus), Traubenkirschen (Pruns padus), Pflaumen (Prunus domestica) und anderen Laubgehölzen auf. Bei starkem Befall können sie ihre Wirtspflanzen völlig kahlfressen, von denen dann geisterhaft verschleierte Zweiggerippe übrigbleiben. Die Pflaumen-Gespinstmotte Yponomeuta padella befällt Pflaumen und andere Rosengewächse (Rosaceae) wie Schlehe, Kirsche (Prunus avium), Weißdorn (Crataegus monogyna), Vogelbeere (Sorbus aucuparia) und Felsenbirne (Amelanchier spp.).
Ihre Raupen sind 15 bis 22 Millimeter lang und schwarz gepunktet. Sie sind vor allem im Juni/Juli zu beobachten und können zu erheblichen Pflanzenschäden durch Kahlfraß führen.
Ihr ähneln die Apfel-Gespinstmotte Yponomeuta malinellus und die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte Yponomeuta cagnagella, deren Raupen schon von Mai bis Juni zu finden sind. Beide sind von denen der Pflaumen-Gespinstmotte äußerlich kaum zu unterscheiden, aber wirtsspezifisch, das heißt, sie treten nur an Apfelbäumen beziehungsweise Pfaffenhütchen auf. Bei größeren Bäumen sind die Schäden meist unbedeutend, aber junge Bäume können erheblich geschwächt werden.
Gespinst-Blattwespen
Die Gespinst-Blattwespen (Pamphiliidae) dagegen sind der Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera) zuzurechnen, zu der auch beispielsweise Bienen gehören. Sie sind zwar wie die Gespinstmotten Insekten, aber nur weitläufig mit den Gespinstmotten verwandt, obwohl ihre Larven und ihre Lebensweise ihnen stark ähneln.
Am bekanntesten ist die Birnengespinstblattwespe Neurotoma saltuum, die ganz ähnliche Schäden an Birnbäumen verursacht wie die Apfel-Gespinstmotte an Apfelbäumen. Ihre raupenähnlichen Larven fressen bei größeren Bäumen nur einzelne Zweige kahl, wodurch der Schaden meist nicht sehr groß ist. Anders als die Raupen der Gespinstmotten sind die Larven orange gefärbt und zeigen, abgesehen von zwei Punkten direkt hinter der Kopfkapsel, keine weiteren Punkte. Relativ häufig ist auch die Kiefernkultur-GespinstblattwespeAcantholyda hieroglyphica. Sie bildet an den Triebspitzen verschiedener Kiefernarten allerdings keine großflächigen, auffälligen Gespinste, sondern röhrenartige, die mit Kotkrümeln bedeckt sind.
Buchsbaumzünsler und Eichen-Prozessionsspinner
Der Buchsbaumzünsler Cydalima perspectalis gehört ebenfalls zu den Schmetterlingen und kann bei Buchsbaum erhebliche Schäden anrichten. Er neigt ebenfalls dazu, Blätter zusammenzuspinnen. Von den Gespinstmotten, -blattwespen sowie Buchsbaumzünslern und ihren Nestern geht keine Gefahr für den Menschen aus. Im Gegensatz dazu können die Brennhaare der Raupen des Eichen-Prozessionsspinners Thaumetopoea processionea, die sich tagsüber unter Kokons aus Gespinsten versammeln, heftige allergische Reaktionen verursachen.
Gegenmaßnahmen
Im Anfangsstadium der Entwicklung der Larven der Gespinstmotten und -blattwespen sind noch Behandlungen mit zugelassenen Insektiziden wirksam, später hilft nur noch das mechanische Entfernen der Larvennester von Hand, Zweige können abgeschnitten werden. Gegen die Schmetterlingsraupen bieten sich biologische Insektizide mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis (Bt) an, aber gegen Blattwespenlarven wirken sie nicht.
Achtung: Für das Entfernen von Nestern des Eichen-Prozessionsspinners sollten unbedingt Fachleute herangezogen werden.